Der S&P 500 ist teurer als im historischen Durchschnitt – und trotzdem zeigt die Geschichte: Wer jetzt an der Seitenlinie wartet, riskiert, die nächste Rally zu verpassen.
Ist es momentan an der Börse zu teuer? Der S&P 500 hat in den vergangenen Monaten kräftig zugelegt und notiert auf Jahressicht rund 18 Prozent im Plus. Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa dem 20,4-Fachen liegt der Index spürbar über seinem 30-Jahres-Durchschnitt von 17,2 – ein Warnsignal.
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Ist es jetzt an der Börse zu teuer?
Denn der Einstiegspreis bestimmt maßgeblich, welche Rendite ein Anleger langfristig erzielt. Wer eine Aktie oder einen Index teuer kauft, braucht mehr Zeit – oder mehr Kurswachstum –, um in die Gewinnzone zu kommen. Ein überbewerteter Markt bedeutet nicht zwingend einen unmittelbar bevorstehenden Crash, wohl aber, dass die künftigen Erträge im historischen Vergleich tendenziell geringer ausfallen dürften.
Genau das zeigen auch breitere Bewertungsmodelle wie das Shiller-KGV (CAPE), das die Unternehmensgewinne über einen Zeitraum von zehn Jahren glättet und derzeit ebenfalls auf erhöhtem Niveau notiert. Für Anleger, die heute in den Markt einsteigen, ist das eine nüchterne Ausgangslage.
Doch daraus zu schließen, man solle dem Markt einfach fernbleiben, bis die Kurse fallen, greift zu kurz. Teure Märkte müssen nicht zwingend einbrechen. Und wer versucht, durch ständiges Kaufen und Verkaufen den richtigen Zeitpunkt zu treffen, muss fortlaufend etwas richtig vorhersagen, das niemand zuverlässig vorhersagen kann.
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Ken Fisher: „Zeit im Markt schlägt Markt-Timing“
Genau hier greift die wohl bekannteste Börsenweisheit des US-amerikanischen Milliardärs und Investors Ken Fisher: „Time in the market beats timing the market” (auf Deutsch etwa: „Zeit im Markt schlägt Markt-Timing“). Fisher prägte diesen Satz, um zu verdeutlichen, dass die Haltedauer von Anlagen wichtiger ist als der Versuch, den perfekten Kauf- oder Verkaufszeitpunkt zu finden. Und die Zahlen geben ihm recht.
Eine Vanguard-Studie aus dem Jahr 2023 zeigt: In 68 Prozent der untersuchten Fälle schnitten Anleger, die eine Einmalsumme investierten, besser ab als jene, die ihr Kapital schrittweise anlegten. Der Gesamtmarkt steigt nämlich häufiger als er fällt – wer sein Geld zurückhält, zahlt einen Opportunitätspreis. Das gilt nicht nur für den S&P 500, sondern für globale Aktienindizes generell: Der MSCI World etwa hat seit seiner Auflegung 1969 trotz zahlreicher Krisen – Ölschocks, Dotcom-Blase, Finanzkrise, Corona – langfristig stets neue Hochs erreicht.
Besonders schmerzhaft: Viele Anleger verpassten den Aufschwung nach der Großen Rezession von 2007 bis 2009, weil sie verkauften, auf den perfekten Wiedereinstieg warteten und das Tief verpassten. Dabei gilt: Einige der stärksten Einzeltages-Rallyes ereignen sich ausgerechnet in Bärenmärkten. Wer dann nicht investiert ist, verliert überproportional.
Kurzfristige Einbrüche sind die Regel, langfristiger Wertzuwachs ebenfalls
Laut einer Analyse von J.P. Morgan Asset Management fiel der S&P 500 zwischen 1980 und Mitte 2026 im Schnitt um 14,2 Prozent pro Jahr von seinem Jahreshoch zurück – und erzielte dennoch in 35 von 46 Jahren positive Jahresrenditen. Ähnliche Muster zeigen sich beim deutschen DAX oder dem europäischen Stoxx 600: Kurzfristige Einbrüche sind die Regel, langfristiger Wertzuwachs ebenfalls. Volatilität gehört dazu – sie ist kein Grund zum Ausstieg, sondern der Preis, den Anleger für überdurchschnittliche Renditen zahlen.
Wer über einen langen Anlagehorizont und die nötige Risikobereitschaft verfügt, findet deshalb auch aktuell in breit gestreuten Aktieninvestments bewährte Instrumente zum Vermögensaufbau. Wie Sie am besten investieren, erfahren Sie beispielsweise mit einem Probeabo von BÖRSE ONLINE.
Häufige Fragen
Ist der Aktienmarkt aktuell zu teuer, um noch einzusteigen?
Bewertungskennzahlen wie das KGV oder das Shiller-CAPE liegen derzeit über ihrem historischen Durchschnitt – ein Signal zur Vorsicht, aber kein Grund zum Fernbleiben. Ein hoher Einstiegspreis dämpft zwar künftige Renditeerwartungen, bedeutet aber nicht zwingend einen bevorstehenden Crash. Langfristig orientierte Anleger fahren historisch gesehen besser, wenn sie investiert bleiben, statt auf günstigere Kurse zu warten.
Was bedeutet „Time in the market beats timing the market"?
Die Börsenweisheit des Investors Ken Fisher besagt, dass die Dauer einer Anlage wichtiger ist als der Versuch, den perfekten Kauf- oder Verkaufszeitpunkt zu finden. Langfristig investiert zu bleiben schlägt statistisch gesehen kurzfristiges Markt-Timing – weil die stärksten Börsentage oft genau dann kommen, wenn die Stimmung am schlechtesten ist.
Wie gefährlich sind Börsenkorrekturen für Langzeitanleger?
Kurzfristige Einbrüche gehören zum Börsenalltag – der S&P 500 verlor seit 1980 im Schnitt rund 14 Prozent pro Jahr von seinem Jahreshoch, der DAX und andere globale Indizes zeigen ähnliche Muster. Langfristig orientierte Anleger werden für diese Volatilität jedoch in der Regel belohnt: Wer investiert bleibt, profitiert von der langfristigen Aufwärtstendenz der Märkte.
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