Aus einer Schaffarm baute Peter Beck einen Weltraumbahnhof. Nun kauft er für acht Milliarden US-Dollar den Satellitenriesen Iridium. Der Coup bringt ihn SpaceX und Amazon ein Stück näher. 

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 29. Juli in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 32/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.

Ein Kursrutsch von 50 Prozent, eine Milliardenübernahme und ein Firmenchef, der kurz zuvor eigene Aktien im Wert von 465 Millionen US-Dollar verkauft hat: Auf den ersten Blick klingt das nach genügend Stoff für eine Krisensitzung. Auf den zweiten Blick indes ist es nur der aktuell typische „Wahnsinn“ einer vielleicht etwas heißgelaufenen Branche. Es geht nämlich um Rocket Lab. Und es geht um Peter Beck, Gründer und Chef des US-Raumfahrtunternehmens. Und Beck hat richtig für Schlagzeilen gesorgt. Für acht Milliarden Dollar übernimmt er gerade den US-Satelliten-Spezialisten Iridium Communications. „Der größte Scheck“, den er je unterschrieben hat, sagt er. 

Der Neuseeländer, Jahrgang 1977, ist ein Selfmade-Ingenieur. Einen Universitäts-Abschluss kann er nicht vorweisen, sein Wissen hat er sich in der Werkstatt statt im Hörsaal beigebracht. Unter Branchenkennern wird er gern als Antipode von Elon Musk sowie Jeff Bezos gesehen: Während man etwa bei SpaceX von Mars-Kolonien träumt, hält sich Rocket Lab lieber an handfestere Geschäftsmodelle, verdient sein Geld mit dem Bau und Start von Raketen sowie mit Zulieferteilen für Mars- und Mondmissionen. Mit dem skurrilen Nebeneffekt, dass aus einer einstigen Schaffarm auf Neuseelands Nordinsel einer der wenigen kommerziellen Weltraumbahnhöfe außerhalb der USA und Chinas entstand. 

Mit dem Iridium-Kauf verlässt Beck allerdings nun bewusst sein angestammtes Terrain. Satellitenbetrieb im großen Stil war bislang Sache der Konkurrenz. Doch statt jahrelang mühsam ein eigenes Netzwerk aufzubauen, greift Beck jetzt zu und übernimmt mit Iridium Infrastruktur, Frequenzen und Kundenstamm in einem Schritt. Ein bereits profitables Geschäft ist ihm schlicht lieber als ein neues technologisches Prestigeprojekt auf Kredit.

Damit reiht sich Rocket Lab in eine ganze Serie milliardenschwerer Zukäufe in der Satellitenbranche ein. Erst kürzlich hatte SpaceX für 17 Milliarden Dollar die Frequenzen von Echostar übernommen, und Amazon sicherte sich Globalstar für 11,6 Milliarden Dollar. Branchenbeobachter werten den Iridium-Deal deshalb weniger als Ausreißer denn als logischen nächsten Schritt in einem Wettlauf um Kommunikationsnetze im erdnahen Orbit, einem Markt, der zunehmend als das eigentliche große Geschäft hinter der Raumfahrt gilt, während die spektakulären Raketenstarts vor allem für Schlagzeilen sorgen.

Für Rocket-Lab-Aktionäre bleibt die ­Gemengelage vorerst unübersichtlich. Der jüngste Kursverfall dürfte auch mit der nachlassenden Euphorie rund um den Börsengang von SpaceX zusammenhängen, während Becks eigener Aktienverkauf ­zusätzlich für Nervosität sorgte. Auf lange Sicht spricht die Bilanz allerdings für ihn: Seit dem Nasdaq-Listing 2021 hat sich der Kurs versiebenfacht, und aus dem einstigen Nischenanbieter ist mit einer Bewertung von rund 40 Milliarden Dollar das mit Abstand größte Unternehmen geworden, das je aus Neuseeland hervorgegangen ist.

Dass Rocket Lab trotz stark wachsender Umsätze rote Zahlen schreibt, beunruhigt Beck indes nicht. Er habe sich mit dem Zukauf, wie er es formuliert, „zehn bis zwanzig Jahre Entwicklungsarbeit gespart“. Für Anleger, die auf eine neue Kraft im boomenden Satellitengeschäft setzen wollen, ist der Name Rocket Lab damit endgültig auf der Beobachtungsliste angekommen: als eigenständiger Player und nicht nur als Fußnote neben Musk und Bezos.

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