Mit Enflame betritt die nächste KI-Aktie aus China die Börsenbühne - und legt ein fulminantes Debüt hin: Der Kurs schoss um 206 Prozent nach oben. Enflame ist Teil der "vier kleinen Drachen", die den Markt für GPUs aufmischen sollen. Können sie Nvidia gefährlich werden?

Was für ein Auftritt: Die Aktie des chinesischen KI-Chipherstellers Enflame legte am Freitag bei ihrem Börsendebüt in Shanghai zeitweise um 206 Prozent zu. Der Ausgabepreis lag bei 142,18 Yuan, eröffnet wurde der Handel aber bereits bei 410 Yuan. Zwischenzeitlich kletterte die Enflame-Aktie bis auf 475 Yuan, bevor sie sich bei rund 430 einpendelte.

Damit wurde Enflame zeitweise mit rund 185 Milliarden Yuan bewertet, umgerechnet etwa 27,6 Milliarden US-Dollar. Auf Basis der Zeichnungsspannne hatte die Bewertung noch rund 61,2 Milliarden Yuan betragen. Der Kursanstieg ist damit ein weiteres spektakuläres Signal für den chinesischen KI- und Halbleitermarkt.

Die „vier kleinen Drachen“

Enflame gehört zu den sogenannten „vier kleinen Drachen Chinas“, Hersteller von GPUs, die eines Tages direkt mit den KI-Chips von Nvidia konkurrieren sollen. Dazu zählen auch Moore Threads, MetaX und Biren Technology. Die vier Unternehmen stehen für Pekings Versuch, bei Hochleistungschips unabhängiger von US-Anbietern zu werden.

Nvidia und andere internationale Hersteller kamen nach Zahlen von CNBC im Jahr 2025 noch auf fast 60 Prozent des chinesischen Marktes für KI-Beschleuniger. Doch US-Exportkontrollen bremsen den Verkauf fortschrittlicher Chips nach China. Gleichzeitig setzt Peking stärker auf heimische Technologie. Für Unternehmen wie Enflame entsteht dadurch ein geschützter und politisch geförderter Wachstumsmarkt.

Anleger reißen sich um die Aktie

Die Nachfrage war enorm. Das Aktien-Angebot war mehr als 6.000-fach überzeichnet, über sieben Millionen Anlegerkonten beteiligten sich. Weil nach dem Börsengang zunächst nur 4,16 Prozent der Aktien frei handelbar sind, trifft eine riesige Nachfrage auf einen äußerst knappen Streubesitz.

Das ist ein Muster, das zuvor auch schon bei den IPOs der anderen drei „Drachen“ zu beobachten war. MetaX legte im Dezember am ersten Handelstag beinahe 700 Prozent zu, Moore Threads gewann mehr als 400 Prozent, Biren kam im Januar auf 76 Prozent. Im Juli sprang der Speicherchiphersteller CXMT beim Börsendebüt sogar um fast 466 Prozent nach oben. Der Roboter-Hersteller Unitree Robotics schaffte im August sogar ein Kursplus von 629 Prozent

Der Grund dafür ist ein knappes Angebot: Es ist Mode geworden, die Zahl der Aktien bei Börsengängen extrem zu verknappen, um beeindruckende Kursreaktionen auszulösen. Denn ein geringer Free Float kann Kursbewegungen massiv verstärken. Selbst beim Börsengang von SpaceX war es – relativ zum Aktienbestand betrachtet - nicht anders. Oft verpufft dieser Effekt jedoch nach wenigen Tagen. Anleger sollten den ersten Handelstag deshalb nicht mit einer klassischen fundamentalen Neubewertung verwechseln.

Weiterführende Links

Investitionsschub mit staatlicher Unterstützung

Enflame nahm durch die Ausgabe von 43 Millionen neuen Aktien 6,12 Milliarden Yuan ein, etwa 912 Millionen US-Dollar. Das Geld soll in die Entwicklung und Vermarktung der fünften und sechsten Generation von KI-Chips sowie in groß angelegte Rechensysteme fließen.

Goldman Sachs rechnet damit, dass die Investitionen der chinesischen Halbleiterbranche bis 2030 auf 82 Milliarden US-Dollar steigen könnten. Treiber sind die immer größeren KI-Modelle, die ständig neue Hardware erfordern. China will entlang der gesamten KI-Wertschöpfungskette mitspielen: von den Prozessoren über Auftragsfertiger und Speicher bis hin zur fortschrittlichen Chipverpackung.

Die Knackpunkte

Operativ liefert Enflame durchaus Wachstum. Der Umsatz stieg 2025 um 37 Prozent auf 990,2 Millionen Yuan, nach 722 Millionen Yuan im Vorjahr. Profitabel ist das Unternehmen allerdings noch nicht. Im vergangenen Jahr fiel ein Nettoverlust von 1,16 Milliarden Yuan an. Und nach dem heutigen Kursfeuerwerk wird die Aktie mit einem geradezu absurden Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von 176 bewertet – der deutsche Chipkonzern Infineon kommt auf ein KUV von 3,8. 

Auch die Kundenstruktur birgt Risiken. Tencent bleibt nach dem Börsengang mit 17,95 Prozent größter Aktionär. Der chinesische Technologieriese war 2025 zugleich der wichtigste Abnehmer und stand für 83,79 Prozent des Umsatzes. Diese enge Verflechtung kann ein Vorteil sein, macht Enflame aber auch anfällig.

Für Anleger ist entscheidend, ob Enflame den Sprung vom kleinen Drachen zum echten Nvidia-Rivalen schaffen kann. Der Börsengang verschafft dem Unternehmen zunächst reichlich Kapital, aber noch ist unklar, ob die Enflame-Chips mit den KI-Produkten internationaler Wettbewerber wie Nvidia, AMD, Broadcom oder Intel mithalten können.

Fazit

Enflames spektakulärer Börsenstart ist ein weiterer Beleg für die enorme KI-Fantasie in China. Der Konzern wächst schnell und verfügt nun über frisches Kapital im Wettlauf mit Nvidia. Noch aber sind die Chinesen weit zurück: Hohe Verluste, die starke Abhängigkeit von Tencent und der geringe Streubesitz machen die Aktie zu einer hochspekulativen Wette. 

Laut Marktbeobachtern sind Enflame und die anderen drei Drachen auch technisch noch weit von Nvidia entfernt. Doch der Abstand könnte schnell schrumofen, weil die chinesische Regierung den KI-Erfolg unbedingt will. Die nächste Nvidia sind Enflame, MetaX, More Threads oder Biran damit noch nicht – aber China setzt alles daran, dass mindestens einer von ihnen es wird.

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Häufige Fragen zum Thema

Wer sind die "vier kleinen Drachen"?

Als die vier kleinen Drachen werden die chnesichen Halbleiterhersteller Enflame, Moore Threads, MetaX und Biren Technology bezeichnet. Sie sidn Hersteller sogannter GPUs, die eines Tages direkt mit den KI-Chips von Nvidia konkurrieren sollen. Die vier Unternehmen stehen für Pekings Versuch, bei Hochleistungschips unabhängiger von US-Anbietern zu werden.

Wie groß ist der Markt für KI-Halbleiter in China?

Goldman Sachs rechnet damit, dass die Investitionen der chinesischen Halbleiterbranche bis 2030 auf 82 Milliarden US-Dollar steigen könnten. Treiber sind die immer größeren KI-Modelle, die ständig neue Hardware erfordern. China will entlang der gesamten KI-Wertschöpfungskette mitspielen: von den Prozessoren über Auftragsfertiger und Speicher bis hin zur fortschrittlichen Chipverpackung.

Wer ist Enflame?

Enflame ist ein chinesicher Hersteller von GPUs. Der Umsatz stieg 2025 um 37 Prozent auf 990,2 Millionen Yuan, nach 722 Millionen Yuan im Vorjahr. Profitabel ist das Unternehmen allerdings noch nicht. Im vergangenen Jahr fiel ein Nettoverlust von 1,16 Milliarden Yuan an. Am Tag ihres Börsnedebüts am Freitag, den 11.9.2026 wurde die Aktie mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von 176 bewertet – der deutsche Chipkonzern Infineon kommt auf ein KUV von 3,8. 

Größter Aktionär von Enflame ist mit 17,95 Prozent Tencent. Der chinesische Technologieriese ist zugleich der wichtigste Abnehmer und stand 2025 für 83,79 Prozent des Umsatzes.

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Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia.

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