Der Preis dieser Naturfaser ist stark angestiegen. Neben geringeren Erntemengen ist auch der hohe Ölpreis ein Preistreiber. Die Hausse könnte weiterlaufen.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 9. September in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 38/26. Wenn Sie in Zukunft als erste die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.

Baumwolle verzeichnet ein kräftiges Plus: Mit über 90 US-Cent je Pfund erreichten die Notierungen den höchsten Stand seit April 2024 und übertrafen das bisherige Jahreshoch von Mitte Mai. Mit einem Wertzuwachs von über 40 Prozent seit Jahresbeginn spiegelt der Preis eine doppelte Dynamik wider: Die weltweite Ernte fällt knapper aus als erwartet, während der hohe Ölpreis gleichzeitig die Preise für synthetische Fasern in die Höhe treibt und Baumwolle attraktiver macht. Nach China und Indien sind die USA der bedeutendste Produzent. Gerade hat das US-Landwirtschaftsministerium die Pro­gnose für die US-Baumwollernte auf 13,2 Millionen Ballen nach unten revidiert, die zweitniedrigste Ernte seit elf Jahren, und das trotz der größeren Anbaufläche. Aufgrund der anhaltenden Dürre waren Anfang September lediglich 37 Prozent der Baumwollpflanzen in den USA in einem guten Zustand, verglichen mit einem Anteil von 54 Prozent vor einem Jahr. 

Zudem dürfte ein größerer Anteil der Anbaufläche nicht abgeerntet werden. Die Pflanzen haben keine verwertbare Faser gebildet, da die Kosten für Diesel und die maschinelle Ernte über dem erzielbaren Preis liegen oder die Versicherung den Ausfall nur bezahlt, wenn das Feld nicht bearbeitet wird. In extremen Dürrejahren wie zuletzt 2022 mussten US-Farmer 43 Prozent ihrer gesamten Baumwollflächen komplett aufgeben; in Texas waren es sogar rund 69 Prozent. Die Folge: 2022 stieg der Baumwollpreis auf über 1,40 Dollar. Aktuelle Prognosen für 2026 rechnen mit Ausfällen von bis zu 30 Prozent. Das dürfte dazu führen, dass in der Saison 2026/27 die Spinnereien mehr Baumwolle verbrauchen als auf den Feldern wächst. Die Nachfrage liegt bei rund 122 bis 123 Millionen Ballen, während die Produktion nur etwa 117 bis 118 Millionen Ballen erreicht. 

Die Folge: Die weltweiten Vorräte schrumpfen. Während die Spinnereien in Indien, Pakistan und China auf Hochtouren laufen, braut sich auf der Angebotsseite ein Sturm zusammen. In Chinas wichtigsten Baumwollregionen sorgt extremes Wetter — erst Hitze, dann sintflutartige Überschwemmungen — für erhebliche Ernteausfälle. Sinken die Erträge und Qualitäten weiter, muss der wichtigste Marktakteur seine Importe deutlich hochfahren. Wenn China jedoch als Großkäufer auf einen ohnehin schon angespannten Weltmarkt trifft, ist ein weiterer Preissprung vorprogrammiert.

Fazit

Die Angebotssituation spricht für eine anhaltende Knappheit. Risikobereite ­Anleger können mit Calls gehebelt von entsprechenden Preissteigerungen bei Baumwolle profitieren. Weil die Hebelwirkung in beide Richtungen geht, sollte zur Verlustbegrenzung ein individueller Stoppkurs gesetzt werden.

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