Ist der ChatGPT-Moment für Robotik gekommen? Das glauben zumindest Jensen Huang, Elon Musk und andere Tech-Visionäre. Doch wie können Anleger frühzeitig vom nächsten großen Megatrend profitieren?

„In zehn Jahren wird es weit mehr als eine Milliarde humanoide Roboter geben.“ Mit dieser Aussage auf dem G20-Gipfel gelang es Elon Musk erneut, seine Fans zu verblüffen und Fantasien über den nächsten großen Trend nach KI zu schüren.

Dass Robotik zunehmend von einem Zukunftsversprechen zu einem realen Geschäftsfeld wird, zeigen die zahlreichen Autobauer, Technologiekonzerne und Start-ups, die aktuell in den Markt drängen. So prüft der chinesische Autobauer Chery derzeit den Börsengang seiner Robotiktochter AiMOGA, die bereits mehr als 3.000 humanoide Roboter ausgeliefert hat.

Doch könnte Robotik tatsächlich zum nächsten großen Trend werden – vielleicht sogar größer als KI? Und welche Unternehmen würden am meisten davon profitieren?

Markt steckt noch in den Kinderschuhen

Mordor Intelligence erwartet, dass das Marktvolumen im Bereich Robotik von 88 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 auf 219 Milliarden US-Dollar im Jahr 2030 steigen wird. Das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von rund 20 Prozent. Eine Studie von GlobalData kommt zu einem ähnlichen Ergebnis.

Doch das könnte erst der Anfang sein: Morgan Stanley zufolge könnte es bis zum Jahr 2050 mehr als eine Milliarde humanoide Roboter geben. Das jährliche Marktvolumen könnte bis dahin auf fünf Billionen US-Dollar steigen. Citi erwartet bis 2050 sogar vier Milliarden Roboter – darunter sowohl humanoide Roboter als auch autonome Transport- und Industrieroboter.

Grund für diese exponentielle Verbreitung sind stark sinkende Herstellungskosten, eine durch KI beschleunigte Entwicklung sowie eine zunehmend standardisierte Produktion. Zudem sind die Einsatzbereiche nahezu unbegrenzt: Logistik, Einzelhandel, Landwirtschaft, Gesundheitswesen, Bergbau, Reinigung, Gastronomie, Pflege und langfristig auch private Haushalte.

Wie können Anleger von Robotik profitieren?

Die einfachste und zugleich risikoärmste Möglichkeit, von Robotik zu profitieren, ist ein breit gestreuter und etablierter Robotik-ETF. Damit kann Anlegern weitgehend egal sein, welcher Anbieter am Ende das Rennen gewinnt.

Wer hingegen gezielt in einzelne Unternehmen investieren möchte, kann einen Blick auf die Wertschöpfungskette werfen. Sie bietet eine gute Möglichkeit, spannende Aktien und potenzielle Profiteure des Robotikbooms zu identifizieren.

Das Gehirn – KI, Compute & Simulation

Klassische Industrieroboter führen manuell vorprogrammierte Bewegungen in einer kontrollierten Umgebung aus. Dank der Fortschritte bei künstlicher Intelligenz können Roboter nun ihre Umgebung wahrnehmen und Handlungen eigenständig planen und ausführen. Diese Fähigkeiten müssen dem Roboter jedoch antrainiert werden. Früher brauchte es dafür eine Testumgebung und viele kleinere Verbesserungsschritte. Mittlerweile können die Roboter aber in virtuellen Umgebungen trainiert werden, was den Prozess nicht nur schneller, sondern auch viel günstiger macht. 

Mit Plattformen wie Isaac oder Cosmos ist Nvidia aktuell das führende Unternehmen in diesem Bereich. Zudem profitiert Nvidia vom steigenden Bedarf an Rechenleistung, die das virtuelle Training erfordert. Mit Jetson Thor bietet der KI-Gigant zudem den eigentlichen Hochleistungsrechner im Roboter, das Sensordaten in Echtzeit verarbeitet und KI-Modelle ausführt.

Auch Siemens ist in diesem Bereich gut positioniert. Während Nvidia aber das KI-Gehirn der einzelnen Roboter liefert, will Siemens das digitale Gehirn der gesamten Fabrik liefern, in der der Roboter „arbeiten“ soll. Der Digital Twin Composer ermöglicht es, komplette Produktionsanlagen virtuell abzubilden, Änderungen zu simulieren und die daraus gewonnen Erkenntnisse in den realen Betrieb zu übertragen. 

Augen und Nervensystem – Sensorik & Vision

Ein Roboter kann nur dann autonom handeln, wenn er seine Umgebung präzise erfassen kann. Dafür benötigt er zuverlässige Kameras und Sensoren.

Ein Unternehmen, das sich auf den Bereich „Machine Vision“ spezialisiert hat, ist Cognex. Die Kamerasysteme erkennen beispielsweise die Position eines Bauteils und übermitteln die berechnete Zielposition in 3D an den Roboter, der seine Bewegung daraufhin in Echtzeit anpasst.

Ein etwas breiter aufgestelltes Unternehmen in diesem Bereich ist Amphenol. Neben Sensoren zur Positionserfassung, Temperaturüberwachung, Abstandsbestimmung und Kraftmessung stellt das Unternehmen auch Steckverbinder und Kabelsysteme für die Übertragung von Daten und Strom her. Damit profitiert Amphenol nicht nur vom Megatrend Robotik, sondern auch von Raumfahrt, KI, Elektromobilität, Rüstung und 5G.

Muskeln und Gelenke – Antriebe & Präzisionsmechanik

Jeder Roboter benötigt zahlreiche Aktuatoren, die die Befehle des KI-Gehirns in Bewegungen umsetzen. Je komplexer und feinmotorischer diese Bewegungen werden, desto wichtiger wird dieser Bestandteil.

Schaeffler schätzt, dass Aktuatoren rund 50 Prozent der gesamten Materialkosten eines humanoiden Roboters ausmachen. Das Unternehmen investiert aktuell stark in diesen Bereich und entwickelt komplette Gelenke für humanoide Roboter, bestehend aus Elektromotor, Getriebe und Leistungselektronik. Erst im August stellte Schaeffler ein neues Wellgetriebe für Humanoide vor, dessen Herstellungskosten um 25 Prozent niedriger ausfallen sollen. Die Serienfertigung ist für 2027 geplant.

Roboterhersteller

Natürlich müssen alle bislang genannten Bauteile der Wertschöpfungskette auch zu einem fertigen System zusammengebaut werden. Hier sind sowohl das Umsatzpotenzial als auch das Risiko besonders hoch, da nicht nur die technische Qualität, sondern auch gutes Marketing und niedrige Produktionskosten entscheidend sind.

Seit mehreren Jahren arbeitet Tesla an Optimus. Dieser universell einsetzbare humanoide Roboter ist mittlerweile ein zentrales Versprechen, das die Aktie des Autobauers trägt. Entsprechend hoch ist das Enttäuschungspotenzial, falls die Versprechungen von Elon Musk nicht eintreten. Andererseits ist auch das Aufwärtspotenzial groß, falls sich Musks Prognosen tatsächlich bewahrheiten.

Etwas defensiver ist die Aktie von Teradyne. Robotik macht derzeit nur rund zehn Prozent des Umsatzes aus – das Kerngeschäft bleibt das Testen von Halbleitern. Mittlerweile bietet das Unternehmen aber auch sogenannte Cobots an, also kollaborative Roboter, die Menschen bei Arbeiten wie Schweißen, Palettieren oder Verpacken unterstützen. Inzwischen hat Teradyne mehr als 110.000 Cobots verkauft und will diesen Bereich weiter ausbauen.

Fazit

Um interessante Aktien im Bereich der (humanoiden) Robotik zu identifizieren, sollten Anleger die gesamte Wertschöpfungskette im Blick behalten. An nahezu jedem Produktionsschritt gibt es sowohl defensive als auch offensivere Aktien.

Wer maximales Aufwärtspotenzial sucht, kann auf Unternehmen setzen, deren Geschäft stark vom Megatrend Robotik abhängt. Defensive und ausgewogenere Anleger dürften hingegen besser damit fahren, auf Aktien zu setzen, die neben Robotik auch weitere profitable Geschäftsbereiche und Endmärkte bedienen.

Weiterführende Links

Häufig gestellte Fragen:

Welche Aktien profitieren vom Robotik-Boom?

Zu den möglichen Profiteuren zählen unter anderem Nvidia, Siemens, Amphenol, Schaeffler, Tesla und Teradyne.

Sind humanoide Roboter ein neuer Megatrend?

Viele Marktstudien erwarten starkes Wachstum in den kommenden Jahrzehnten. Treiber sind vor allem Fortschritte bei KI, sinkende Produktionskosten und immer mehr Einsatzmöglichkeiten in Industrie und Alltag.

Wie können Anleger in Robotik investieren?

Anleger können entweder gezielt Robotik-Aktien kaufen oder über einen breit gestreuten Robotik-ETF investieren. ETFs reduzieren das Risiko, auf den falschen Anbieter zu setzen.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia, Tesla.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia, Amphenol.