Die Aktie von GoPro ist binnen zwei Tagen regelrecht explodiert. Der Einstieg eines neuen Investors und eine Übernahmeankündigung lösten einen Short-Squeeze aus. Die Frage ist nun: Ist auch die Aktie von „GoPro 2.0“ noch ein Investment wert?

Die GoPro-Aktie vollführt gerade eine der wildesten Kursachterbahnen des Jahres. Erst trieb die Beteiligung des YouTube-Stars Mark Fischbach (bekannt als der „Markiplier“) den Titel am Dienstagmorgen in die Höhe, dann folgte am, Nachmittag auch noch die Ankündigung einer Fusion mit Starman Optical. In der Spitze sprang die Aktie dadurch binnen zwei Tagen um mehr als 100 Prozent. Dabei steht das Unternehmen operativ weiterhin auf sehr wackligen Beinen.

Ist die Aktie nun also nur ein gehypter Meme-Stock, dem bald die Luft ausgeht? Oder steckt hinter der Übernahme mehr, zumal GoPro durch den Deal auch komplett entschuldet werden soll?

GoPro (WKN: A1XE7G)

Der Auslöser

Den ersten Schub lieferte die Nachricht, dass Mark Fischbach mit 8,5 Prozent zum größten Einzelaktionär von GoPro geworden ist. Seine Beteiligung war zu diesem Zeitpunkt rund 9,3 Millionen US-Dollar wert. Die Fans des „Markipliers“ reagierten prompt und sprangen auf den Zug auf. Der Social-Media-Turbo zündete, ähnlich wie zuvor bei den Meme-Stocks.

Noch am selben Tag kam die eigentliche Überraschung: GoPro will mit der Optik-Tochter der nicht börsennotierten Starman Holding fusionieren. Dazu sollen die GoPro-Aktionäre 285 Millionen US-Dollar in bar erhalten, das entspricht 1,14 US-Dollar je Aktie – weit über dem Kurs der Aktie vom Dienstagvormittag. Außerdem will Starman Optical die kompletten Schulden in Höhe von 92 Millionen US-Dollar ablösen. Nach der Fusion sollen die bestehenden Aktionäre rund zehn Prozent am neuen Unternehmen halten. Der Abschluss ist für das Jahresende 2026 geplant.

Weiterführende Links

Kompletter Kurswechsel

Wird der Deal wirklich vollzogen. Wäre GoPro danach ein komplett anderes Unternehmen. Die Starman Holding ist eine Investment- und Holdinggesellschaft aus den USA, die mit ihren Produkten in verschiedenen Branchen aktiv ist, darunter Konsumgüter, Technologie- und Logistikdistribution, Photonik und Halbleiter. Sie betreibt auch die Logistik und den Handel für Elektronikanbieter. Zuletzt hatte sich das Unternehmen über seine Tochter Starman Optical stärker im Bereich New Photonics engagiert und fertigt dort unter anderem optische Transceiver für KI-Rechenzentren. Weitere Beteiligungen umfassen die Bereiche Healthcare, Venture Capital sowie Immobilienentwicklung.

Die neue Firma mit GoPro soll optische Transceiver für KI-Rechenzentren bauen und mit der optischen Datenübertragungstechnologie außerdem in die Märkte für Verteidigung, Luftfahrt und Robotik vordringen. Das schrumpfende Consumer-Geschäft von GoPro soll erstmal zwar fortgeführt werden, wäre aber nur noch eine Randnotiz.

Die Starman Holding gibt auf ihrer Website an, dass sie unter anderem mit Microsoft, Amazon und Apple zusammenarbeitet. Ob das auch für die Tochter Starman Optical gilt, wird nicht ganz klar. Es scheint jedoch, also könnte die Holding der neuen Firma Zugang zu den richtig dicken Fischen der KI- und Technologie-Branche verschaffen.

Die Sicht der Anleger

Mit seinen Action-Cams hatte GoPro im zweiten Quartal 2026 nur noch 104,9 Millionen US-Dollar Umsatz verbucht, ein Rückgang um 31,3 Prozent. Dazu kam ein Nettoverlust von 51 Millionen US-Dollar. GoPro sprach selbst von „substanziellen Zweifeln“ über die Fortführungsfähigkeit des Unternehmens. Mit anderen Worten: Die Pleite ist nah.

Die Frage ist nun: Ist die Kehrtwende vom Dienstag nicht zu schön, um wahr zu sein? Welches Interesse hat die Starman Holding daran, ihre Optik-Tochter in den Mantel von GoPro schlüpfen zu lassen und dafür, inklusive der Schulden, rund 380 Millionen Dollar zu zahlen? Ist das vergleichbar mit einem ganz normalen SPAC-Deal, durch den der Übernehmer schnell und günstig an die Börse kommt? Die Tatsache, dass ein Youtube-Star so kurz vor einem kurstreibenden Angebot einsteigt, wirft allerdings zusätzliche Fragen auf.

Hinzu kommt: Der neue Eigentümer will für sein eigenes Wachstum weiteres Kapital aufnehmen, sprich: Aktien ausgeben. Das US-Portal Business Insider nennt einen möglichen Aktienverkauf im Volumen von bis zu 800 Millionen US-Dollar. Das wäre für die bestehenden Aktionäre eine spürbare Verwässerung.

Analysten haben sich zu dem Deal noch nicht geäußert.

Fazit

GoPro ist keine Turnaround-Aktie, sondern eine Wette auf eine komplett neue Story. Das neue Geschäftsfeld, das sich rund um optische Datenübertragung drehen wird, ist ohne Frage hochspannend. BÖRSE ONLINE bietet Anlegern mit dem „Next Generation Silicon Select“ Index seit einigen Wochen aus genau diesem Sektor eine interessante Alternative zu Einzelaktien.

Doch die Bilanz von GoPro, die operativen Zahlen und das Verwässerungsrisiko für Altaktionäre sprechen eigentlich dagegen, auf dem aktuellen Niveau noch einzusteigen. Zumal noch ein paar Umsetzungsrisiken lauern.

Möglich ist natürlich auch, dass die Fans des „Markipliers“ zu einem weiteren Pump-Trade ansetzen. Wer darauf zocken will – gerne. Aber das wäre eher Roulette– und keine Geldanlage.

Häufige Fragen zum Thema

Was macht GoPro?

GoPro stellt robuste, kompakte und wasserdichte Actionkameras sowie die dazugehörige Bearbeitungssoftware her. Bekannt wurde das Unternehmen vor allem durch seine Hero-Serie für Sport, Reisen und Outdoor-Aktivitäten, die das Marktsegment der Action-Cams im Grunde begründete. Zuletzt nahmen dem Unternehmen jedoch mehr udn mehr chinesische Anbieter Marktanteile und Kunden weg.

Warum ist der GoPro-Kurs so stark gefallen?

Das Unternehmen schreibt, vor allem wegen der harten Konkurrenz aus China, seit Jahren Verluste und ist hoch verschuldet. Deshalb wirkt die Aussicht auf eine Fusion mit Starman Optical wie ein Befreiungsschlag.

Was macht die Starman Holding?

Die Starman Holding ist eine Investment- und Holdinggesellschaft aus den USA, die von Charlie Tebele geführt wird. Weitere Mitglieder der Tebele-Familie sitzen im Management. Das Unternehmen ist mit Produkten und Dienstleistungen in verschiedene Branchen aktiv, etwa bei Konsumgütern, der Technologie- und Logistikdistribution sowie Photonik und Halbleitern. Zuletzt hat sich das Unternehmen über die Tochter Starman Optical stärker im Bereich New Photonics engagiert. Dort fertigt sie unter anderem optische Transceiver für KI-Rechenzentren. Weitere Beteiligungen umfassen die Bereiche Healthcare, Venture Capital und Immobilienentwicklung.

Hinweis auf Interessenkonflikte:
Der Preis der Finanzinstrumente wird von einem Index als Basiswert abgeleitet. Die Börsenmedien AG hat diesen Index entwickelt und hält die Rechte hieran. Mit dem Emittenten der dargestellten Wertpapiere hat die Börsenmedien AG eine Kooperationsvereinba-rung geschlossen, wonach sie dem Emittenten eine Lizenz zur Verwendung des Index erteilt. Die Börsenmedien AG erhält insoweit von dem Emittenten Vergütungen.