Euro- und Ölpreis-Verfall machen deutsche Wirtschaft fit
· Börse Online Redaktion
Die Bundesregierung blickt ebenfalls optimistischer nach vorn. Sie dürfte ihre Wachstumsprognose für 2015 von 1,3 auf rund 1,5 Prozent anheben, sagte eine mit den Beratungen zum Jahreswirtschaftsbericht vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Auch 2016 dürfte es ein Plus in dieser Größenordnung geben. In diesem Tempo war Europas größte Volkswirtschaft bereits 2014 gewachsen. Die neuen Prognosen werden am Mittwoch offiziell vorgestellt.
Deutschland zeigt sich derzeit immun gegen die Turbulenzen in Europa - etwa den sich wieder zuspitzenden Ukraine-Konflikt. "Die Unternehmen haben sich daran gewöhnt", sagte Wohlrabe. Der Wahlsieg der Linkspopulisten in Griechenland fand in die Umfrage allerdings noch keinen Eingang - ebenso der Beschluss der Europäischen Zentralbank (EZB) zum großangelegten Kauf von Staatsanleihen.
Die Firmenchefs beurteilten sowohl ihre Lage als auch ihre Geschäftsaussichten optimistischer. Besonders positiv gestimmt zeigte sich die Industrie. "Aufgrund des sinkenden Euro-Wechselkurses werden stärkere Impulse vom Export erwartet", erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Durch die Abwertung können Waren auf vielen wichtigen Absatzmärkten günstiger angeboten werde, darunter in den USA und in China. Binnen eines Jahres hat der Euro -Kurs mehr als 18 Prozent zum Dollar verloren.
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"KONJUNKTUR BESCHLEUNIGT SICH"
Wie ein Konjunkturpaket wirkt auch das billigere Benzin. Es lässt den Verbrauchern mehr Geld in den Taschen für andere Einkäufe. Dadurch blicken Groß- und Einzelhandel positiv nach vorn. Bei den Dienstleistern und im Baugewerbe trübte sich die Stimmung hingegen ein. Bei Erstgenannten sorgt vor allem der seit Jahresbeginn geltende Mindestlohn von 8,50 Euro je Stunde für schlechte Laune. Darauf wollen die Firmen verstärkt mit Preiserhöhungen reagieren, sagte Sinn. Das wiederum kann die Nachfrage drücken.
Ökonomen sehen die Wirtschaft unter dem Strich in guter Form. "Die Konjunktur in Deutschland beschleunigt sich", sagte Ökonom Holger Sandte von der Bank Nordea. "Alles andere wäre bei dem tiefen Ölpreis und dem deutlich schwächeren Euro auch ein echtes Rätsel." Die unklare Situation in Griechenland nach der Parlamentswahl könne das Klima in den nächsten Monaten aber belasten. "Ein Unfall ist da nicht auszuschließen." Es wird befürchtet, dass Griechenland vom Spar- und Reformkurs abweicht. Selbst ein Euro-Abschied ist nicht vom Tisch.
Zusätzliche Impulse könnten hingegen von der extrem lockeren Geldpolitik der EZB kommen, die vorige Woche beschlossen hatte, die Märkte mit gut 1,1 Billionen Euro zu fluten, um für mehr Inflation zu sorgen und die stockende europäische Wirtschaft in Schwung zu bringen. Das könnte Euro-Ländern wie Frankreich und Italien helfen, wohin ein Großteil der deutschen Exporte geht. Zudem drückt die Geldschwemme den Euro weiter nach unten. "Zwar ist die deutsche Wirtschaft nicht erster Adressat der enorm expansiven EZB-Politik, doch sie dürfte davon vor allem über die Wechselkurseffekte mit am stärksten profitieren", sagte Michael Holstein von der DZ Bank.
Reuters
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