Corona? An der Börse ist das Thema offenbar abgehakt: Die Aktienmärkte feiern Rekordstände, die Pandemie scheint zumindest aus ökonomischer Sicht überwunden. Doch schon geht die nächste Angst um: die Inflation. Kann sie der Aktienrally gefährlich werden? Wie weit schießen die Teuerungsraten nach oben? Und wie können Anleger ihre Depots dagegen wappnen? Darüber diskutierten Deutschlands Top-Vermögensverwalter auf dem jährlichen Anlagegipfel von €uro am Sonntag.

So ganz erledigt war das Thema Corona dabei aber doch nicht. Einer der geladenen Teilnehmer, Jens Ehrhardt, musste kurzfristig absagen, nachdem er am Vortag eine Covid-Impfung erhalten hatte. Wir haben mit dem Chef von DJE Kapital deshalb ein paar Tage später gesprochen und seine Antworten in das Interview eingefügt.

€uro am Sonntag: An den Börsen geht ein neuer Schrecken um: Inflation. In den USA liegt die Teuerung schon bei gut vier Prozent. Laut Bundesbank wird dieser Wert 2021 wohl auch in Deutschland erreicht. Kehrt die totgeglaubte Inflation mit Wucht zurück?

Hendrik Leber: Ja. Nach Corona wollen die Menschen endlich wieder Geld ausgeben. Die Entladung des aufgestauten Konsumbedarfs treibt die Preise nach oben. Dabei werden die Notenbanken die Zinsen nicht erhöhen, weil sie sonst die Wirtschaft sofort wieder abwürgen. Ich rechne mit einer sehr starken Inflation über mehrere Jahre - mit Teuerungsraten von bis zu fünf Prozent.

Michael Reuss: Ich rechne mit deutlich weniger. Es wird nur einen kurzen Inflations-Blubb geben. Die Preise steigen ja wegen temporärer Staus beim Angebot. Momentan gibt es einfach zu wenig Container, Chips und so weiter, um die plötzliche Nachfrage zu befriedigen. Das spielt sich aber wieder ein. Und dann wirken die großen Trends erneut dagegen: die hohe Verschuldung, die Überalterung der Gesellschaften und die rasante technologische Entwicklung. Mehr als zwei Prozent Inflation sehe ich langfristig nicht.

Jens Ehrhardt: Richtig. Die meisten inflationären Effekte werden schnell wieder abebben, die enorm gestiegenen Gebrauchtwagenpreise in den USA etwa. Diese standen für etwa 40 Prozent des Anstiegs der US-Inflation im April. Und bei den wirklich gefährlichen Inflationstreibern, den Löhnen und der Kreditaufnahme, bleibt die Lage entspannt. Mittelfristig wird die Inflation geringer ausfallen, als viele erwarten.

Philipp Vorndran: Die Demografie wirkt aber mittelfristig inflationär, nicht deflationär. Weil sie dafür sorgt, dass in den entwickelten Volkswirtschaften Arbeitskräfte knapper werden. Gleichzeitig konkurrieren weltweit immer mehr Menschen um Rohstoffe und Nahrungsmittel. Das treibt die Preise ebenfalls hoch. Zudem wird die Globalisierung eher zurückgeschraubt. Wir rechnen über die nächsten zehn Jahre mit Inflationsraten von durchschnittlich 2,5 Prozent.

Klingt erträglich. Das Inflationsziel der EZB liegt bei zwei Prozent.

Frank Fischer: Das ist alles andere als erträglich. Der Sparer wird kalt enteignet und zahlt die Zeche dafür, dass die Notenbank mit Niedrigzinsen die Staatsverschuldung beherrschbar macht.

Sofern ihr das Manöver gelingt. Sehen Sie keine Gefahr, dass die Notenbanken die Kontrolle über die Inflation verlieren und die ganze Sache aus dem Ruder läuft?

Leber: Doch. Ich muss da immer an den Zauberlehrling denken. "Die Geister, die ich rief, werd ich nicht mehr los." Die Notenbanken haben schon jetzt keine Kontrolle mehr. Wenn die Inflation anzieht, können sie nichts tun. Wenn sie die Geldschleusen nur ein bisschen schließen, tut das der Wirtschaft sofort enorm weh.

Dann sind auch zehn oder 20 Prozent Inflation denkbar.

Leber: Ja. Oder 200 Prozent.

Das wäre fast eine Hyperinflation. Ist das realistisch?

Reuss: Dazu müsste es zu einer tiefen Vertrauenskrise kommen. Die sehe ich derzeit nicht.

Leber: Möglich ist es schon. Mir kann jedenfalls niemand plausibel erklären, wie wir geordnet aus dieser Überschuldung rauskommen.

Fischer: Doch, ich. Mit 2,5 Prozent Inflation - über viele Jahrzehnte. Damit können wir die Schulden schön moderat weginflationieren. So kriegen wir das in den Griff, über kalte Enteignung und ohne Vertrauenskrise.

Vorndran: Richtig. Nur weginflationiert wird da nichts. Es ist nicht wie nach dem Zweiten Weltkrieg, als die USA ihre Staatsschuldenquote über Inflation, Wachstum und Zinsbegrenzung von 120 auf unter 60 Prozent gedrückt haben. Die Herausforderungen für die Staatshaushalte sind heute so riesig, dass die Schuldenquoten nicht sinken, wohl aber einigermaßen im Zaum gehalten werden können.

Ehrhardt: An die riesigen Staatsschuldenberge wird man sich aber gewöhnen. Man schiebt sie einfach vor sich her und hält die Zinsen unten. Das klappt, weil die Konjunktur nicht weit hochschießen wird. Der große Reset wird vorerst nicht kommen.

Reuss: Und wenn es nicht klappt, dann werden die Staatsschulden halt aus der Notenbankbilanz gestrichen.

Fischer: Langfristig ist auch mal wieder ein Wachstumsschub zu erwarten. Durch den medizinischen Fortschritt wird die Lebenserwartung in zehn Jahren wahrscheinlich um 30 Jahre steigen. Das hilft auch beim Schuldenabbau.

Leber: Das ist mir zu einfach. Ein Geldschein ist ein Versprechen auf künftige Kaufkraft. Egal ob Inflationierung oder Streichung der Staatsschulden - beides heißt: Du bekommst nicht, was auf dem Geldschein steht. Die vielen Leute, die zum Beispiel mit ihrer Altersvorsorge auf dieses Versprechen angewiesen sind, werden die Verlierer sein. Und dann sollen diese Leute auch noch 30 Jahre älter werden? Da knallt’s aber gewaltig im System.

Vorndran: Für den Anleger ist diese Diskussion aber irrelevant. Wichtig ist: Die Inflation steigt - ob auf drei oder 200 Prozent, ist sekundär.

Ernsthaft? 200 Prozent Inflation wären doch eine Katastrophe.

Vorndran: Klar, aber auch drei Prozent Inflation sind für Sparer schon eine Katastrophe. Da vernichten sie mit Festgeld, Sparbuch oder zehnjährigen Bundesanleihen systematisch Kaufkraft. So oder so: Anleger mit einem langfristigen Zeithorizont müssten alles in sinnvolle Sachwerte investieren. Also ins Eigenheim, und vom Rest 90 Prozent in Aktien und zehn Prozent in Gold.

Fischer: Volle Zustimmung. In Phasen hoher Inflation muss man mit Aktien zwar heftige Kursschwankungen aushalten. Aber am Ende überleben die meisten Unternehmen, man kann das Vermögen erhalten.

Reuss: Da muss man aber die ganze Geschichte erzählen. In der Hyperinflation von 1923 wurden die Börsen auch mal monatelang geschlossen. Und die Kurse sind zwischendurch dramatisch abgestürzt. Aktien sind heute definitiv die attraktivste Anlage und der beste Inflationsschutz. Aber 100 Prozent? Das steht der Normalanleger nervlich nicht durch. Er braucht auch Anleihen und Gold im Depot. Eine Aktienquote von 60 bis 70 Prozent ist eher zu empfehlen.

Welche Aktien schützen denn am besten vor Inflation?

Fischer: Aktien von Unternehmen, die die Preise erhöhen können, wenn alles teurer wird. Nestlé, Unilever und Coca-Cola haben diese Preismacht. Noch besser gerüstet ist Amazon. Der Onlinehändler kann seine Preise quasi millisekündlich erhöhen. Solche Titel muss man ins Depot legen und dann nichts machen. Wie Charlie Munger gesagt hat: Money is made by sitting, not by trading!

Leber: Das ist mir zu konventionell. Es gibt massive technologische Umwälzungen. Da findet ein unglaublicher Verdrängungswettbewerb statt. Klassiker wie Coca-Cola werden die Verlierer sein. Sie sind dann nur noch die Erfüllungsgehilfen der digitalen Anbieter wie Facebook, Alphabet oder Amazon, die die ganze Aufmerksamkeit der Verbraucher auf sich ziehen. Diese Unternehmen generieren die großen Einnahmen.

Also immer noch Big Tech kaufen?

Ehrhardt: Ja. Mittelfristig werden sich die großen US-Wachstumswerte wieder mit am besten entwickeln. Die haben so eine riesige Marktmacht, an denen kommt keiner vorbei.

Leber: Aber auch unter den Techfirmen ist der Verdrängungswettbewerb enorm. Facebook greift Alphabet bei der Onlinesuche an. Umgekehrt gräbt Alphabet Facebook bei den Cookies das Wasser ab. Amazon kommt neu ins Spiel und gewinnt Marktanteile. Nur einer wird sich durchsetzen. Wer, weiß ich heute noch nicht. Die Dynamik ist enorm. In fünf Jahren kann sich alles komplett drehen.

Vorndran: Am besten ist es da, alle drei Aktien im Depot zu haben. Der Gewinn, den ich mit dem Sieger einstreiche, wird um ein Vielfaches größer sein als der Verlust mit den Verlierern.

Fischer: Aber mit der Top-Qualität von Amazon können weder Facebook noch Alphabet mithalten. Der Internethandel explodiert, das Geschäft mit Onlinewerbung spült Milliarden in die Kassen, obendrein das lukrative Cloud-Business: In Amazon steckt so viel Power, das ist Wahnsinn. Wir rechnen auf fünf Jahre mit einem Kursplus von durchschnittlich 14 Prozent pro Jahr. Für 2026 ergibt sich damit ein Kursziel von mehr als 6.000 Dollar. Heute steht die Aktie bei rund 3.200 Dollar.

Die Regulierungsbehörden beobachten die Techriesen inzwischen aber mit Argusaugen. Was ist, wenn es zu einer Zerschlagung kommt?

Reuss: Für Anleger wäre eine Aufspaltung vermutlich sogar positiv. Die Einzelteile eines solchen Techgiganten dürften zusammen an der Börse mehr wert sein als das Konglomerat. Zudem könnten sich Einzelteile zu neuen Firmen zusammenschließen, ein Teil von Amazon mit einem von Google etwa.

Zuletzt war an der Börse eine Branchenrotation zu beobachten: raus aus Tech und rein in Zykliker und Value. Dauert der Trend noch an?

Ehrhardt: Die Value-Rally ist unter Umständen nur eine kurzfristige Sache. Sobald der Konjunkturschub über die ganzen Stimulanzien abebbt, ist es damit wieder vorbei.

Fischer: Aber es gibt noch tolle Value-Titel. Novo Nordisk etwa. Der Pharmakonzern ist Marktführer bei Diabetes-Medikamenten. Und jetzt ist er dabei, Marktführer bei der Behandlung von Fettleibigkeit zu werden. Das wird ein Erfolg mit Ansage. Erstens weil damit die Gesundheitssysteme entlastet werden. Und zweitens weil sich viele Selbstzahler sagen werden: Toll, mit 20 Kilo weniger auf den Rippen seh’ ich wieder spitze aus, das kauf ich mir.

Leber: Mein Lieblings-Pick ist Biontech. Die Rechnung ist ganz einfach. Die Firma verkauft 2021 zwei bis drei Milliarden Impfdosen. Der Partner Pfizer, der die Hälfte des Geschäfts macht, schätzt den Umsatz damit auf 26 Milliarden Dollar. Also sagen wir mal konservativ: Biontech macht 20 Milliarden damit. Die Marge darauf liegt bei etwa 80 Prozent. Wenn ich noch die Steuern abziehe und damit dann das KGV berechne, kommt ein Wert von vier heraus. Das schreit einen doch richtig an, oder?

Viele Anleger investieren nicht in Einzelaktien, sondern breit per ETF an den Börsen. Können sie dieses Jahr noch mit Gewinnen rechnen? Oder ist die Rally nach dem starken Anstieg im ersten Quartal schon gelaufen?

Reuss: Es wird erst mal sehr holprig an den Aktienmärkten. Die Inflationsangst lastet auf den Börsen, auch die Angst vor Tapering, also davor, dass die Notenbanken den Geldhahn doch früher zudrehen. Ich erwarte keinen Bärenmarkt, aber ein paar ruppige Monate. Danach, wahrscheinlich irgendwann ums Jahresende, wird aber klar werden: Mit der Inflation wird es doch nicht so schlimm. Und dann haben die Börsen wieder Luft nach oben.

Vorndran: Wir haben für den US-Markt eine Analyse gemacht mit der Fragestellung: Wie läuft das restliche Börsenjahr, wenn die Aktienmärkte in den ersten 100 Tagen schon mehr als zehn Prozent Performance gemacht haben? Ergebnis: Dann war in 75 Prozent der Fälle die Performance auch im Rest des Jahres positiv. Im Mittel erzielten die Märkte im Gesamtjahr dann sogar ein Plus von 20 Prozent.

Leber: Das könnte dieses Jahr ähnlich kommen. Die Unternehmensgewinne werden noch enorme Sprünge machen. Das allein treibt die Kurse noch hoch.

Ehrhardt: Ich denke, den Großteil der diesjährigen Börsengewinne haben wir bereits gesehen. Trotzdem bleibt das Börsenumfeld günstig. Die Konjunktur zieht etwas an, schäumt aber nicht über. Die Inflation bleibt niedriger als erwartet. Und Aktien bleiben attraktiver als Bonds.

Dann läuft die Post-Corona-Hausse noch ein paar Jahre?

Ehrhardt: Ja. Eigentlich sind wir in einer Blase. Aber die platzt erst, wenn die Notenbanken die Liquidität rausnehmen. Erst dann fällt dieses aufgeblähte monetäre Gebilde in sich zusammen. Das wird noch viele Jahre dauern.

Fischer: Genau. Dank der Notenbanken geht die Party weiter. Ungemütlich wird’s nur, wenn die Debatte ums Tapering hochkocht. Das sehen wir vermutlich 2022. Oder wenn die Fed doch an der Zinsschraube dreht. Aber auch das sind Einstiegschancen, weil höhere Zinsen auf Dauer nicht durchsetzbar sind.

Reuss: Das denke ich auch. Im Schnitt wirft der Aktienmarkt langfristig rund sechs Prozent Gewinn pro Jahr ab. Das ist auch in den nächsten Jahren drin.

Vorndran: Wobei man ehrlicherweise sagen muss: Wenn man ein Prozent Kosten, 1,5 Prozent Steuern und zwei Prozent Inflation abzieht, dann bleiben für den Anleger real nur 1,5 Prozent übrig.

Zweifel an der Geldwertstabilität treiben auch viele Anleger in Kryptowährungen. Der Bitcoin zum Beispiel hat dieses Jahr schon eine fulminante Rally hingelegt - und einen herben Rückschlag erlitten. Taugen Kryptowährungen als Wertspeicher und zur Diversifikation im Depot?

Leber: Auf jeden Fall. In unserem Datini-Fonds habe ich ein Bitcoin-Zertifikat, es ist mit etwa acht Prozent gewichtet. Bitcoin ist die Großmutter unter den Kryptowährungen und ein echter Geldspeicher. Andere Kryptos wie Ethereum oder Ripple hingegen vereinfachen eher die Transaktionen. Das sind verschiedene Welten. Der Bitcoin ist eine gute Alternative zu Gold, weil er knapp und seine Menge begrenzt ist. Ich sehe da noch viel Kurspotenzial.

Der Bitcoin ist aber veraltet. Das Schürfen frisst Unmengen Strom, und das Maximum an Transaktionen pro Sekunde ist mickrig. Werden ihm neue Kryptos nicht den Rang ablaufen?

Leber: Als Wertspeicher nicht. Dazu fehlt den anderen die harte Obergrenze für die Menge. Da kann morgen die Zahl der maximal umlaufenden Einheiten verdoppelt werden - und schon ist die Währung fast nichts mehr wert.

Vorndran: Das ist wie bei Kupfer und Gold. Kupfer ist zwar definitiv der nützlichere Rohstoff, aber auch leichter zu fördern. Nur Gold ist knapp genug, um als Wertspeicher zu fungieren.

Fischer: Das Spannende an Kryptowährungen ist aber die Blockchain-Technologie. Sie wird ganze Branchen umkrempeln.

Reuss: Die Technologie ist wirklich revolutionär, aber in die kann ich nicht investieren. Und sonst sind Kryptowährungen für mich nur Spekulationsobjekte. Sie sind kein Asset fürs Portfolio. Sie sind nicht mal Währungen. Denn eine Währung ist ein gesetzliches Zahlungsmittel. Niemand ist verpflichtet, Bitcoins anzunehmen. Und ein Wertspeicher sind Bitcoins auch nicht. Man weiß ja nicht mal, wer den Bitcoin erfunden hat oder wer der größte Bitcoin-Besitzer ist. Obendrein werden die Notenbanken niemals auf Dauer eine Währung zulassen, die sie nicht kontrollieren können.

Ehrhardt: Ich halte von Kryptowährungen auch nichts. Mich erinnern sie eher an ein Kettenbriefsystem. Ich setze da lieber auf Gold. Das Edelmetall hat wieder Kurspotenzial. Die Realzinsen sind mit dem Inflationsschub noch mal mächtig abgesackt, was dem Goldpreis viel Rückenwind gibt. Zudem zieht die Goldschmucknachfrage in China und Indien wieder deutlich an.
 


Die Aktienrally läuft weiter

Hendrik Leber, Acatis-Chef und Deutschlands bekanntester Value-Investor, blickt zuversichtlich auf das zweite Börsenhalbjahr. Dank der riesigen Konjunkturpakete würden die Unternehmensgewinne noch kräftig steigen, meint er, was die Aktienmärkte weiter beflügele. Dem MSCI-World-Index traut er auf Sicht von zwölf Monaten ein Plus von mehr als zehn Prozent zu.

Sein Fonds:

Acatis Datini Valueflex

Den Datini-Mischfonds managt Hendrik Leber selbst. Und dabei genießt er große Freiheiten: Er kann auch auf exotische Wertpapiere setzen und seine Favoriten relativ hoch gewichten. So hat er aktuell zum Beispiel knapp acht Prozent des Portfolios in ein Zertifikat auf den Bitcoin-Kurs investiert. Das bedeutet: Starke Schwankungen müssen Anleger aushalten können, der Fonds birgt eine ordentliche Portion Risiko - dafür aber auch besonders hohe Gewinnchancen. In den vergangenen fünf Jahren hat der Datini im Schnitt rund 20 Prozent pro Jahr zugelegt.

Die größte Position im Fonds ist zurzeit Biontech. Die Aktie ist seit der Covid-19-Impfstoff-Entwicklung zwar in aller Munde. Doch ausgereizt sei ihr Kurspotenzial noch lange nicht, so Leber. Ebenfalls auf seiner Top-Liste steht SFC Energy - "ein Weltstar, den keiner kennt, weil er aus Deutschland kommt. Und eine der wenigen Firmen weltweit, die profitabel Brennstoffzellen produzieren können." Nach 20 Jahren Vorlauf bekomme das Unternehmen jetzt große Aufträge, berichtet Leber. Er sieht darin den Auftakt für noch größere Orders.

 


Inflation im Blick behalten

Wie Hendrik Leber gehört auch Frank Fischer zu den Verfechtern der Value-Anlage. Mit Argusaugen beobachtet der Geldprofi derzeit den Anstieg der Inflation. Denn wenn die Teuerung mittelfristig erhöht bleibe, so Fischer, dann wären die Notenbanken womöglich doch gezwungen, die Geldflut einzudämmen - was den Börsen kurzzeitig einen Dämpfer verpassen könnte.

Sein Fonds:

Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen

Rund 26 Prozent hat der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen in den vergangenen zwölf Monaten zugelegt. Das kann sich sehen lassen. Ein Grund für den üppigen Wertzuwachs ist die hohe Aktienquote im Portfolio. Sie liegt mindestens bei 51 Prozent, aktuell aber sogar bei mehr als 80 Prozent. Fest steht deshalb auch: Wer auf den Fonds setzt, sollte risikofreudig sein und bei Kursturbulenzen nicht gleich kalte Füße bekommen.

Ein starker Performance-Treiber der vergangenen Monate war die Top-Position im Fonds: Secunet. Ihr Kurs hat sich in einem Jahr mehr als verdoppelt. Die Cybersecurity-Firma ist auf Datensicherheit in hochsensiblen Bereichen spezialisiert, etwa im Gesundheitswesen oder in der Cloud. Zu ihren Kunden zählen die NATO, die EU, zahlreiche Bundesbehörden und mehr als 20 DAX-Konzerne. Wie Fischer seine Favoriten auswählt? Ihm gehe es nicht nur darum, billig einzukaufen, sagt er. Er investiert auch mal in etwas höher bewertete Qualitätsaktien, die dafür aber mit zweistelligen Kapitalrenditen aufwarten. In der Corona-Krise hat er zum Beispiel beim Onlinehändler Amazon zugeschlagen.

 


Notenbanken in der Zwickmühle

Die Inflation wird wohl zulegen, meint Philipp Vorndran. Trotzdem rechnet er nicht damit, dass die Notenbanken nachhaltig an der Zinsschraube drehen. "Die Kollateralschäden einer deutlich restriktiveren Geldpolitik wären gewaltig", sagt der Kapitalmarktstratege von Flossbach von Storch. Deshalb bleiben Aktien für ihn die attraktivste Anlageklasse.

Sein Fonds:

FvS Multiple Opportunities

Der FvS Multiple Opportunities ist so etwas wie der Supertanker unter den Mischfonds in Deutschland. Knapp 24 Milliarden Euro hat er bei Anlegern eingesammelt. Den Investmentansatz erklärt Vorndran so: "Wir versuchen eine gute Balance zu finden zwischen stabilen Aktien, die als Anleiheersatz taugen, und Titeln mit überdurchschnittlichen Wachstumsperspektiven." Ein Blick auf die größten Aktienwerte im Depot verrät, wie das konkret aussieht. Konsumtitel wie Nestlé und Unilever sind Stabilitätsanker. Die Top-Position Alphabet gehört dagegen zu den Digitalisierungsgewinnern, die mit Wachstum punkten. Aktuell hat das Fondsmanagement das Portfolio zu 80 Prozent in Aktien investiert. In heißen Börsenphasen kann es den Anteil aber bis auf 25 Prozent runterfahren. "Wenn es kracht an der Börse, wollen wir deutlich besser abschneiden als der Markt", erklärt Vorndran. "Und wenn der Markt nach oben läuft, wollen wir davon profitieren, wohl wissend, dass wir ihn in Rallyphasen höchstwahrscheinlich nicht schlagen können." Seit Mitte 2011 hat der Fonds im Schnitt eine jährliche Rendite von 8,8 Prozent erzielt.

 


Börsenklima wird rauer

Langfristig hält Michael Reuss Aktien für attraktiv. Aber auf Sicht von zwölf Monaten werde das Börsenklima rauer, sagt er. Der Konjunkturaufschwung nach Corona sei eingepreist. Und die steigende Inflation werde eine neue Diskussion um die lockere Geldpolitik anheizen. Auf Sicht von zwölf Monaten sieht er den MSCI World unter starken Schwankungen seitwärts laufen.

Sein Fonds:

Arbor Inv. Vermögensverwaltungsfonds

Reuss sieht Erschöpfungszeichen an den Weltbörsen. Passend dazu wurde der Aktienanteil im Arbor-Fonds in den vergangenen drei Wochen auf netto 52 Prozent reduziert. Auch bei der Titelauswahl hat das Fondsmanagement zuletzt etwas Risiko rausgenommen. Defensive Werte wurden aufgestockt, der Anteil an Tech- und Wachstumstiteln dagegen verringert. Zu den Top-Positionen im Fonds zählt aktuell Goldman Sachs. Die Investmentbank präsentierte gerade das beste Quartalsergebnis ihrer Geschichte. In der Corona-Krise hat das Unternehmen Marktanteile gewonnen, das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen brummt. Ebenfalls auf der Favoritenliste steht Owens Corning, ein US-Hersteller von Baustoffen. Als Dämmstoffspezialist profitiere er laut Reuss davon, dass die CO2-Emissionen von Gebäuden um mindestens 50 Prozent sinken müssen, wenn die Klimaziele bis 2050 erreicht werden sollen. Optimistisch ist der Geldprofi auch für Gold. "Wir haben unsere Gold-Position ausgebaut", erklärt er, "und werden sie schrittweise weiter hochfahren, zulasten der Aktienquote".

 


Alles halb so wild

Seit mehr als 50 Jahren analysiert Jens Ehrhardt das Börsengeschehen. Zurzeit blickt er verhalten optimistisch auf die Aktienmärkte. Die Kursgewinne werden im zweiten Halbjahr zwar geringer ausfallen als im ersten, meint er. Aber Konjunktur und Inflation schießen nicht so stark nach oben, dass die Notenbanken mit Zinserhöhungen gegensteuern müssen.

Sein Fonds:

DJE Zins und Dividende

Der positive Börsenausblick von Ehrhardt spiegelt sich im Portfolio des DJE Zins & Dividende wider. Der Fonds ist derzeit fast zu 50 Prozent in Aktien investiert. Damit schöpft er die Obergrenze für die Aktienquote nahezu vollständig aus. Gemanagt wird er allerdings nicht von Jens Ehrhardt, sondern von dessen Sohn Jan. Der setzt derzeit verstärkt auf Aktien aus den Bereichen Chemie, Bau und Finanzen. Eine der Top-Positionen ist BASF. Der Konzern zählt heute zu den Top-Autozulieferern der Welt. Dabei profitiert er besonders vom Trend zur Elektromobilität. Denn in einem E-Auto ist der Anteil an BASF-Produkten laut Ehrhardt doppelt so hoch wie in einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Auch die Deutsche Post zählt zu den Schwergewichten im Fonds. Das Unternehmen profitiert vom Onlinehandel, kann seine Marge noch steigern und bietet eine Dividendenrendite von rund drei Prozent.

Schlaflose Nächste bleiben Anlegern mit dem DJE Zins & Dividende in der Regel erspart. Der eher defensive Investmentansatz schont die Nerven in turbulenten Börsenzeiten.