John Waldron, Chief Operating Officer von Goldman Sachs, warnte am gestrigen Donnerstag auf einer Investmentkonferenz in New York vor einer besonders großen Gefahr für die Wirtschaft – und dies nicht zum ersten Mal.

Inflation bleibt aus Sicht vieler Finanzexperten eines der größten Risiken für die Weltwirtschaft. Besonders deutlich äußerte sich hierzu zuletzt die Nummer 2 von Goldman Sachs, John Waldron. Auch er bezeichnet die Inflation als den derzeit wichtigsten Risikofaktor für die Wirtschaft. Angesichts der aktuellen Entwicklungen an den Energie- und Rohstoffmärkten dürfte diese Einschätzung bei vielen Investoren auf offene Ohren stoßen.

Strukturelle Faktoren halten den Preisdruck hoch

Waldron warnt vor der Gefahr, dass die Teuerung deutlich hartnäckiger ausfallen könnte als von vielen Marktteilnehmern erwartet. Während zahlreiche Investoren auf eine allmähliche Rückkehr zu niedrigen Inflationsraten hoffen, sprechen aus seiner Sicht mehrere langfristige Entwicklungen dagegen.

Zu den wichtigsten Treibern zählt er geopolitische Spannungen, steigende Staatsausgaben sowie tiefgreifende Veränderungen der globalen Wirtschaftsordnung. Die zunehmende Deglobalisierung und die Verlagerung von Produktionskapazitäten in politisch stabile Regionen könnten die Kosten vieler Unternehmen erhöhen. Gleichzeitig sorgen Handelskonflikte und eine stärkere Fragmentierung der Weltwirtschaft dafür, dass Lieferketten weniger effizient werden als in der Vergangenheit.

Für Verbraucher bedeutet dies die Gefahr dauerhaft höherer Preise. Unternehmen stehen vor steigenden Kosten für Energie, Rohstoffe, Personal und Finanzierung. Die Inflation könnte dadurch auf einem höheren Niveau verharren, als es die Finanzmärkte derzeit einpreisen.

Für Anleger hätte ein solches Szenario erhebliche Folgen. Bleiben die Preissteigerungsraten erhöht, dürften die Notenbanken weniger Spielraum für Zinssenkungen haben. Höhere Finanzierungskosten belasten in der Regel Unternehmen, private Haushalte und Staaten gleichermaßen. Gleichzeitig können steigende Renditen die Attraktivität von Aktieninvestments beeinträchtigen, insbesondere bei hoch bewerteten Wachstumsunternehmen.

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Aktuelle Inflationsdaten stützen die Warnung

Die jüngsten Aussagen stehen nicht isoliert da. Waldron hat in diesem Jahr bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass die Märkte die Inflationsrisiken möglicherweise unterschätzen. Nach seiner Einschätzung sprechen zahlreiche strukturelle Faktoren dafür, dass die Phase extrem niedriger Inflation und ultralockerer Geldpolitik der Vergangenheit angehören könnte. Diese Sichtweise gewinnt zunehmend an Bedeutung, weil viele Marktteilnehmer weiterhin auf Zinssenkungen der großen Zentralbanken hoffen. Sollte sich die Inflation jedoch als widerstandsfähiger erweisen als erwartet, könnte es hier zu einer Enttäuschung kommen.

Zusätzliche Brisanz erhält die Warnung des Goldman-Sachs-Managers durch die am gestrigen Donnerstag veröffentlichten Inflationsdaten aus den USA. Der von der US-Notenbank besonders stark beachtete PCE-Preisindex legte im April um 3,8 Prozent p.a. zu. Dies entspricht dem stärksten Anstieg seit drei Jahren. Als wesentlicher Treiber gelten die deutlich gestiegenen Energiepreise infolge der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Die Entwicklung zeigt, wie schnell externe Schocks den Inflationsdruck wieder verstärken können. Gleichzeitig erschwert dies der Federal Reserve den Weg zu einer lockereren Geldpolitik.

Ob sich die Inflation tatsächlich dauerhaft auf erhöhtem Niveau festsetzt, bleibt abzuwarten. Die aktuelle Entwicklung zeigt jedoch, dass die Sorge vor einer hartnäckigen Teuerung keineswegs unbegründet ist. Für Anleger dürfte das Thema Inflation deshalb auch in den kommenden Monaten zu den wichtigsten Einflussfaktoren für die Entwicklung von Aktien-, Anleihen- und Rohstoffmärkten zählen.

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