Der Börsengang von SpaceX ist das Ereignis des Jahres. Millionen Anleger hoffen, beim nach Marktkapitalisierung größten IPO des Jahres zum Zuge zu kommen. BÖRSE ONLINE nennt fünf Fehler, die vor allem deutsche Anleger nicht machen sollten.

Sind Sie auch schon ganz heiß auf SpaceX-Aktien? Dann haben wir eine schlechte Nachricht: Sie sind nicht allein. Elon Musk und sein Management-Team haben es geschafft, dass sich kommende Woche Millionen Privatanleger und auch institutionelle Investoren um die 555.555.555 Aktien schlagen werden, die SpaceX im Rahmen des Bookbuildings anbietet. Die Zahl ist kein Druckfehler, sondern steht genauso im Prospekt und zeugt vom Humor von Elon Musk.

Außerdem gibt es zwei Aktientypen: Die Class A-Aktien, die im Rahmen des Börsengangs ausgegeben werden, haben einfache Stimmrechte. CEO Elon Musk hält dagegen überwiegend Aktien vom Typ B, die mit Mehrfachstimmrechten ausgestattet sind. Dadurch schmilzt sein Gesamtanteil an allen Stimmrechten durch den Börsengang lediglich von 82,4 auf 82,3 Prozent ab. Elon Musk ist bei SpaceX als CEO so mächtig, dass er laut Satzung sogar seiner eigenen Absetzung zustimmen müsste. Quasi undenkbar.

Schon am Freitag, den 12. Juni soll SpaceX dann erstmals an der Börse notieren. Aufgrund des großen Runs erscheinen Zeichnungsgewinne für diejenigen, die Aktien erhalten, nahezu sicher. Doch wer wird das sein? Und wann sollten deutsche Anleger in den Wettlauf einsteigen?

1. Fehler: zu früh kaufen

Direkt am Tag des IPO wird es ein Hauen und Stechen um die Stücke geben, die auf den Markt kommen. Dafür hat Elon Musk selbst gesorgt, indem sein Unternehmen überhaupt nur fünf Prozent der verfügbaren Aktien anbietet. Das wird dazu führen, dass die Aktie schon zur Erstnotiz weit über dem Ausgabepreis, den Musk mit 135 Dollar anpeilt,  eröffnet und der Kurs in den ersten Handelsstunden von dort aus weiter in die Höhe schießt.

Wer dann noch einsteigt, macht vermutlich einen großen Fehler. Denn der Hype nach einem Börsengang ebbt sehr oft schnell wieder ab, sobald die Zeichner der ersten Stunde anfangen, ihre Gewinne mitzunehmen.

Dieser Effekt wird diesmal verzögert auftreten, weil der Börsengang an einem Freitag stattfindet und das Storytelling über das Wochenende noch mehr Privatanleger elektrisieren könnte. Nicht zu vergessen mögliche Tweets von Elon Musk himself.

Spätestens in der folgenden Woche droht dann aber der erste Rücksetzer. Deshalb lohnt es sich eher nicht, schon am Freitag (12.6.) zu kaufen.

2. Fehler: vor dem Börsengang außerbörslich kaufen

Rund um den SpaceX-Börsengang sind eine Menge wilder Ideen und Angebote im Umlauf. So hat zum Beispiel die Kryptoplattform Coinbase einen Handel mit Perpetuals auf SpaceX-Aktien gestartet. Perpetuals, ein spezielles Instrument der Kryptowelt, ähneln Futures, haben jedoch anders als diese kein Enddatum und damit quasi immer einen stabilen Hebel auf den Basiswert.

Was Anleger bei Coinbase handeln können, sind natürlich mitnichten SpaceX-Aktien, sondern virtuelle Rechte auf SpaceX-Aktien. Ob diese Rechte am Tag der Zuteilung tatsächlich mit echten Aktien hinterlegt werden können, weiß niemand – auch Coinbase nicht. Zu befürchten ist, dass viele dieser Anwartschaften wertlos werden, weil keine Zuteilung erfolgt. Dann aber entwickelt sich der Perpetual-Kontrakt zu einem Schwarzer-Peter-Spiel, bei dem der letzte Besitzer alles verliert.

Als deutscher Anleger hatte man bisher praktisch keine Chancen, bei einem IPO in den USA mitzumischen. Trade Republic will seinen Kunden aber genau das bei SpaceX ermöglichen. Tatsächlich können sie sich in der Bookbuilding-Phase als Interessenten eintragen lassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein deutscher Trade-Republic-Kunde tatsächlich mit SpaceX-Papieren bedacht wird, ist allerdings angesichts der Konkurrenz und 18 Konsortialbanken, die zuerst ihre besten Kunden bedienen wollen, sehr, sehr gering.

3. Fehler: zu spät kaufen

Normalerweise wird ein Börsenneuling für ein Jahr nicht in den großen US-Indizes gelistet. Für eine Aufnahme in den S&P 500 gilt zum Beispiel die Voraussetzung, dass der Kandidat mindestens vier Quartale in Folge eine kontinuierliche Verbesserung seiner Ergebnisse vorweisen kann. Dazu zählen nicht nur Gewinnsteigerungen, auch die Verringerung von Verlusten gilt als Verbesserung. In den S&P 500 wird SpaceX deshalb noch ein Jahr lang nicht aufgenommen, stellte das Gremium von S&P klar.

Anders ist das bei der Nasdaq. Böse Zungen behaupten, SpaceX habe sich überhaupt nur deshalb für die Technologiebörse als Heimatbörse entschieden, weil die Nasdaq bereit war, ihre Index-Kriterien zu ändern. Seit dem 1. Mai 2026 gilt dort eine neue Regel: der sogenannte „Fast Entry“. Sie ermöglicht – ganz zufällig – großen Börsenneulingen einen schnelleren Zugang zum Nasdaq-100-Index. Das bedeutet, dass eine Aufnahme von SpaceX bereits am siebten Handelstag nach dem Börsengang geprüft werden könnte und das Unternehmen schon an seinem 15. Handelstag aufgenommen werden könnte. Bisher dauerte die Mindest-Wartezeit mehrere Monate.

Das hieße, dass SpaceX im Idealfall am 3. Juli nach Börsenschluss Teil des Nasdaq-100-Index werden könnte, und Indexfonds, die den Nasdaq 100 physisch nachbilden, am 6. Juli 2026 umschichten – sprich: zukaufen – müssten. Dadurch entsteht ein immenser Kaufdruck auf den vergleichsweise geringen Streubesitz, der die Kurse dann wieder steigen lassen würde. Anleger, die dieser Theorie folgen, könnten sich also wenige Tage vor dem entscheidenden 3. Juli SpaceX-Aktien kaufen, und auf den Kursanstieg wetten.

4. Fehler: in US-Randzeiten kaufen

Der SpaceX-Börsengang wird wegen seiner weltweiten Medienpräsenz wieder sehr viele Börsenneulinge anlocken, auch in Deutschland. Erfahrungsgemäß dauert es ein paar Tage, bis eine neue US-Aktie auch in Deutschland gehandelt wird. Wer sie dann hierzulande erwerben will, tappt dabei oft in die nächste Falle: überzogene Spreads. Da heißt: Der prozentuale Abstand zwischen Verkaufspreis (Bid) und Kaufpreis (Ask) ist exorbitant hoch, so dass ein Anleger, der neue Aktien zum Ask-Preis kauft, oft erst mehrere Prozent Kursgewinn erleben muss, um diesen Nachteil überhaupt auszugleichen.

Große, weite Spreads treten normalerweise zum einen auf, wenn Aktien nur selten gehandelt werden (geringe Liquidität) – was auf SpaceX nicht zutreffen wird. Der zweite Fall tritt auf, wenn die Heimatbörse – in diesem Fall die Nasdaq in den USA – nicht geöffnet ist, wenn der deutsche Anleger seine Aktien erwerben will. Nach 15:30 Uhr, wenn der Handel in den USA beginnt, sind die Spreads im deutschen Freiverkehr naturgemäß geringer. Wer also unbedingt SpaceX-Aktien kaufen will, sollte dies zwischen 15:30 Uhr und 22:00 Uhr deutscher Zeit tun.

5. Fehler: Die falsche Aktie kaufen

Nicht lachen. Als Anfang des Monats die Meldungen über einen bevorstehenden Börsengang von SpaceX immer konkreter wurden, stieg an der Börse der Kurs eines Papiers mit dem Kürzel „SPCE“. Manch Anleger dachten wohl, dabei handle es sich schon um SpaceX. Weit gefehlt: Das Börsenkürzel gehört der Aktie von Virgin Galactic, die zwar ebenfalls Raketen für Weltraummissionen entwickelt, aber ihre besten Zeiten längst hinter sich hat: Das Papier stürzte seit seinem Höchststand bei 1118 US-Dollar am 21. Juni 2021 um atemberaubende 99,6 Prozent ab auf jetzt nur noch 4,33 Dollar.

SpaceX dagegen wird das Kürzel „SPCX“ tragen.

Virgin Galactic Holdings Inc (WKN: A40EFX)

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Häufige Fragen zum Thema SpaceX

Was macht SpaceX?

SpaceX (Space Exploration Technologies Corporation) ist ein von Milliardär Elon Musk gegründetes US-amerikanisches Raumfahrt-, Telekommunikations- und KI-Unternehmen. SpaceX ist vor allem für die US-Raumfahrt wichtig und führt Aufträge für die NASA durch. Der größte Teil des Konzernumsatzes entfällt allerdings auf die Satellitentochter Starlink. Außerdem gehört xAI, ein großer Anbieter von KI-Modellen, zu SpaceX

Mit welchen Zahlen rechnet SpaceX bei seinem IPO?

Laut Börsenprospekt wird ein Ausgabepreis von 135 Dollar je Aktie angepeilt. Durch den Verkauf von rund 555,6 Millionen Aktien soll ein Erlös von etwa 75 Milliarden US-Dollar erzielt werden. Das Unternehmen würde damit mit einer Gesamt-Bewertung von rund 1,75 Billionen US-Dollar an die Börse gehen.

Wie viel Umsatz macht SpaceX?

Space X verzeichnete im vergangenen Jahr einen Verlust von 4,94 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 18,67 Milliarden Dollar.