Das Finanzhaus ist uneingeschränkter Marktführer in Zypern. Hohe Profite, dicke Reserven und das wachsende Versicherungsgeschäft wecken Begehrlichkeiten.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 15. Juli in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 30/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.

Auferstanden aus der Krise. Die Bank of Cyprus, gegründet 1899, war vor 13 Jahren praktisch tot. Der lokale Marktführer auf der Mittelmeerinsel meldete zuvor prosperierende Geschäfte. Doch ein großer Teil der Bilanzanlagen waren griechische Anleihen, weil es auf dem Festland umfangreiche Aktivitäten gab. Diese Anleihen waren durch die Umschuldung Griechenlands viel weniger wert. Damit geriet die Bank in eine Schieflage, die Einlagen waren nicht gedeckt. 

Und das galt allerdings auch für Wettbewerber. In der Folge wurden die Filialen für mehr als eine Woche geschlossen und hinter den Kulissen schmiedeten die Aufsichtsbehörden an einer neuen Struktur. Am Ende übernahm die Bank of Cyprus das gesunde Geschäft von Wettbewerbern und deren Einlagen bis 100.000 Euro. Der Rest wurde in eine Bad Bank überführt. Gleichzeitig musste die Bank aber auch die Verbindlichkeiten aus früheren Sonderkrediten bezahlen und unterstand direkt der Aufsicht der Europäischen Zentralbank. In den folgenden Jahren wurden vor allem die ausländischen Aktivitäten, wie etwa das Filialnetz in Griechenland und Osteuropa verkauft. Am Ende blieb ein klarer Marktführer im Heimatmarkt übrig. 

Die gleiche Entwicklung spielte sich in Griechenland ab. Von einem guten Dutzend Banken bleiben nach der Krise nur noch vier starke Häuser, die sich gut 90 Prozent des Geschäfts aufteilen. Alle haben nach dem Nahtod-Erlebnis über die Jahre hinweg ihre Bilanzen in Ordnung gebracht, verfügen über hohe Reserven und operieren mit im europäischen Vergleich tiefen Kostenrelationen. 

Als sich dann auch noch der Zins für Euroanleihen aus der negativen Zone löste, kannten Gewinne keinen Halt mehr. Die Kurse auch nicht. Sie haben sich in den vergangenen vier Jahren vervielfacht. Natürlich ist die Skepsis nach so einer guten Entwicklung hoch. Allerdings hat Griechenland und auch Zypern die hohen Kapitalverluste aus den Krisenjahren bei Weitem noch nicht aufgeholt. Deshalb spricht einiges dafür, dass das Wachstum von Einlagen und Krediten noch anhalten kann.

Aus Sicht der Anleger hat die Aktie der Bank of Cyprus einige Joker. Das beginnt mit dem Markt. Zypern ist wegen seiner steuerlichen Rahmenbedingungen ein idealer Standort für Firmengründungen und Verlagerungen von Unternehmen. Zudem finden auch junge Techfirmen dort hervorragende Bedingungen. Das Land selbst liegt mit einer Schuldenquote von 57 Prozent weit unter dem EU-Durchschnitt. Die Einkommen steigen an, die Ausleihungen hingegen sind noch nicht auf dem Niveau, auf dem sie vor der Krise waren. 

Supersolide Verfassung

Und in dieses erfreuliche Umfeld geht die Bank in einer supersoliden Verfassung. Das Institut hat nach Meinung des Analysehauses Alpha Finanz das beste Anlagevermögen. Das Portfolio der nicht bedienten Kredite liegt nur noch bei 1,1 Prozent, vor drei Jahren war es noch mehr als das Dreifache. Das Volumen ist zu fast 150 Prozent durch Bargeld abgedeckt. Die Eigenkapitalquote lag im ersten Quartal bei 20,7 Prozent. Das ist einer der höchsten Werte im europäischen Vergleich. 

Und letztlich ist die Geschäftsentwicklung erfreulich. Mit einer Kostenquote von unter 40 Prozent kommen zusätzliche Einnahmen zu einem großen Teil auch im Betriebsergebnis an. Durch die Bilanzstärke kann die Bank of Cyprus das Geschäft auch ausbauen. Die Bank, die alle Dienstleistungen für Privat- und Firmenkunden anbietet, hat das Versicherungsgeschäft durch einen Zukauf vergrößert, ist nun Marktführer bei Lebensversicherungen und Nummer zwei in Sachversicherungen. Im laufenden Jahr hat die Bank of Cyprus auch ein Kreditportfolio erworben, das in den kommenden Jahren das Zinsergebnis anschieben soll. Die Bilanzrelationen haben sich durch den Kauf nicht verschlechtert.

Das versetzt das Management in die Lage, einen hohen Anteil des Gewinns auszuschütten. Die Quote gemessen am Ertrag liegt bei 70 Prozent. Für das laufende Geschäftsjahr 2026 soll sie auf 90 Prozent gehen, in den beiden Folgejahren könnten sogar 100 Prozent ausgeschüttet werden. Gemessen an den aktuellen Gewinnschätzungen kann die Dividende dann auf weit über ein Euro ansteigen, die Rendite mehr als zehn Prozent betragen. Interessant: Es gibt keine Quellensteuer für Ausländer, damit muss die Dividende nur in Deutschland versteuert werden.

Ein aussichtsreicher Markt, eine solide finanzielle Aufstellung und das Potenzial, den Gewinn weiter zu steigern, könnte Begehrlichkeiten wecken. Griechenland und Zypern haben eine historische Verbindung, griechisch ist die Amtssprache. Vor der Krise waren zypriotischen Banken in Griechenland vertreten. Es würde nicht überraschen, wenn eine der großen Banken vom Festland die Fühler nach der Bank of Cyprus ausstrecken würde. Eine Branchenkonsolidierung in Griechenland wird es wegen der hohen Marktanteile der führenden Banken (siehe Grafik) nicht geben. Da liegt der Blick auf den attraktiven Markt in Zypern eigentlich nahe. Ein heißer Kandidat könnte die National Bank of Greece sein. Beide Banken haben eine starke Bilanz. Und weil bei der National Bank of Greece der Staat noch beteiligt ist, könnte das bei einem Zusammenschluss bei den Aufsichtsbehörden eher Gefallen finden.

Fazit

Die Bank of Cyprus bringt vieles mit, was Anlegern gefällt. Die Kosten sind niedrig, die Einnahmen wachsen, die Bilanz ist so gesund, dass der Gewinn an die Aktionäre geht. Als letztes Zuckerl hat die Aktie auch noch Übernahmefantasie.

Sie wollen weitere starke Analysen lesen? Dann werfen Sie jetzt einen Blick auf das exklusive BÖRSE ONLINE Probe-Abo.

Weiterführende Links