Zwei Jahre lang steckte der Kohlenstoffspezialist in den roten Zahlen, nun ist das Unternehmen zurück in der Gewinnzone. Der Fokus auf margenstarke Wachstumsmärkte ist vielversprechend, die Aktie immer noch günstig
Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 30. September in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 41/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.
Der Hersteller von kohlenstoffbasierten Lösungen aus Meitingen hat eine Durststrecke hinter sich. Nachdem der geplante Verkauf der defizitären Carbonfaser-Sparte 2024 fehlschlug, leitete SGL Carbon unter dem neuen Chef Andreas Klein eine umfassende Restrukturierung ein. Im Zuge dessen schloss SGL einen Standort in Portugal, fuhr die Aktivitäten im Bereich Carbonfaser stark zurück und baute über 20 Prozent der Stellen ab.
Im Ergebnis ging der Umsatz zurück, aber nach zwei Jahren in den roten Zahlen konnte das Unternehmen im ersten Halbjahr 2026 mit rund zwölf Millionen Euro wieder ein positives Nettoergebnis vorweisen. Die Nettofinanzschulden gingen gegenüber Ende 2024 um 27 Prozent auf 79 Millionen Euro zurück.
Sanierung zeigt Wirkung
Dass die Sanierung Wirkung zeigt, lässt sich an der Performance des Segments Fiber Composites ablesen, in dem seit Jahresbeginn die Bereiche Carbonfasern und Composite Solutions zusammengelegt sind. Dort stieg die bereinigte Ebitda-Marge im Vergleich der ersten Halbjahre 2025 und 2026 von sieben auf 19 Prozent. Konzernweit stieg die Marge um 1,7 Prozentpunkte auf 17,7 Prozent. Gleichwohl ist das derzeitige Marktumfeld mit hohen Energiekosten und geopolitischer Unsicherheit für SGL herausfordernd.
Das gute Halbjahresergebnis geht zum Teil auf Kompensationszahlungen in Höhe von knapp 29 Millionen Euro zurück, die Halbleiterkunden infolge von Vertragsanpassungen leisteten. Aufgrund hoher Siliziumcarbid-Lagerbestände konnten diese die bestellten Mengen nicht komplett abnehmen. Auch in anderen Marktsegmenten wie Automobil und energieintensive Industrien ist die Nachfrage eher schwach. Auf Jahressicht rechnet der Kohlenstoffspezialist mit einem Umsatz von 720 bis 770 Millionen Euro und einem bereinigten Ebitda von 110 bis 130 Millionen Euro, nach 850 beziehungsweise 135 Millionen Euro im vergangenen Geschäftsjahr.
Dennoch: SGL gehört mit seinen Produkten in den Bereichen Spezialgraphit, Carbonfasern und Verbundwerkstoffe zu den Markt- und Technologieführern und bedient wachstumsstarke Märkte wie Halbleiter, Elektromobilität, erneuerbare Energien, Luft- und Raumfahrt und Rüstung. Im wichtigen Halbleitergeschäft rechnet das Unternehmen 2027 wieder mit anziehender Nachfrage, und auch die anderen Märkte können mittelfristig stark zulegen. Bis 2030 visiert SGL einen Umsatz von über einer Milliarde Euro an, die Ebitda-Marge soll bis zu 18 Prozent erreichen.
Fazit
Die Börse hat die gelungene Sanierung positiv aufgenommen — seit Jahresbeginn ist die Aktie um 40 Prozent gestiegen, bildet das Potenzial des Unternehmens aber kaum ab. Der Börsenwert liegt deutlich unter dem Umsatz und die Aktie notiert weit unter dem Fünfjahreshoch von knapp elf Euro. SGL konzentriert sich zunehmend auf margenstarke Wachstumsmärkte, sodass eine Verbesserung der Auftragslage sich überproportional auf das operative Ergebnis auswirken würde. Daher sehen wir viel Luft nach oben.