Der gewerbliche Immobilienfinanzierer bekommt die US-Altlasten in den Griff und stabilisiert sein Geschäftsmodell. Die Transformation kommt voran, auch wenn längst nicht alle Risiken gebannt sind
Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 26. August in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 36/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.
Die Pfandbriefbank wirkt noch immer wie das schwarze Schaf unter den europäischen Geldhäusern. Während die meisten mit Rekordgewinnen glänzen und mit Kursfeuerwerken gefeiert werden, hat der gewerbliche Immobilienfinanzierer aus Garching bei München in drei Jahren rund die Hälfte seines Börsenwerts verloren. Nach der gescheiterten Expansion seines Vorgängers Andreas Arndt in den US-Gewerbeimmobilienmarkt wartete auf den 2024 angetretenen neuen Vorstandschef Kai Wolf erst einmal mühsame Aufräumarbeit.
Insbesondere musste das SDAX-Institut sein kritisches US-Portfolio unter großen Verlusten bereinigen. Wegen hoher Kreditausfälle beschloss Wolf den Komplettrückzug aus den USA und die Ausrichtung auf Europa. Dies führte 2025 zu hohen Abschreibungen und einem Verlust von 284 Millionen Euro.
Im ersten Quartal 2026 meldete sich die Bank in der Gewinnzone zurück, wo sie sich im zweiten Quartal bei deutlich steigendem Neugeschäft stabilisierte. Laut Wolf kommt der Abbau des US-Portfolios schneller voran als geplant. Zudem sei keine zusätzliche Risikovorsorge mehr erforderlich.
„Wir wachsen profitabel“, verkündete der CEO bei Vorlage des Zwischenberichts Anfang August und bestätigte die Jahresziele für 2026, insbesondere einen Vorsteuergewinn von 30 bis 40 Millionen Euro. „Die Geschäftsentwicklung in den ersten beiden Quartalen zeigt, dass die Transformation der Bank auf einem guten Weg ist.“ Strategisch will die Bank den Schwerpunkt Büroimmobilien künftig unter anderem auf Rechenzentren, Hotels, Studenten- und Seniorenwohnungen erweitern. Nicht zuletzt die strategische Diversifikation könnte Potenzial für eine Neubewertung schaffen.
An der Börse ist die Botschaft indes noch nicht angekommen. Die Aktie hat sich seit Frühjahr zwar auf einem Niveau von 3,40 Euro stabilisiert, notiert aber noch immer 20 Prozent unter dem Jahresanfangsniveau. Bei einem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) von 0,17 wirkt die Aktie sehr günstig. Gegenüber vergleichbaren Instituten wie Procredit oder Banca Ifis, die Werte um 0,44 aufweisen, beträgt der Abschlag gut zwei Drittel. Der ist nicht unbegründet. Wegen des labilen Marktumfelds und schwankender Zinsen spürt das Institut bei Kunden Kaufzurückhaltung. Sinkende operative Erträge und neue Risiken im Kreditportfolio könnten zu Rückschlägen führen.
Fazit
Die Pfandbriefbank befindet sich in einer frühen Phase eines Turnarounds, zeigt Sanierungserfolge, weist aber immer noch Risiken auf. Bei einer weiteren Stabilisierung der Kreditqualität und Profitabilität erscheint ein Anstieg des KBV auf 0,3 realistisch. Dafür müsste der Markt aber noch etwas mehr Vertrauen in die Qualität der Immobilienkredite und die Ertragskraft der Bank gewinnen. Risikoorientierte Anleger können eine Turnaround-Wette eingehen, insbesondere wenn sie der Bank zutrauen, sich in den kommenden ein bis zwei Quartalen auf dem eingeschlagenen Weg weiter zu stabilisieren.