Als letzter deutscher Autokonzern legt nun auch BMW ein großes Stellenabbauprogramm auf. Es geht um tausende Jobs – mindestens die Hälfte in Deutschland.

Nach Volkswagen, Mercedes und Porsche muss nun auch BMW der anhaltenden Talfahrt Tribut zollen – und legt als letzter deutscher Autokonzern ein großes Stellenabbauprogramm auf. Dabei sollen weltweit rund 8.000 Jobs wegfallen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Unternehmenskreisen erfuhr. Der Stellenabbau solle über natürliche Fluktuation sowie ein Abfindungsprogramm auf freiwilliger Basis in Deutschland erfolgen, hieß es. Die DAX-Aktie reagierte mit leichten Verlusten auf die Nachricht. Vermutlich warten die Investoren noch auf genauere Zahlen, insbesondere zu den Auswirkungen auf den Gewinn.

Die BMW-Aktie hat seit Mai ein Viertel ihres Werts verloren und notiert mittleerweile mit knapp unter 60 Euro weit unter der 200-Tage-Linie, die bei 80 Euro verläuft.

Enthält Material von dpa-AFX

Vorstandschef: „nächste Zeit wird uns allen viel abverlangen“

Das Abfindungsprogramm soll den Angaben zufolge im Oktober 2026 starten und bis Ende 2027 laufen. Es richtet sich an alle Mitarbeiter in Deutschland außerhalb der direkten Produktion. Da mehr als die Hälfte der knapp 154.000 BMW-Mitarbeiter in Deutschland tätig ist – zum Halbjahr waren es gut 84.000 –ist es wahrscheinlich, dass auch mehr als die Hälfte der betroffenen Jobs auf Deutschland entfällt. Das Programm soll dem Vernehmen nach nicht selektiv sein, steht also in Deutschland allen Mitarbeitern außerhalb der Produktion offen; das sind mehrere zehntausend Menschen.

BMW äußerte sich zunächst nicht zu den Plänen. Laut Teilnehmern an einer Betriebsversammlung, in der die Pläne vorgestellt wurden, sagte der seit Mitte Mai amtierende neue Konzernchef Milan Nedeljkovic: „Mir ist bewusst, dass die nächste Zeit von uns allen viel abverlangen wird. Doch wir müssen sicherstellen, dass unser Unternehmen wieder profitabler und wettbewerbsfähiger wird."

BMW werde „auf allen Managementebenen Organisationseinheiten zusammenführen und mehr Verantwortung in die Hände der wertschöpfenden Bereiche geben“, sagte Nedeljkovic. „Nur so kehren wir wieder zu dem zurück, was BMW immer ausgezeichnet hat: Unternehmerisches Handeln mit hoher Eigenverantwortung.“

Darüber, dass bei BMW ein Stellenabbauprogramm bevorsteht, wurde seit Mitte Juni spekuliert. Damals hatte Nedeljkovic – nur einen Monat nach seinem Antritt als Konzernchef – eine deutliche Gewinnwarnung abgeben müssen.

BMW Vz. (WKN: 519003)

Betriebsrat eng eingebunden

Der Gesamtbetriebsrat hatte daraufhin „unverzügliche und verbindliche“ Gespräche gefordert. Diese sind nun binnen sechs Wochen offenbar abgeschlossen – weitgehend geräuschlos. Die gemeinsame Vorbereitung könnte auch erklären, dass die Gewerkschaft IG Metall Bayern den Stellenabbau relativ verständnisvoll kommentiert: „BMW reagiert jetzt auf den wegbrechenden Markt in China und arbeitet parallel daran, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Standorte zu stärken“, sagte Bezirksleiter Horst Ott. Der Abbau geschehe „mit den Instrumenten der Betriebsparteien“, tarifvertragliche Regelungen stünden nicht zur Disposition.

Halbjahreszahlen am Donnerstag

Wie viel BMW sich den Jobabbau kosten lässt, ist noch nicht ganz klar. Die Belastungen sollen erst im zweiten Halbjahr zu Buche schlagen. In einem Kapitalmarkt-Call im Juni hatte Finanzchef Walter Mertl angekündigt, dass BMW im Zuge der Restrukturierung Einmalbelastungen von rund einer Milliarde verbuchen werde – er ließ aber offen, ob diese Summe komplett in den Personalabbau fließt. Auch zur Höhe der geplanten Einsparungen gibt es noch keine Zahlen.

Das dürfte sich spätestens am Donnerstag ändern, wenn BMW sein Zahlen für das zweite Quartal vorlegt, Es sind zugleich die ersten unter dem neuen Konzernchef Nedeljkovic. Die Gewinnwarnung im Juni, die zuletzt sinkenden Absatzzahlen und die bereits vorliegenden Zahlen der deutschen Konkurrenten machen Aktionären allerdings wenig Hoffnung auf gute Nachrichten – auch wenn Mercedes am Montag mit seinem Zahlenwerk in Teilen überraschen konnte.

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BMW galt als letzte Bastion

Bisher war BMW der letzte große deutsche Autohersteller, der ohne großes Stellenabbauprogramm auskam. Volkswagen, Mercedes, Audi und Porsche hatten dagegen schon im vergangenen Jahr Stellenstreichungen angekündigt; teilweise in weit größerem Umfang. Im VW-Konzern wird sogar schon die zweite Runde im Jobabbau eingeläutet. Dort geht es um zehntausende Arbeitsplätze. Auch die großen Zulieferer der Autoindustrie wie Bosch oder ZF bauen massiv Stellen ab.

Die gesamte deutsche Autoindustrie leidet derzeit unter dem Einbruch der Verkaufszahlen in China und dem sich dort stark erhöhenden Konkurrenz- und Preisdruck. Hinzu kommen die US-Zölle und die wachsende chinesische Konkurrenz auf dem Weltmarkt. Von den Auswirkungen der Krise im Nahen Osten auf die weltweite Konjunktur gar nicht zu reden.

BMW war dabei zuletzt meist etwas glimpflicher davongekommen als die deutsche Konkurrenz. Das liegt auch am Produktmix: Die Münchener entwickeln seit Jahren technologieoffen sowohl Verbrenner als auch wettbewerbsfähige E-Autos. Im Herbst 2025 hatte anlässlich der IAA der neue iX3 auf Basis der „Neuen Klasse“ für Aufsehen gesorgt. Für dieser neuen E-Auto-Plattform hatte BMW viel Geld in die Hand genommen, um einen technologischen Sprung zu schaffen. Der Vorstand hatte jedoch immer betont, dass die Entwicklungskosten danach wieder sinken sollten. Diese Aussage umfasst nun offenbar auch Personal.

„Folge marktferner politischer Zielvorgaben“

Nedeljkovic spricht „von einer substanziellen Veränderung der Spielregeln unserer Industrie und damit der Grundlage unseres Geschäftsmodells". Das sei auch eine „Folge marktferner politischer Zielvorgaben“. Weder der Protektionismus noch die gravierenden Marktveränderungen würden wieder verschwinden, warnt der BMW-Boss. „Daher müssen wir jetzt – schnell und konsequent – unsere Strukturen und Prozesse

verschlanken und unsere Kostenposition deutlich verbessern.“

Anfang 2008 hatte der damalige BMW-Chef Norbert Reithofer schon einmal einen heftigen Stellenabbau angekündigt. Bis Ende 2010 schrumpfte die Belegschaft damals sogar um mehr als 10.000 auf damals 95.000 Mitarbeiter. Danach ging es allerdings wieder steil nach oben. 

Belegschaft und Aktionäre hoffen, dass das BMW auch diesmal gelingt.

Häufige Fragen zum Thema

Warum baut BMW Stellen ab?

Der Autokonzern hatte wegen anhaltend schwacher Absatzzahlen udn Margen im Juni seine Jaaresprognose gesenkt. Seitdem wurde ein Sparprogramm erwartet.  

Was hat BMW in der Gewinnwarnung vom 17. Juni 2026 kommuniziert?

BMW senkte fast alle wichtigen Zielgrößen für 2026. Die Auslieferungen im Automobilsegment sollen leicht unter dem Vorjahresniveau liegen, nachdem BMW zuvor noch stabile Auslieferungen erwartet hatte. Besonders deutlich fiel die Korrektur bei der Profitabilität aus: Die EBIT-Marge im Automobilgeschäft wird nur noch in einer Spanne von 1 bis 3 Prozent erwartet, zuvor lag die Prognose bei 4 bis 6 Prozent. Auch die Kapitalrendite im Automobilsegment fällt von geplanten 6 bis 10 Prozent auf nur noch mit 1 bis 5 Prozent. Der Konzerngewinn vor Steuern soll nicht mehr nur moderat, sondern deutlich gegenüber dem Vorjahr sinken. Zudem erwartet BMW für das Automobilgeschäft nur noch einen Free Cashflow von mehr als 2,5 Milliarden Euro, zuvor waren mehr als 4,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt worden.

Wie wirkt sich das Abfindungsprogramm auf den BMW-Gewinn aus?

Das ist noch nicht ganz klar. In einem Kapitalmarkt-Call im Juni hatte Finanzchef Walter Mertl angekündigt, dass BMW im Zuge der Restrukturierung Einmalbelastungen von rund einer Milliarde verbuchen werde – er ließ damals aber offen, ob diese Summe allein für einen möglichen Stellenabbau gilt. Auch zur Höhe der geplanten Einsparungen gibt es noch keine Zahlen.