Der niederländische Chipausrüster ASML überrascht mit einem starken Quartal. Die Aktie eilt dem Rekordhoch entgegen – und Analysten streiten darüber, wie weit der Weg noch geht.

ASML reitet auf der Welle des Chip- und KI-Booms: ASML-Chef Christophe Fouquet hatte die Umsatzprognose für 2026 erst vor wenigen Monaten auf 36 bis 40 Milliarden Euro angehoben – und revidiert sie nun noch einmal deutlich nach oben. Für das Gesamtjahr rechnet der niederländische Chipausrüster nun mit einem Umsatz von 43 bis 45 Milliarden Euro. Auch die Bruttomarge soll mit 54 bis 56 Prozent höher ausfallen als noch im Frühjahr erwartet. Beide Zielwerte übertreffen mit Abstand die durchschnittlichen Analystenerwartungen.

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ASML: Prognose erneut angehoben – diesmal deutlich

ASML profitiert vom KI-Boom: Tech-Konzerne wie Microsoft und die Google-Mutter Alphabet investieren hunderte Milliarden Dollar in den Ausbau ihrer Rechenzentren. Chiphersteller wie Marktführer Nvidia weiten ihre Produktionskapazitäten aus. Von all dem profitiert ASML als einziger Hersteller weltweit von hochentwickelten Lithografiemaschinen, die für die Fertigung modernster KI-Chips benötigt werden. „Die Investitionen und die Fortschritte rund um Künstliche Intelligenz treiben die Nachfrage nach fortschrittlichen Logik- und Speicherchips an", sagte Fouquet. Der Auftragseingang sei in der ersten Jahreshälfte „äußerst stark" geblieben.

Das zeigen auch die Zahlen für das zweite Quartal. Der Umsatz stieg überraschend kräftig auf gut 9,3 Milliarden Euro – nach knapp 8,8 Milliarden im ersten Quartal. Analysten hatten lediglich eine moderate Steigerung erwartet. Die Bruttomarge verbesserte sich von 53 auf 54 Prozent und übertraf ebenfalls die Prognosen der Experten. Unterm Strich verdiente ASML gut 2,9 Milliarden Euro, nach knapp 2,8 Milliarden im Vorquartal.

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Für das laufende dritte Quartal stellte Fouquet einen Umsatz von 11 bis 12 Milliarden Euro in Aussicht – bei einer Bruttomarge zwischen 55 und 57 Prozent. Für 2027 plant ASML, die Kapazität für Standard-EUV-Lithografieanlagen (Low NA EUV) von derzeit 65 Stück um 30 Prozent auszuweiten; für 2028 wird eine weitere Steigerung um erneut 30 Prozent geprüft. Ähnliches gilt für DUV-Immersionsanlagen.

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ASML: Analysten reagieren auf Rekordzahlen

Barclays-Analyst Simon Coles zeigte sich begeistert: Der Spezialist für Lithografiesysteme habe mit einem starken Quartal seine eigenen Ziele übertroffen. Zudem dürfte der Auftragseingang für EUV-Lithografiesysteme im ersten Halbjahr ein Rekordniveau erreicht haben. Goldman-Sachs-Analyst Alexander Duval lobte, die starke Auftragslage untermauere den Kapazitätsausblick für EUV- und DUV-Lithografiesysteme.

Janardan Menon vom Investmenthaus Jefferies verwies auf die von ASML sehr deutlich angehobenen Jahresziele. Der aufgestockte Umsatzausblick liege nun klar über seiner Prognose und der mittleren Markterwartung. Auch die avisierte Bruttomarge sei deutlich höher als er bisher prognostiziert habe. Allerdings falle der für 2027 in Aussicht gestellte Kapazitätsausbau für die Produktion von Standard-EUV-Lithographiesystemen geringer aus als allgemein erwartet, schränkte Menon ein. Gerade für diesen Bereich seien die Markterwartungen zuletzt stark gestiegen, weshalb er von einem letztlich "gemischten Ausblick" sprach. 

ASML (WKN: A1J4U4)

ASML-Aktie auf dem Weg zum Rekordhoch

Die Märkte honorierten die guten Zahlen. Die ASML-Aktie schnellte in Amsterdam zeitweise auf 1.678 Euro und notierte zuletzt noch mit einem Plus von 5,7 Prozent auf 1.644 Euro – ein Spitzenwert im leicht schwächelnden EuroStoxx 50. Dabei übersprang der Kurs dynamisch die 21-Tage-Durchschnittslinie bei rund 1.605 Euro als wichtigen kurzfristigen Trendindikator. Bis zum Rekordhoch von 1.741 Euro von Ende Juni fehlen damit weniger als 7 Prozent. Mit einem Börsenwert von knapp 639 Milliarden Euro ist ASML das wertvollste Unternehmen Europas.

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Enthält Material von dpa-AFX

Häufige Fragen

Was macht ASML so besonders? 

ASML ist weltweit das einzige Unternehmen, das hochentwickelte EUV-Lithografiemaschinen herstellt. Diese sind unverzichtbar für die Produktion modernster Halbleiter – etwa für KI-Anwendungen. Dieses Monopol verschafft dem Konzern eine außergewöhnliche Marktstellung.

Warum profitiert ASML so stark vom KI-Boom? 

Künstliche Intelligenz erfordert enorme Rechenleistung, die auf hochkomplexen Chips basiert. Je mehr Tech-Konzerne in KI-Infrastruktur investieren, desto mehr Chips werden benötigt – und desto mehr Lithografiemaschinen von ASML.

Was ist EUV-Lithografie? 

EUV steht für „Extreme Ultraviolet" – ein Verfahren, bei dem extrem kurzwelliges Licht genutzt wird, um hauchdünne Schaltkreismuster auf Siliziumwafer zu übertragen. Es ermöglicht die Fertigung der kleinsten und leistungsfähigsten Chips, die heute auf dem Markt sind.

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