Vom Abgesang zum Allzeithoch: Der amerikanische Halbleiterhersteller legt einen sensationellen Turnaround hin. Dieser Erfolg ist das Ergebnis der cleveren Strategie des Chefs Lip-Bu Tan. Zusätzlich elektrisiert nun ein Apple-Deal

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 19. Mai in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 22/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.

Um rund 193 Prozent hat die Aktie des US-Konzerns seit Jahresbeginn zugelegt, trotz des jüngsten Rücksetzers. Auf Sicht von zwölf Monaten sind die Kursgewinne mit plus 380 Prozent sogar noch eindrucksvoller. Erst vor wenigen Tagen erreichte der Titel mit 129 US-Dollar auf Schlusskursbasis ein Allzeithoch. Nicht einmal zu Zeiten der Dotcom-Blase rund um die Jahrtausendwende hatte der Intel-Kurs solche Größenordnungen erreicht. Dabei war es noch vor wenigen Quartalen fraglich, ob Intel gegen die starke Konkurrenz überhaupt noch eine Chance hat.

Der US-Konzern machte sich als Produzent von Prozessoren für PCs und Laptops einen Namen und galt lange als Inbegriff amerikanischer Innovationsstärke, verschlief dann aber den Wandel in der Chipindustrie. AMD lief Intel bei klassischen Prozessoren den Rang ab, Nvidia dominierte den Markt für KI-Chips und profitierte vom Boom der Rechenzentren. TSMC wurde mit rund 70 Prozent Marktanteil zum wichtigsten Auftragsfertiger der Branche und übernahm damit eine Schlüsselrolle in der Produktion. Intel hatte dagegen das sogenannte Foundry-Geschäft lange vernachlässigt und konnte auch technologisch nicht mehr mithalten. Doch seit Lip-Bu Tan im Frühjahr 2025 den Chefposten übernahm, wendet sich das Blatt. Dem „Wall Street Journal“ zufolge sollen Apple und Intel eine Vereinbarung getroffen haben, nach der Intel künftig Chips für iPhones, iPads und Mac-Rechner herstellen soll. Berichten zufolge testet der iPhone-Hersteller bereits Intels modernsten 18A-Fertigungsprozess für künftige Chipgenerationen. Der Deal steht für einen strategischen Richtungswechsel: Bislang gaben die Kalifornier die Produktion ihrer Prozessoren fast ausschließlich bei TSMC in Auftrag. Doch deren Fabriken sind am Limit. Nvidia, Meta, Qualcomm, Amazon: Alle Techkonzerne brauchen KI-Beschleuniger für Rechenzentren, Cloud-Infrastrukturen und große Sprachmodelle. TSMC kommt kaum noch hinterher. Apple-Chef Tim Cook räumte sogar ein, dass die Lieferschwierigkeiten bei Halbleitern das Unternehmen Wachstum kosten. Geopolitische Risiken kommen erschwerend hinzu. TSMC sitzt in Taiwan — und auf diese selbstverwaltete Inselrepublik erhebt China seit Jahrzehnten Anspruch. Sollte der Konflikt eskalieren, wäre Apples gesamte Chipversorgung gefährdet. Kein Wunder also, dass der Konzern sich nicht allein auf TSMC verlassen will. Eine Verlagerung von Teilen der Apple-Fertigung in Intels Fabriken auf amerikanischem Boden wäre da­rüber hinaus auch politisch hilfreich: Beide Unternehmen dürften sich damit das Wohlwollen des Weißen Hauses sichern, denn bekanntlich ist Präsident Donald Trump darum bemüht, möglichst viel Produktion aus dem Ausland in die Heimat zurückzuholen. Ein guter Draht nach ­Washington ist ein wichtiger Faktor in ­einer Zeit, in der Zölle und Lieferkettenpolitik das Verhältnis zwischen US-Regierung und großen Konzernen beeinflussen. 

Für Intel wäre ein Apple-Deal derweil eine Bestätigung, dass Tan richtig liegt, denn im Mittelpunkt seiner Sanierungspläne steht das Fertigungsgeschäft, das jedoch kostspielig ist. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz des Bereichs gegenüber dem Vorquartal um 20 Prozent auf 5,4 Milliarden Dollar. Allerdings stammten lediglich 174 Millionen Dollar davon von externen Kunden. Der Verlust der Sparte summierte sich auf 2,4 Milliarden Dollar. Analysten schätzen, dass ein Apple-Auftrag dem Bereich einen jährlichen Umsatz von rund zwei Milliarden Dollar bescheren könnte. Wie hoch der Ergebnisbeitrag am Ende tatsächlich ausfällt, ist unklar, da ­Details wie etwa die Preisgestaltung nicht bekannt sind. Ein Vertrauensvotum von Apple wäre aber ein starkes Signal an potenzielle weitere Großkunden: Wenn der 18A-Fertigungsprozess gut genug ist für den besonders anspruchsvollen iPhone-Hersteller, dann spielt Intel technologisch wieder ganz vorn mit. Für die zweite Jahreshälfte rechnet Konzernchef Tan mit konkreten Aufträgen von mehreren Foundry-Kunden, wie er gegenüber CNBC sagte.

Ein lukrativer Deal

Einen Stein im Brett bei der US-Regierung hat Intel derweil seit August 2025, als die US-Regierung unter Trump mit 8,9 Milliarden Dollar knapp zehn Prozent der Aktien übernahm und den Konzern damit vor der Insolvenz bewahrte. Hauptsächlich ging es Washington aber darum, die Abhängigkeit von asiatischen Chipfertigern zu verringern und sicherheitsrelevante Technologien im Land zu halten. Anfang Mai rühmte sich der Präsident auf Truth Social, der Staat habe mit dem Aktienpaket binnen weniger Monate mehr als 30 Milliarden Dollar verdient. Dass sich der Deal finanziell auszahlte, ist nicht zuletzt Tan zu verdanken, der seit Frühjahr 2025 an der Spitze steht. Der Branchenkenner straffte die Belegschaft, trennte sich von Rand­geschäften, rückte das Foundry-Geschäft ins Zentrum und trieb die Entwicklung von 18A und des noch moderneren Knotens 14A voran — mit sichtbarem Erfolg.

„Wir haben mit Intel über 30 Milliarden Dollar verdient.“

Donald Trump, US-Präsident

Wieder im Geschäft

Im ersten Quartal 2026 steigerte Intel den Umsatz auf 13,6 Milliarden Dollar, sieben Prozent mehr als ein Jahr zuvor und deutlich über den Erwartungen der Analysten, die im Schnitt mit 12,4 Milliarden Dollar gerechnet hatten. Das Rechenzen­trums- und KI-Geschäft legte um 22 Prozent auf 5,1 Milliarden Dollar zu. Die wachsende Nachfrage nach CPUs, angetrieben durch den Aufstieg von KI-Inferenz und agentischer KI, bescherte Intel spürbare Zuwächse. Als Marktführer bei Server-CPUs und mit eigenen KI-Beschleunigern im Portfolio ist der Konzern gut positioniert, um von diesem Trend zu profitieren. Beim bereinigten Gewinn pro Aktie kam Intel auf 0,29 Dollar und lag damit weit über der Prognose von 0,01 Dollar. Unter dem Strich stand unter anderem wegen der hohen Investitionen in das Foundry-Geschäft ein Verlust von 4,28 Milliarden Dollar. Der Kontrast zum Vorjahr könnte kaum deutlicher sein, wie es CEO Tan in der Telefonkonferenz zu den Quartalsergebnissen selbst beschrieb: „Vor einem Jahr ging es bei Diskussionen über Intel darum, ob wir überleben können. Heute geht es darum, wie schnell wir unsere Produktionskapazitäten erweitern können.“

Fazit

Spekulationsbereite Anleger, die auf den Erfolg der Foundry-Strategie wetten wollen, können Kurskorrekturen zum Einstieg nutzen. BÖRSE ONLINE-Leser, die der Empfehlung im August 2025 gefolgt sind, liegen mehr als 300 Prozent vorn und lassen Gewinne laufen. Wir heben das Kursziel an und ziehen den Stopp nach. 

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