Im Frühsommer hielt er Chipaktien für überteuert. Doch nach den Kurskorrekturen der vergangenen Monate hat der Schweizer Fondsmanager Thierry Borgeat nun Chipaktien wieder auf dem Zettel. Das sind seine Gründe:
„Wenn ein Hype-Zyklus vorbei ist, korrigieren Chipaktien im Schnitt um 50 bis 70 Prozent“. Das sagte Thierry Borgeat im Mai im Youtube-Interview mit BÖRSE ONLINE. Rückblickend betrachtet war es damals noch einen Tick zu früh, um ganz aus Chipaktien auszusteigen, denn Ende Juni begann erneut ein rasanter Anstieg. Trotzdem behielt der Fondsmanager und Mitgründer des Schweizer Investment- und Research-Hauses arvy am Ende recht: Eine Aktie wie die des koreanischen Speicherchipherstellers SK Hynix verlor von ihrem Hoch im Sommer bis Ende Oktober gut 70 Prozent – und notiert nun sogar unter den Kursen aus dem Mai.
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Teile des Chipsektors sehen wieder interessant aus
„Viele große Aktien aus dem Chipsektor haben von ihren Höchstständen aus um 50, sogar 60 Prozent korrigiert“, bilanziert Borgeat nun. Dies gelte vor allem für Chip-Ausrüster wie LAM Research, Applied Materials oder KLA Corporation. „Die kontrollieren zusammen mit ASML – das nicht so stark korrigiert hat – 80 Prozent des Chipmarkts“, erinnerte Borgeat in dieser Woche im neuen Vidoie-Interview mit BÖRSE ONLINE.
Jetzt aber sieht der Sektor aus seiner Sicht wieder interessant aus. Zum einen gebe es bei Speicherchipherstellern wie Micron, die jahrzehntelang vom Spotmarkt abhingen, durch langfristige Verträge mit Kunden aus dem KI-Sektor erstmals eine höhere Visibilität. Zum zweiten wachse bei den Maschinenbauern für die Chipindustrie die installierte Basis um zweistellige Prozentsätze, was nicht nur die reinen Verkaufserlöse steigen lässt, sondern auch zu Zuwächsen bei hochmargigen Folgegeschäften wie Wartungsaufträgen führt.
Starkes Wachstum und keine Schulden
Über das Jahr hinweg sei in der Branche eine Ausweitung der Multiples zu beobachten gewesen. „Früher handelten sie (Chipausrüster, d.R.) normalerweise mit 10 bis 20 mal Gewinn, jetzt sind sie beim 20- bis 30-Fachen – möglicherweise gerechtfertigt, weil die installierte Basis gewachsen ist“, sagt Borgeat. Aber im Hype sei ihr KGV im Sommer bis auf 50 gestiegen. „Das war abstrus bewertet“, sagte der arvy-Experte. Jetzt seien die Aktien wieder zurück in ihrem historischen Schnitt, bevor das Wachstum begann. „Deshalb ist der ganze Halbleiter-Part jetzt sehr interessant bewertet. Sie haben bewiesen, dass sie sehr gut wachsen, und viele dieser Unternehmen haben keine Schulden, was ganz wichtig ist, wenn (das Umfeld, d. Red.) mal schwieriger wird.“
Warum Thierry Borgeat auch den S&P 500-Index jetzt nicht mehr für überbewertet hält und eine Aktie wie Meta für „einen unglaublichen Deal“, erfahren Sie im Video-Interview auf unserem Youtube-Kanal.
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Häufige Fragen zu Chipaktien
Warum stiegen Chipaktien im Jahr 2026 so stark an?
Bis in den August hinein trieben Knappheiten, vor allem bei Speicherchips, die Chippreise auf immer neue Rekordniveaus. Diese resultierten aus einer immensen Nachfrage der KI-Branche, die die Berechnungschritte ihrer KI-Modelle in Millisekunden abspeichern müssen. Mit den Preisen stiegen die Gewinne der Chiphersteller. Die Branche, die seit Jahrzehnten vom Spotmarkt abhängig ist und dort hohen Preisschwankungen unterliegt ("Schweinezyklus"), nutzt diese Marktsituation , um mit ihren KI-Kunden erstmals Langfristverträge über mehrere Jahre abzuschließen. Dadurch soll es gelingen, die hohen Preise zu konservieren und die Geschäftserlöse planbarer zu machen.
Warum haben die Kurse vieler Chipaktien seit dem Sommer 2026 so stark korrigiert?
Die kräftige Korrektur der Chipaktien seit dem Sommer 2026 entstand aus einer Kombination von extrem hohen Bewertungen, die ein entsprechendes Enttäuschungspotenzial bargen, und einer wachsenden Skepsis bezüglich der Dauer und der langfristig erzielbaren Profitabilität des KI-Booms. Hinzu kamen neue Konkurrenten aus China, die jetzt offenbar auch im Chipmarkt technisch schnell aufholen, obwohl sie wegen der US-Sanktionen eigentlich keinen Zugriff auf die neueste Chiptechnik haben dürften.
Warum hält der Schweizer Fondsmanager Thierry Borgeat Chipaktien jetzt für attraktiv?
Thierry Borgeat bezieht sich in seinen Aussagen gegenüber BÖRSE ONLINE vor allem auf Chipausrüster wie Applied Materials, LAM Research oder KLA. Diese Aktien hätten historisch gesehen meist Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 10 bis 20 aufgewiesen, im Hype sei ihre Bewertung jedoch bis auf den 50-fachen Gewinn gestiegen. nach dem Kursrutsch sein ihre Multiples wieder auf den historischen Schnitt zurückgekehrt. Doch aufrund der größeren installierten Basis und langlaufender Wartungsverträge könnten aus seiner Sicht Bewertungen in Höhe des 20- bis 30-fachen Gewinns gerechtfertigt sein.