Gefragt war dagegen Gold, das sich um ein Prozent auf 1810 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) verteuerte. Gleichzeitig kletterte das europäische Inflationsbarometer, der sogenannte Five-Year-Five-Year-Forward, auf ein Zweieinhalb-Jahres-Hoch.

Der Preis für die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee stieg in der Spitze um 0,9 Prozent auf 77,84 Dollar je Barrel (159 Liter), den höchsten Stand seit fast drei Jahren. Die US-Sorte WTI gewann bis zu 2,4 Prozent und war mit 76,98 Dollar so teuer wie zuletzt im November 2014. Ausgelöst wurden die aktuellen Käufe durch die geplatzten Gespräche der Opec+, zu der neben den Mitgliedern des Exportkartells weitere Förderländer wie Russland gehören, über die Produktionsquoten. Damit bleiben Börsianern zufolge die aktuellen Beschränkungen in Kraft. "Es wäre nicht überraschend, wenn sich Brent der Marke von 100 Dollar nähert", warf Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade ein.

"Der Einfluss der höheren Ölpreise wird vorübergehen", prognostizierte Anlagestratege Sebastien Galy von der Vermögensverwaltung der Nordea Bank. "In einigen Wochen werden beide Seiten sicher zu einer Einigung kommen." Denkbar wäre auch, dass sich einige Opec-Mitglieder nicht mehr an die Förderbremse gebunden fühlten und die Produktion rasch hochfahren, sagte Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg.

Der Ölpreis-Anstieg machte Unternehmen aus der Branche für Investoren attraktiver. Der europäische Sektor-Index stieg um bis zu 0,9 Prozent. Der russische Leitindex erreichte sogar ein Rekordhoch.

PERSONALMANGEL GEFÄHRDET ZIELE VON SHOP APOTHEKE


Am deutschen Aktienmarkt steuerten die Titel von Shop Apotheke dagegen mit einem Minus von zeitweise knapp 14 Prozent auf den größten Tagesverlust seit einem knappen Dreiviertel Jahr zu. Die Online-Apotheke habe enttäuschende Quartalsergebnisse vorgelegt und sehe wegen Personalmangels die Gesamtjahresziele in Gefahr, kommentierte Analyst Alexander Thiel von der Investmentbank Jefferies. Offenbar verliere das Unternehmen Marktanteile an den Rivalen Zur Rose. Dessen Aktien fielen in Zürich um 1,3 Prozent.

In London konnten die Titel von Ocado ihre Anfangsgewinne von bis zu vier Prozent nicht halten und gaben rund ein Prozent nach. Der operative Halbjahresgewinn des Online-Supermarkts liege mit umgerechnet 71 Millionen Euro zwar über den Markterwartungen, sagte ein Börsianer. Die Firma mache unter dem Strich aber immer noch hohe Verluste.

Aufwärts ging es dagegen für das Pfund Sterling. Sein Kurs stieg um jeweils etwa 0,2 Prozent auf 1,3853 Dollar beziehungsweise 1,1699 Euro. Die britische Währung profitiere von der geplanten Aufhebung der restlichen Corona-Restriktionen in England zum 19. Juli, sagte Analyst Ricardo Evangelista vom Brokerhaus ActivTrades. "Andere Staaten werden genau beobachten, wie sich das britische Experiment entwickelt."

rtr