Als Inkubator für Start-ups mit Geschäftsmodellen im Internet machte Oliver Samwer dieses Unternehmen weltberühmt. Mittlerweile wird die Aktie kaum noch gehandelt. Doch das viele Geld in der Kasse weckt Begehrlichkeiten. 

Der Beteiligungskonzern Rocket Internet war einmal der Star der deutschen Internet-Szene. Unter der Führung von Oliver Samwer positionierte sich das Unternehmen als Inkubator für viele erfolgreiche Internet-Geschäftsmodelle. Firmen wie Zalando, HelloFresh, Home24 oder Westwing stammen aus dieser E-Commerce-Schmiede.

Als die Exit-Strategien irgendwann nicht mehr so leicht aufgingen, kündigte Samwer 2020 an, Rocket Internet von der Börse zu nehmen. Der gebotene Preis lag nach Ansicht vieler Aktionäre weit unter dem Wert, doch die Bafin erteilte eine Ausnahmegenehmigung.

Seit drei Jahren kein offizieller Geschäftsbericht mehr

Tatsächlich zog Rocket einen großen Teil der Aktien ein – doch ein paar Aktionäre weigerten sich und soist ein echtes Delisting nie erfolgt. An der Börse Hamburg wird die Aktie immer noch gehandelt, wenn auch in sehr kleinen Stückzahlen. Jahresberichte oder gar Quartalszahlen gibt es seit Jahren keine mehr. Der letzte Geschäftsbericht, der im Bundesanzeiger eingereicht wurde, datiert vom 23. März 2023 und bezieht sich auf das Geschäftsjahr 2021.

Doch jetzt kommt plötzlich wieder Bewegung in die Sache. Denn Rocket hat für den 24. Juni 2026 zur virtuellen Hauptversammlung geladen – und die birgt nun unerwarteten Sprengstoff.

Rocket Internet (WKN: A12UKK)

Ein unerwarteter Gegenantrag auf der HV

Aus der Einladung im Bundesanzeiger geht hervor, dass 2025 ein Bilanzgewinn von glatt 600.000.000 Euro erzielt wurde. Der Vorstand um Oliver Samwer und der Aufsichtsrat schlagen vor, davon genau 3.259.420,32 Euro auszuschütten und zwar in Form einer Dividende in Höhe von 0,04 Euro je Aktie. 

Nach einem Bericht des „Handelsblatts“ hat nun jedoch nur zwei Tage vor der Hauptversammlung ein Großaktionär einen Gegenantrag gestellt. Global Founders fordert nahezu die gesamte Ausschüttung des Bilanzgewinns von 600 Millionen Euro; das entspräche einer Dividende von 7,36 Euro je Aktie. Lediglich rund 260.000 Euro sollen laut dem Antrag, der dem „Handelsblatt“ vorliegt, als Gewinn vorgetragen werden. 

Das Pikante dabei: Geschäftsführer von Global Founders ist Marc Samwer – einer der beiden Brüder des Rocket-Internet-Chefs. 

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Der größte Profiteur des Gegenantrags - ist der Rocket-Chef selbst

Offenbar wissen auch andere Aktionäre über den Vorstoß Bescheid: „Wir freuen uns, dass Global Founders unseren Vorschlag einer höheren Dividende aufgegriffen und sogar übertroffen hat“, sagte Georg Issels, Vorstand des Minderheitsaktionärs Scherzer, dem „Handelsblatt“. Sein Unternehmen hält nach eigenen Angaben rund 0,6 Prozent der Rocket-Internet-Aktien und hatte schon Ende Mai in einem Gegenantrag von „einem eklatanten Missverhältnis“ der Dividende zum Jahresergebnis gesprochen. Issels fordert in seinem Antrag eine Erhöhung der Ausschüttung auf fünf Euro.

Der Witz an der Sache: Kommen die beiden Aktionäre mit ihrem Gegenantrag durch, profitiert vor allem der Vorstandschef davon: Oliver Samwer. Denn er ist auch der Eigentümer der Global Founders. Diese hält über direkte und indirekte Beteiligungen nach Angaben des Handelsblatts mehr als 83 Prozent der Aktien und würde somit fast 500 Millionen Euro Dividende erhalten.

Beteiligungen an SpaceX, Canva, Kalshi

Um Samwers Rolle als Großaktionär und Vorstand bei Rocket Internet gibt es immer wieder Streit. Dabei geht es oft um die Frage, mit welchen Werten die Beteiligungen bilanziert werden. Denn Rocket Internet ist beispielsweise auch an SpaceX, der Grafikdesignplattform Canva oder der Finanzwetten-Plattform Kalshi beteiligt. Alle drei waren bisher nicht börsennotiert, was eine eindeutige, transparente Bewertung schwierig machte. Nach der Hauptversammlung im vergangenen Jahr hatte der Investor Scherzer Samwer in einem offenen Brief vorgeworfen, er habe ein besonderes Interesse daran, die Gesellschaft für Außenstehende möglichst schlecht dastehen zu lassen und ihren wahren Wert zu verschleiern. Immer wieder wurde der Verdacht geäußert, dass Samwer sich Rocket Internet möglichst günstig einverleiben und erst dann die wahren Werte aufdecken wolle.

Nun hätte Rocket Internet seinen Bilanzgewinn aus 2025 auch einsetzen können, um eigene Aktien zurückzukaufen. Das hätte Oliver Samwer auf den ersten Blick sogar eher in die Hände gespielt. Mit dem Vorstoß, den kompletten Jahresgewinn als Dividende auszuschütten, hat der medienscheue Internet-Unternehmer nun offenbar einen anderen Weg gewählt.

Hinweis für Anleger

Auch wenn es verlockend klingt: Die Rocket-Internet-Aktie ist ein heißes Pflaster. Da sie nur noch in Hamburg gehandelt wird – und auch dort nur selten – sind die Spreads eher hoch. Es werden zwar Kurse gestellt, aber nur selten Transaktionen ausgeführt. Und wer einmal eingestiegen ist, kommt angesichts der dünnen Handelsumsätze nicht so leicht wieder heraus.

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Häufige Fragen zum Thema

An welchen Unternehmen ist Rocket Internet beteiligt?

Der Berliner Startup-Inkubator Rocket Internet hat zahlreiche erfolgreiche Geschäftsmodelle kopiert, skaliert und international groß gemacht. Die bekanntesten Unternehmen, die aus dem Portfolio hervorgingen, sind Zalando, HelloFresh, Delivery Hero, Home24oder auch die Global Fashion Group (GFG). Auch im Asland, insbesondere in Südamerika hat Rocket Intenet erfolgreiche E-Commerce-Modelle etabaliert und an die Börse gebracht oder verkauft.

Wer ist Oliver Samwer?

Oliver Samwer gründete Anfang 1999 zusamen mit seinen Brüdern Marc und Alexander die Online-Auktionsplatform "Alando". Sie war in Design und Optik dem damals erst rund ein Jahr zuvor gegründeten US-Vorbild Ebay nachempfunden. Alando ging im März 199 ans Netz und wurde nur 100 Tage später für 50 Millionen Euro von Ebay gekauft. Die Idee, erfolgreiche Geschäftsmodelle aus dem Ausland quasi zu kopieren und zu Geld zu machen, wiederholten die Samwer-Brüder später beim Klingeltonanbieter Jamba oder HOme24. Es wird von Kritikern oft als "Copycat"-Mtehode bezeichnet, brachte den Brüdern gleichwohl Millionen ein.

Woher kommt der Name Zalando?

Zalando ist ein Internet-Modehändler, der vom deutschen Inkubator Rocket Internet entwickelt wurde. Dessen Chef und Großaktionär, Oliver Samwer, hatte zusammen mit seinen beiden Brüdern im Jahr 1999 die Auktionsplattform "Alando" gegründet und nach 100 Tagen erfolgreich an Ebay verkauft. Es war der erste Exit der Samwer-Brüder. Als Reminiszenz daran wurde bei Zalando dem Wort "Alando" lediglich ein Buchstabe vorangestellt.

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