Vor diesen wichtigen Daten am Freitag dominiert beim DAX die Vorsicht. Außerdem im Fokus: Brenntag, Lanxess, Meta, Bitcoin, Cloudflare, Tesla, Munich Re.
Der deutsche Aktienmarkt dürfte am Freitag zunächst an seine Verschnaufpause vom Vortag anknüpfen. Der X-Dax signalisierte für den Dax knapp eine Stunde vor dem offiziellen Handelsbeginn ein Plus von 0,1 Prozent auf 26.169 Punkte. Nach seinem zur Wochenmitte erreichten Höchststand bei etwas über 26.400 Zählern fehlt dem Leitindex für einen Anstieg über dieses Kursniveau derzeit die Kraft. Damit zeichnet sich auf Wochensicht ein Dax-Plus von gut zwei Prozent ab.
Bremsen könnte vor dem Wochenende der Ölpreis, der erneut etwas stieg, da die Aussichten auf eine dauerhafte Einigung zwischen den USA und dem Iran zur Wiederöffnung der Straße von Hormus weiterhin ungewiss sind. US-Präsident Donald Trump geht jedoch nach eigenen Angaben weiter davon aus, dass der Iran-Krieg "ziemlich bald" enden und eine Einigung zur Öffnung der Meerenge bevorstehen könnte.
"Der Ölpreis liegt bei 80 und nicht mehr bei 100 Dollar, was die Inflationsrisiken etwas lindern dürfte", kommentierte Analyst Jochen Stanzl von der Consorsbank. Auf einen Abwärtstrend bei den Energiepreisen sei in diesen Tagen aber kein Verlass. Zu fragil seien die immer wieder anberaumten, dann aber doch ohne belastbares Ergebnis versandenden Gespräche der Konfliktparteien am Persischen Golf.
Aktien Deutschland
Chemikalienhändler Brenntag hebt Gewinnprognose für 2026 erneut an
Die aktuelle Nachfrageentwicklung stimmt den Chemikalienhändler Brenntag noch optimistischer für das laufende Jahr. Auf Grundlage des anhaltend positiven Starts in das dritte Quartal werde 2026 nun ein operativer Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 1,35 bis 1,45 Milliarden Euro erwartet, teilte das Unternehmen am Freitag überraschend mit. Erst im Juni hatte der Dax-Konzern die Prognose auf 1,25 bis 1,40 Milliarden Euro angehoben. Analysten haben aktuell im Median 1,38 Milliarden Euro auf dem Zettel.
Lanxess auf Kurs zu Jahreszielen - Umfeld bleibt aber schwierig
Der Spezialchemiekonzern Lanxess hat im zweiten Quartal auch von Schwierigkeiten der asiatischen Konkurrenz durch den Iran-Krieg profitiert. Dieser erschwerte die Öl- und Gasversorgung in Teilen Asiens. Insgesamt bleibt das Umfeld aber schwierig; das Unternehmen setzt weiter auf Einsparungen und bestätigte das Jahresgewinnziel.
Dabei betonte Lanxess-Chef Matthias Zachert laut Mitteilung vom Freitag, dass allerdings "kein nachhaltiger Aufschwung der Nachfrage in unseren Kernmärkten in Sicht" sei und die Marktbedingungen anspruchsvoll blieben. "Bis Ende des Jahres gibt es voraussichtlich keine weiteren konjunkturellen Impulse. Dafür erwarten wir aber aus unseren Kostensenkungsprogrammen höhere Beiträge als im ersten Halbjahr."
Im zweiten Quartal steigerte der im MDax notierte Konzern den Umsatz im Jahresvergleich um 6,5 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) liegt mit 152 Millionen Euro gut 1 Prozent höher. 2026 peilt Zachert hier weiterhin zwischen 450 und 550 Millionen Euro an.
Unter dem Strich fiel im zweiten Quartal ein Verlust von 53 Millionen Euro an, nach einem Minus von 45 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Gründe für die roten Zahlen sind Wertberichtigungen und Aufwendungen für Restrukturierungsmaßnahmen.
Preisverfall im Kerngeschäft: Munich Re kappt Umsatzziel für 2026
Der Rückversicherer Munich Re bekommt den Preisabschwung im Geschäft mit Erstversicherern wie Allianz und Axa deutlich zu spüren. Nach weiteren Abschlägen bei der jüngsten Vertragserneuerung kappt Vorstandschef Christoph Jurecka seine Umsatzprognose für das laufende Jahr: In der Rückversicherungssparte dürfte der Umsatz mit 38 Milliarden Euro 2 Milliarden niedriger ausfallen als bisher gedacht. Für den gesamten Konzern geht Jurecka nun von 62 Milliarden statt 64 Milliarden Euro aus.
"Auf Geschäft, für das wir keine risikoadäquaten Preise erhalten, verzichten wir bewusst", sagte der Manager der Vorlage der Quartalsbilanz am Freitag. Bereinigt um Inflation und veränderte Risiken musste die Munich Re bei der jüngsten Vertragserneuerung im Juli einen Preisrückgang von 5,5 Prozent hinnehmen. Daher fuhr sie ihr Geschäftsvolumen um 9,1 Prozent zurück.
Im zweiten Quartal profitierte der Rückversicherer hingegen von sehr geringen Großschäden im Schaden- und Unfallgeschäft und glänzenden Geschäften mit Aktien. Unter dem Strich verdiente er dadurch - wie bereits vorab gemeldet - rund 2,2 Milliarden Euro und damit über sechs Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Jurecka sieht die Munich Re daher "auf sehr gutem Weg" zu ihrem geplanten Jahresgewinn von 6,3 Milliarden Euro.
Aktien international
Meta soll 567 Millionen Dollar in Fonds für Kinder zahlen
Der Facebook-Konzern Meta soll nach einer Gerichtsentscheidung im US-Bundesstaat New Mexico mehr als eine halbe Milliarde Dollar für Hilfen an Kinder zahlen, die durch Nutzung sozialer Medien Schaden genommen haben. Zudem müssen in dem Bundesstaat zusätzliche Einschränkungen für Nutzer im Alter unter 18 Jahren eingeführt werden: Unter anderem sollen bei Facebook und Instagram maximal 90 Stunden pro Woche verbringen können. Meta will in Berufung gehen.
Die Entscheidung geht zurück auf eine Klage des Generalstaatsanwalts von New Mexiko, Raúl Torrez, der Meta vorwarf, Kinder nicht ausreichend gegen sexuelle Ausbeutung geschützt zu haben. Im März kamen Geschworene zu dem Schluss, dass Meta gegen Verbraucherschutz-Gesetze des Bundesstaates verstoßen hatte. Damals wurde bereits eine Strafzahlung von 375 Millionen Dollar angeordnet. Jetzt kommen 567 Millionen Dollar (rund 492 Mrd Euro) für den Fonds dazu. Ein Großteil davon - 420 Millionen Dollar - soll für Therapiemaßnahmen ausgegeben werden.
Tesla plant milliardenschwere Terafab in Texas
Tesla hat bestätigt, dass der geplante Terafab-Chipkomplex im texanischen Grimes County entstehen soll, nachdem im April auf dem North Campus der Gigafactory Texas eine Forschungsfabrik als Vorläufer gestartet wurde. Tesla, SpaceX und xAI wollen dort Chipdesign, Waferfertigung, Speicherproduktion, Verpackung und Tests vertikal integrieren. Das Projekt soll mehr als ein Terawatt Rechenleistung pro Jahr ermöglichen, während Intel, ASML, Applied Materials, Lam Research und KLA von den Investitionen profitieren könnten.
Cloudflare hebt Jahresprognose nach starkem Quartal an
Cloudflare steigerte den Umsatz im zweiten Quartal 2026 um 36 Prozent auf 696,1 Millionen US-Dollar, erzielte einen bereinigten operativen Gewinn von 96,1 Millionen US-Dollar und erhöhte die Dollar-basierte Netto-Bindungsrate auf 120 Prozent. Für das dritte Quartal erwartet das Unternehmen 736 bis 737 Millionen US-Dollar Umsatz und für das Gesamtjahr 2,864 bis 2,870 Milliarden US-Dollar sowie einen bereinigten Gewinn je Aktie von 1,25 bis 1,26 US-Dollar. Belastungen aus Restrukturierungen von 151 Millionen US-Dollar im zweiten Quartal und eine künftig schwerer prognostizierbare, stärker verbrauchsabhängige Umsatzstruktur bleiben zentrale Risiken.
Gewaltsame Krypto-Überfälle nehmen weltweit zu
Nach Angaben von Chainalysis erbeuteten Kriminelle im ersten Halbjahr 2026 bei erfolgreichen Überfällen auf Krypto-Besitzer Kryptowährungen im Wert von mehr als 30 Millionen US-Dollar. Damit wurde bereits mehr als die Hälfte des Rekordwerts von 58 Millionen US-Dollar aus dem Gesamtjahr 2025 erreicht, sodass 2026 zum bislang schwersten Jahr für physische Angriffe werden könnte. Frankreich entwickelt sich zum Brennpunkt, mit 30 registrierten Angriffen bis zur Jahresmitte und laut Innenminister Laurent Nunez mehr als 70 gewaltsamen Vorfällen mit Krypto-Bezug.
Enthält Material von dpa-AFX