Von wegen Fußball- Fieber: Die Aktien von Adidas haben seit dem WM-Endspiel Anfang Juli 20 Prozent an Wert verloren. War das womöglich übertrieben? Ein neues Kursziel lässt aufhorchen.

Wenn große Investmentbanken ihre Analysten wechseln, ist das immer auch ein interessanter Moment für Anleger: Denn der oder die Neue hat einen frischen Blick auf die Aktie und kommt womöglich zu anderen Schlüssen als ihr Vorgänger.

Neue Analystin, neus Kursziel

Das gilt heute für Viktoria Petrova. Sie ist seit diesem Jahr Analystin bei Barclays und dort als Head of EU Consumer Discretionary & Retail seit kurzem zuständig für Adidas. Gleich mit ihrem ersten Votum zur Aktie sorgt die Dame für reichlich Bewegung an der Börse: Die Adidas-Aktie stieg am Mittwoch zeitweise um mehr als zwei Prozent auf 151,35 Euro.

Petrova traut den Adidas-Papieren noch viel mehr zu. Für die Aktie, die seit gegenüber dem Jahresanfang zehn Prozent hinten liegt, hat sie einen fairen Wert von 210 Euro errechnet – 40 Prozent über dem aktuellen Kurs.

Adidas (WKN: A1EWWW)

Was macht die Analystin so optimistisch?

Während manche Analysten argwöhnen, dass vor allem der Sneaker-Boom vorbei sei, was das Umsatzwachstum bremsen werde, sieht Petkova sieht eine ganze Welle von Produktneuheiten kommen. Daher werden nach ihrer Ansicht die Innovationstage der Herzogenauracher am 23. und 24. September als Kurstreiber wirken. Sie hätten das Potenzial, das Vertrauen der Anleger in die Neuheiten-Pipeline, Produktzyklen und Markenstärke zu festigen, so die Analystin in ihrem Report.

Petrova erinnerte in diesem Zusammenhang an vergleichbare Veranstaltungen der Konkurrenz, sodass der September für die gesamte Branche spannend werde.

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Gibt der Adidas-Chef den Bullen Zucker?

Als noch spannender könnte sich ein weiterer Satz in ihrem Adidas-Kommentar erweisen. Petkova hält es für möglich, dass Adidas-Chef Björn Gulden die Innovationstage Ende September dazu nutzt, neue Mittelfristziele zu formulieren. Im Börsenvokabular kann an das eigentlich nur bedeuten: er wird sie anheben. 

Adidas gilt bezüglich seiner Prognosen als sehr vorsichtig. Allzu oft hob der Sportartikel-Konzern seine Prognosen erst an, nachdem er die neue Marke schon fast im Sack hatte. Analystin Viktoria Petrova jedenfalls hält das aktuelle operative Gewinnziel von 2,3 Milliarden Euro für 2026 für übertreffbar. Ab 2027 könnte Adidas dann nach ihrer Einschätzung wieder in eine Phase eintreten, in der Prognosen regelmäßig angehoben und anschließend dennoch übertroffen werden.

Was tun mit der Aktie?

Muss man die Adidas-Aktie für all das jetzt schon haben?

Keine Frage: Die Adidas-Aktie ist charttechnisch angeschlagen. Der Kurs verläuft in einem intakten Abwärstrend und notiert zudem sowohl unter der 50 - als auch unter der 200-Tage-Linie. Daher drängt sich ein Neueinstieg aktuell nicht auf, auch wenn das Kursziel von Barclays verlockend erscheint. Sollte sich die Aktie nun wirklich auf dem aktuelen Niveau stabiliseren, könnten Anleger überlegen, erste Positione aufzubauen.

Die BÖRSE ONLINE-Redaktion hat ihre Kaufempfehlung für Adidas zuletzt in Ausgabe 26/2026 wiederholt, auch wenn der Stoppkurs von 130 Euro zwischenzeitlich fast gerissen worden wäre.

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Häufige Fragen zu Adidas

Was macht Adidas?

Adidas ist ein weltweit führender Hersteller von Sport- und Lifestyle-Artikeln. Das deutsche Unternehmen mit Sitz in Herzogenaurach entwirft und verkauft Schuhe, Bekleidung und Zubehör für Sportarten wie Fußball, Laufen und Fitness. Zudem betreibt Adidas Mode-Kollektionen und rüstet internationale Sportteams aus. 


Warum war die Fußball-WM für Adidas so wichtig? 

Großturniere sind für Sportartikelhersteller ein sehr wichtiges Marketing-Ereignis. Wer im Fußball-WM-Finale präsent ist, wird von Milliarden Menschen gesehen. Adidas hat diesmal beide Finalisten, die Schiedsrichter und 14 Nationalmannschaften mit ausgestattet. Das schlägt sich direkt im Umsatz nieder – 1,5 Milliarden Euro WM-Erlös sprechen für sich.


Was bedeutet das für die Adidas-Aktie?

Kurzfristig lieferte die WM einen starken Umsatzimpuls und stärkte die Markensichtbarkeit weltweit. Mittelfristig profitiert Adidas davon, dass Nike schwächelt: Analysten wie JPMorgan sehen das als verlängertes Wachstumsfenster für Adidas. Das Kursziel von 230 Euro signalisiert weiteres Aufwärtspotenzial. Anleger sollten aber im Blick behalten, dass das WM-Geschäft ein Einmaleffekt ist – entscheidend bleibt, wie Adidas das gewonnene Markenkapital in nachhaltige Umsätze verwandelt.