Evonik-Aktie: Chemiekonzern vor Führungswechsel - Chef aus dem eigenen Haus
· Börse Online Redaktion
Der seit Anfang 2009 amtierende Konzernchef Klaus Engel werde keine erneute Amtszeit antreten, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen. Sein Vertrag läuft 2018 aus, gemeinsam mit seinem künftigen Stellvertreter Kullmann wolle Engel dann die Weichen für den Übergang stellen. Der Strategievorstand solle bei der nächsten Sitzung des Aufsichtsrats zum Vize-Chef gemacht werden, hieß es. Das nächste reguläre Treffen sei kurz vor der Hauptversammlung am 18. Mai anberaumt.
Kullmann sei auch Kandidat des Chefs der RAG-Stiftung, Werner Müller. Das Kuratorium der milliardenschweren RAG-Stiftung war am Abend zuvor in Berlin zu Beratungen zusammengekommen. Die Stiftung kontrolliert knapp 68 Prozent der Evonik-Anteile. Weder Evonik noch die RAG-Stiftung wollten die Angaben kommentieren. Die "Rheinische Post" hatte unter Berufung auf Politik-Kreise zuerst berichtet, dass Kullmann langfristig Nachfolger Engels an der Spitze von Evonik werden solle.
Unter Engel hat sich Evonik zu einem international ausgerichteten Spezialchemiekonzern entwickelt. Der ehemalige Brenntag -Manager trimmte den Konzern nach seinem Amtsantritt 2009 zudem auf Rendite - die Kassen der Essener sind inzwischen prall gefüllt. Engel hatte auch deshalb immer wieder große Übernahmen in Aussicht gestellt. Evonik wolle bei der Konsolidierung der Branche nicht an der Seitenlinie stehen, betonte Engel. Doch geliefert hat er bislang nicht - obwohl Evonik Branchenkreisen zufolge unter anderem die Konkurrenten DSM und Clariant ins Visier nahm. Insider berichteten zudem zuletzt über ein Interesse Evoniks an einer Sparte des US-Konzerns Air Products.
Analysten kritisieren immer wieder, dass Evonik derzeit zu stark vom Geschäft mit Zusatzstoffen für die Tiernahrung abhängig sei. Engel beklagte zuletzt Preisrückgänge bei den Nahrungsstoffen, die etwa in der Mast von Hühnern zum Einsatz kommen. Der Konzern rechnet deshalb 2016 mit Rückgängen bei Ertrag und Umsatz.
Evonik steht also vor strategischen Herausforderungen - und Strategie ist das Feld Kullmanns. Er muss ebenfalls nach Zukunftsfeldern für den Konzern und Übernahmezielen Ausschau halten. Der 47-Jährige war 2014 in den Vorstand aufgerückt, er gilt als bestens verdrahtet in Wirtschaft und Politik. Kullmann ist zudem ein enger Weggefährte Müllers. Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister ist Chef der RAG-Stiftung und hatte Evonik geformt. Die RAG-Stiftung soll ab 2019 für die Folgekosten des auslaufenden deutschen Steinkohlebergbaus aufkommen - dabei ist sie auch auf Einnahmen aus ihrer Beteiligung Evonik angewiesen.
Reuters
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