Mit SpaceX und Anthropic stehen in diesem Jahr gleich zwei der größten IPOs der Geschichte an. Im Zentrum steht der Boom um Künstliche Intelligenz. Warum ich beide kaufen werde. Ein Kommentar von Klaus Madzia
Wir erleben historische Wochen. Voraussichtlich am 12. Juni strebt Elon Musk mit seiner KI- und Weltraumfirma SpaceX an die Börse, am 1. Juni reichte Anthropic (Claude) bei der Börsenaufsicht - zunächst vertraulich - die Unterlagen für seinen geplanten Börsengang ein, der spätestens im Herbst stattfinden soll. SpaceX soll derzeit mindestens 1,8 Billionen Dollar wert sein und will bis zu 75 Milliarden einsammeln – der größte Börsengang der Geschichte. Anthropic liegt nach seiner jüngsten Finanzierungsrunde bei rund 965 Milliarden Dollar, also auch knapp an der Billion.
Kleines Gedankenspiel: Sieben Jahre lang müssten alle berufstätigen Berliner arbeiten, um eine Billion Dollar zu verdienen – bei SpaceX wäre es fast das Doppelte. Unvorstellbare Zahlen. Zumal allein die vier großen Cloud-Konzerne 2026 noch ganz andere Summen aufrufen: Amazon, Google, Microsoft und Meta wollen zusammen rund 725 Milliarden Dollar in neue Rechenzentren investieren – nochmal 77 Prozent mehr als im Vorjahr, das bereits einen Rekord darstellte.
Warum ich kaufe
Ist das kollektiver Wallstreet-Wahnsinn? Oder die historische Chance, beim nächsten Wirtschaftswunder als Investor dabei zu sein? Für mich ist die Antwort klar: Wir stehen erst am Anfang des KI-Booms. Ich werde beide Aktien kaufen.
Denn die 725 Milliarden sind kein Marketing, sondern testierte Budgets. Nvidias Rechenzentrumsgeschäft wuchs zuletzt um 75 Prozent, Microsofts KI-Umsatz legt 123 Prozent pro Jahr zu. Google bezeichnet sich selbst als rechenleistungs-limitiert. Die Nachfrage übersteigt das Angebot – das Gegenteil einer platzenden Blase.
Wer SpaceX kauft, kauft kein Raketen-Abenteuer, sondern eine Cash-Maschine mit Turbo. Starlink hat die Zahl von zehn Millionen Abonnenten überschritten und sich binnen eines Jahres verdoppelt; der Umsatz stieg 2025 um ein Drittel auf 18,7 Milliarden Dollar. Seit der Fusion mit Musks KI-Firma xAI im Februar bündelt der Konzern Raketen, Satelliten-Internet und den Chatbot Grok in einem Unternehmen. Anthropic wiederum ist die Wette auf den Firmenmarkt für KI: Der Umsatz läuft auf eine Jahresrate von 47 Milliarden Dollar zu – nach 10 Milliarden ein Jahr zuvor. Den besten Beweis liefert der Konkurrent selbst: Anthropic zahlt SpaceX bis 2029 monatlich 1,25 Milliarden Dollar für Rechenkapazität. Hier fließt echtes Geld für echte Leistung.
Atemberaubende Bewertungen? Chancen!
Und nun die harte Wahrheit, die in jeden ehrlichen Kommentar gehört: Diese Bewertungen sind atemberaubend teuer. SpaceX wird mit über dem Hundertfachen seines Umsatzes gehandelt und verlor zuletzt rund fünf Milliarden Dollar. Heftige Kursausschläge sind programmiert, nach der Sperrfrist drängen Altaktionäre an den Markt. Wer mit geliehenem Geld oder dem Notgroschen spekuliert, hat nichts verstanden.
Deshalb mein Rat – und so handle ich selbst: kaufen und halten, ja. Aber als kleiner Baustein, mit fünf bis zehn Jahren Horizont, ohne Hebel. Wer Amazon nach dem Dotcom-Crash 2001 gekauft und einfach gehalten hat, lacht heute. Das Geheimnis war nie das perfekte Timing, sondern das Durchhalten.
Kleiner Hinweis in eigener Sache: Nach vielen Monaten Recherche für mein Buch „10 Harte Wahrheiten über Künstliche Intelligenz“ (Co-Autor: Der KI-Experte Tristan Post) bin ich vom milden KI-Skeptiker zum Überzeugungs-Investor geworden.
Wir stehen am Anfang, nicht am Ende. Ich werde beide Aktien zeichnen.
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