J.P. Morgan sieht globale Aktienmärkte in einer Normalisierungsphase: Hedgefonds, gehebelte ETFs und Privatanleger bauen ihre Positionen ab. Die Analysten warnen vor den Folgen.
Neigt sich der Boom an den Märkten dem Ende zu? J.P. Morgan sieht jedenfalls den Beginn einer Normalisierungsphase beim Einsatz von Fremdkapital. Das geht aus dem aktuellen „Flows & Liquidity"-Bericht der Bank hervor.
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Analyst Nikolaos Panigirtzoglou argumentiert darin, dass der anlaufende Deleveraging-Prozess – also der schrittweise Abbau kreditfinanzierter Positionen – in den kommenden Monaten einen spürbaren Gegenwind für Aktien erzeugen wird. Zur Untermauerung seiner These zieht er folgende Zahlen aus den Bereichen Hedgefonds und Margin-Konten heran:
Dreht sich der Wind? Ein Blick auf Hedgefonds und Risikoabbau
Trotz schwacher Juni-Performance von S&P 500 und Nasdaq erzielten Hedgefonds positive Renditen: Equity-Long/Short-Fonds legten 1,2 Prozent zu, TMT-fokussierte Fonds sogar 3,7 Prozent – dank ihrer Übergewichtung in Halbleiterwerten.
Im Juli dreht sich das Bild: Die Fonds reduzieren offenbar ihre Halbleiter-Engagements. J.P. Morgans Leverage-Proxy bestätigt dies – der Verschuldungsgrad ist nach seinem Höchststand seit 2017 im Juni nun wieder rückläufig.
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Gegenwind für Aktienmärkte? Warnsignal Margin-Konten
Auch die Verschuldung von Privatanlegern über Margin-Konten gibt Anlass zur Sorge. J.P. Morgans Proxy für das Hebelniveau von Einzelinvestoren – das NYSE-Nettosaldo im Verhältnis zur Marktkapitalisierung des S&P 500 – befindet sich historisch gesehen auf einem extremen Niveau. Dies ist vergleichbar mit Ende 2021 und Mitte 2018, beides Vorboten monatelanger Marktkorrekturen. Gehebelte ETFs haben seit ihrem Juni-Hoch bereits deutlich an Volumen verloren: Speicherchip-ETFs minus 34 Prozent, alle gehebelten Aktien-ETFs minus 13 Prozent.
Ausblick auf Aktienmarkt längerfristig positiv
Für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet J.P. Morgan dennoch eine Nettonachfrage nach Aktien von rund 200 Milliarden Dollar – getragen von Privatanlegern, Staatsfonds und Zentralbanken. Kurzfristig dürfte es jedoch noch rund drei Monate volatilen Seitwärtshandels brauchen, bis sich die Lage normalisiert. Der Deleveraging-Prozess bleibt damit laut der Bank die dominierende Kraft – die solide Nachfrageseite wirkt vorerst nur als stützende Hintergrundkraft.
J.P. Morgan warnt: Was Anleger tun sollten
Kurzfristig mahnt der J.P.-Morgan-Bericht zur Vorsicht: Wer stark gehebelt investiert ist – etwa über Margin-Konten oder gehebelte ETFs – sollte sein Risiko überdenken. Mittel- und langfristig bleibt das Bild jedoch konstruktiv: Die strukturelle Nachfrage nach Aktien ist stark, ein überstürzter Ausstieg aus dem Markt wäre daher kaum ratsam. Wer Halbleiteraktien oder entsprechende ETFs im Portfolio hält, sollte seine Positionsgröße im Blick behalten – institutionelle Investoren bauen dort wohl gerade Positionen ab, was möglicherweise kurzfristig Druck erzeugen könnte.
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Häufige Fragen
Was ist der Deleveraging-Prozess, vor dem J.P. Morgan warnt?
Deleveraging bezeichnet den Abbau kreditfinanzierter Anlagepositionen. Wenn Investoren – ob Hedgefonds oder Privatanleger – ihre auf Pump gekauften Wertpapiere verkaufen müssen oder wollen, entsteht zusätzlicher Verkaufsdruck an den Märkten. J.P. Morgan sieht diesen Prozess aktuell als die dominante Kraft, die Aktien in den kommenden Monaten belasten dürfte.
Warum sind Margin-Konten ein Warnsignal für den Aktienmarkt?
Margin-Konten ermöglichen es Anlegern, auf Kredit Aktien zu kaufen und so ihre Rendite zu hebeln. Steigt das Margin-Niveau auf historische Extremwerte – wie derzeit –, erhöht sich das Risiko erzwungener Verkäufe (Margin Calls), falls die Kurse fallen. Vergleichbare Höchststände Ende 2021 und Mitte 2018 gingen jeweils monatelangen Marktabschwüngen voraus.
Wie positiv ist der längerfristige Ausblick für Aktien laut J.P. Morgan?
Trotz kurzfristiger Belastungen erwartet J.P. Morgan für die zweite Jahreshälfte 2026 eine Nettonachfrage nach Aktien von rund 200 Milliarden US-Dollar. Privatanleger, Staatsfonds und Zentralbanken sollen zusammen mehrere Hundert Milliarden Dollar in den Markt fließen lassen – sobald der aktuelle Leverage-Abbau abgeschlossen ist.
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