Elektro-Lkw sind im Kommen. Geld verdienen die Hersteller jedoch weiterhin im Dieselgeschäft. Dort bleiben die Aussichten gut – sowohl für die Konzerne als auch für deren Aktien und spekulativere Scheine 

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 26. August in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 36/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.

Die Nutzfahrzeugbranche steckt in einem Dilemma: Die Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs ist politisch gewollt, technisch möglich. Allerdings ist sie wirtschaftlich noch immer schwierig. Wer das verstehen will, muss nach Stuttgart und München schauen. Bei Daimler Truck und Traton entscheidet sich, ob der europäische E-Lkw Fahrt aufnimmt oder auf der Standspur bleibt. Dabei ist die globale Richtung längst gesetzt. Das International Council on Clean Transportation (ICCT) ermittelte, dass 2025 weltweit mehr als eine halbe Million Elektro-Lkw und -Busse verkauft wurden, ein Plus von 86 Prozent. China dominiert mit fast 90 Prozent Marktanteil. Für Traton und Daimler Truck ist das Land jedoch kein Umsatztreiber. Im chinesischen Markt für Elektro-Lkw spielen die europäischen Marken bislang keine vergleichbare Rolle wie die lokalen Hersteller. Der Nutzen liegt woanders: Chinas Massenproduktion, der harte Wettbewerb zwischen Batterieherstellern und hochintegrierte Lieferketten haben die Kosten für Batteriezellen weltweit gedrückt. Davon profitieren die deutschen Anbieter über günstigere Zell­beschaffung, bessere Einkaufskonditionen und niedrigere Kosten für die Batterie­pakete ihrer E-Lkw. Noch bleibt Europa jedoch weit hinter China zurück. Bei Traton wie bei Daimler Truck lag der Anteil elektrischer Fahrzeuge am Gesamtabsatz zuletzt im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Die Börse feiert momentan nicht die E-Wende, sondern die operative Stärke im Kerngeschäft. 

Rekord auf Rädern

Seit Jahresbeginn legte die Aktie von Traton um mehr als 20 Prozent zu. Der Konzern, zu dem MAN, Scania und Volkswagen Truck & Bus gehören, lieferte eine Geschichte der Erholung. Beim Absatz gab es im ersten Halbjahr mit 151.500 Fahrzeugen ein leichtes Minus von einem Prozent. Doch der Auftragseingang kletterte um 30 Prozent auf 181.900 Fahrzeuge. Getrieben wurde dieser vor allem von einer außergewöhnlich hohen Nachfrage in Nordamerika. Operativ überzeugten die Zahlen: Das bereinigte operative Ergebnis legte um zwölf Prozent auf gut 1,5 Milliarden Euro zu, die Marge stieg auf sieben Prozent. Die Prognose für das Gesamtjahr wurde eingeengt, beim Absatz und Umsatz sind bis zu sieben Prozent Wachstum möglich. 

Bei Daimler Truck ist das Bild etwas differenzierter. Im zweiten Quartal stieg der Absatz um acht Prozent auf 86.707 Fahrzeuge. Darunter 1.440 emissionsfreie Fahrzeuge, knapp 1,6 Prozent des Gesamtabsatzes. Auch bei den Schwaben ist die Elektrifizierung eher noch ein Randthema. Das bereinigte Ebit sank hingegen im ersten Halbjahr um 36 Prozent auf 1,34 Milliarden Euro. Belastend wirkte vor allem ein Sondereffekt von 218 Millionen Euro, ausgelöst durch eine Ausbuchung aktivierter Entwicklungskosten durch die langsamere Transformation zur Elektromobilität, insbesondere auf dem US-Markt. 

Konzernchefin Karin Rådström benennt das Hemmnis klar: „Das größte Problem bleibt die Infrastruktur und das Laden.“ Hinzu kommt die fehlende Kostenparität. „In den meisten Fällen macht für die Kunden noch immer der Diesel Sinn“, sagt sie. Dennoch: Der Free Cashflow übertraf im zweiten Quartal mit 1,8 Milliarden Euro die Erwartungen, die Nettoliquidität beträgt 8,3 Milliarden Euro. Der Aktienkurs kletterte seit Jahresbeginn um ein Viertel.

Höhere Rendite, höheres Risiko

Anleger, die partizipieren wollen, finden in Discount-Call-Optionsscheinen eine spekulativere Alternative zur Aktie, jedoch auch eine riskantere. Wer die Aktie kauft, verliert im schlimmsten Fall proportional. Wer den Schein kauft, kann den gesamten Einsatz verlieren, selbst wenn die Aktie nur moderat fällt. Im Gegenzug winkt eine überproportionale Rendite, wenn die Aktie am Bewertungstag auf oder über dem Cap schließt. Der Discount-Warrant kostet derzeit 3,31 Euro und kann am Bewertungstag höchstens fünf Euro wert sein. Der Basispreis liegt bei 30 Euro. Das bedeutet: Steigt die Aktie über 35 Euro, wird der Wert des Warrants bei fünf Euro gedeckelt. Da die Aktie aktuell bei etwa 37,50 Euro und damit über dem Cap von 35 Euro notiert, würde der Warrant bei gleichbleibendem Kurs am Bewertungstag die maximale Auszahlung von fünf Euro erreichen. Gegenüber dem Kaufpreis von 3,31 Euro entspräche das einem Gewinn von rund 50 Prozent. Der Break-even liegt beim aktuellen Kaufpreis bei 33,31 Euro. Ab diesem Aktienkurs wäre die Auszahlung des Scheins ungefähr so hoch wie der ursprüngliche Kaufpreis. Liegt die Traton-Aktie am Bewertungstag beispielsweise bei 32 Euro, wäre der Warrant lediglich zwei Euro wert. 

Wer davon ausgeht, dass sich die Daimler-Truck-Aktie künftig stabil hält, dem bietet der Schein von Morgan Stanley eine gute Alternative: Die maximale Rendite beträgt rund 34 Prozent, wenn die Aktie am Bewertungstag mindestens 45 Euro kostet. Aktuell liegt der Kurs mit 46 Euro darüber. Doch aufgepasst: Bereits unter etwa 43,74 Euro macht der Anleger mit dem Warrant einen Verlust. Nach oben ist der Gewinn durch den Cap auf fünf Euro begrenzt. Der Schein ist am Bewertungstag, dem 19. März 2027, wertlos, wenn die Daimler-Truck-Aktie bei 40 Euro oder darunter steht. 

Fazit

Wer die Aktie kauft, verliert proportional zum Kursrückgang. Wer den Discount Warrant kauft, kann seinen gesamten Einsatz verlieren. Im Gegenzug winkt eine überproportionale Rendite, wenn die Aktie auf oder über dem Cap schließt. Es ist letztlich der Tausch: höheres Risiko gegen höhere Rendite.

Sie wollen weitere starke Analysen lesen? Dann werfen Sie jetzt einen Blick auf das exklusive BÖRSE ONLINE Probe-Abo.

Weiterführende Links