Die Stimmung am Goldmarkt hat sich in den vergangenen Tagen wieder eingetrübt. Am vergangenen Freitag machten die Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs aber auf eine interessante Entwicklung aufmerksam.
Obwohl geopolitische Risiken, hohe Staatsverschuldungen und Inflationssorgen eigentlich für die globale Krisenwährung Gold sprechen würden, dominieren aktuell die Entwicklungen an den Anleihe- und Energiemärkten das Marktgeschehen. Aktuell wächst an den Märkten die Sorge, dass Zentralbanken ihre Geldpolitik länger restriktiv halten oder die Zinsen sogar erneut anheben könnten. Mit Blick auf das Jahresende gelten Zinserhöhungen derzeit sogar als deutlich wahrscheinlicher als fallende bzw. unveränderte Leitzinsen. Für Gold entsteht dadurch Gegenwind, weil das Edelmetall selbst keine laufenden Erträge abwirft. Am heutigen Montag fiel der Goldpreis zeitweise sogar unter 4.500 Dollar und markierte damit den tiefsten Stand seit Ende März.
Zentralbanken stocken ihre Goldreserven auf
Trotz der kurzfristigen Unsicherheiten bleibt Goldman Sachs für Gold langfristig optimistisch. Besonders interessant: Die Analysten rechnen damit, dass die Goldkäufe der Zentralbanken in den kommenden Monaten sogar noch zunehmen werden. Laut einem aktuellen Analystenkommentar sollen die offiziellen Goldkäufe im Jahr 2026 durchschnittlich rund 60 Tonnen pro Monat erreichen. Das wäre deutlich mehr als die bislang geschätzten Werte.
Die Investmentbank hat hierfür ihre Berechnungsmethode überarbeitet. Nach den neuen Schätzungen lag der gleitende Zwölfmonatsdurchschnitt der Goldkäufe im März bereits bei rund 50 Tonnen pro Monat. Zuvor war Goldman Sachs lediglich von etwa 29 Tonnen ausgegangen. Für die Analysten sei dies ein klares Signal dafür, dass viele Zentralbanken ihre Goldreserven weiterhin ausbauen möchten. Als Hauptgrund nennen die Experten den Wunsch nach stärkerer Diversifikation der Währungsreserven. Gerade die jüngsten geopolitischen Spannungen dürften diesen Trend zusätzlich verstärken. Viele Notenbanken wollen ihre Abhängigkeit vom Dollar reduzieren und setzen deshalb verstärkt auf physisches Gold als strategische Reserve.
World Gold Council bestätigt starke Nachfrage
Unterstützung erhält diese Einschätzung auch vom World Gold Council. Dessen jüngster Quartalsbericht hat gezeigt, dass Zentralbanken ihre Goldbestände im ersten Quartal 2026 überraschend stark ausgeweitet haben. Die Nettozukäufe beliefen sich auf insgesamt 244 Tonnen. Im Vorquartal waren es „lediglich“ 208 Tonnen gewesen.
Besonders aktiv waren dabei Polen (+31,4 Tonnen), Usbekistan (+25,2 Tonnen), Kasachstan (+12,6 Tonnen) und China (+7,2 Tonnen). Gleichzeitig gab es allerdings auch Verkäufe einzelner Staaten. Unter anderem reduzierten die Türkei, Russland und Bulgarien ihre Bestände. Insgesamt sollen diese Verkäufe bei 103 Tonnen gelegen haben.
Bemerkenswert ist jedoch, dass die Käufe die Verkäufe mehr als ausgleichen konnten. Laut dem World Gold Council nutzten viele Zentralbanken den zwischenzeitlichen Preisrückgang im März offenbar gezielt zum Einstieg. Die damalige Korrektur war die stärkste monatliche Goldpreisschwäche seit der Finanzkrise 2008. Der Chefstratege des World Gold Council erklärte, dass einige Zentralbanken offenbar genau auf eine solche Gelegenheit gewartet hätten, um ihre Bestände deutlich auszubauen. Dies unterstreicht, wie hoch das strategische Interesse vieler Staaten an Gold weiterhin ist.
Gold bleibt trotz Zinssorgen gefragt
Für Goldman Sachs sprechen die Daten dafür, dass Zentralbanken auch künftig ein wichtiger Stabilitätsfaktor für den Goldmarkt bleiben dürften. Die Analysten halten daher an ihrem relativ optimistischen Kursziel von 5.400 Dollar bis Ende 2026 fest. Ähnliche Einschätzungen kamen zuletzt auch von UBS Group sowie der ANZ Group. Kurzfristig bleibt die Lage laut Goldman Sachs allerdings schwierig. Sollte es an den Aktienmärkten zu stärkeren Kursverlusten kommen, könnten Anleger Gold vorübergehend verkaufen, um Liquidität zu schaffen. Dieses Muster war in früheren Krisenphasen bereits mehrfach zu beobachten.
Fazit: Während viele private Anleger wegen der Zinssorgen vorsichtiger geworden sind, kaufen zahlreiche Zentralbanken weiterhin massiv Gold zu. Und wenn diese Geldexperten Gold vertrauen, sollten ganz normale Bürger unbedingt dasselbe tun – getreu dem Motto „Don‘t fight the Fed!“.
Lesen Sie auch:
Wettlauf gegen die Zeit: Ölpreis könnte bald nochmal deutlich explodieren
Oder:
Diese Kryptofirma hat höhere Goldreserven als viele Zentralbanken - und stockt weiter auf