Der Rhein führt Niedrigwasser – und das bedroht nicht nur die Schifffahrt, sondern auch die deutsche Konjunktur. Besonders betroffen: Chemiegigant BASF.

Die Pegelstände am Rhein sinken auf ein kritisches Niveau – und mit ihnen die Hoffnungen auf wirtschaftliches Wachstum in Deutschland. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnet damit, dass die Wirtschaftsleistung hierzulande um bis zu 0,4 Prozentpunkte zurückgehen könnte. Angesichts ohnehin schwacher Konjunkturprognosen würde das bedeuten: kein Wachstum – oder schlimmer noch, eine schrumpfende Wirtschaft.

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Niedrigwasser-Alarm am Rhein: Frachtkosten explodieren

IW-Experte Thilo Schaefer sagte dazu in der “Bild”-Zeitung: "Ein längerer Ausfall der Schiffbarkeit auf dem Rhein könnte das ganz klitzekleine Pflänzchen Wachstum, das wir haben, komplett ersticken." Denn: Wer keine Waren transportieren kann, muss die Produktion drosseln. 

Die Zahlen sind alarmierend: Binnenschiffe können derzeit nur noch ein Drittel bis die Hälfte ihrer normalen Ladekapazität nutzen. Die Folge sind drastisch gestiegene Frachtkosten – auf einzelnen Strecken haben sie sich verdrei- bis vervierfacht. Kosten durch Verzögerungen und notwendige Umplanungen sind dabei noch nicht einmal eingerechnet. 

Am härtesten trifft es jene Branchen, die auf große Mengen an Rohstoffen und Vorprodukten angewiesen sind – darunter die Chemie-, Stahl- und Mineralölbranche. Experten warnen: Sollte sich die Lage nicht bald entspannen, könnten auch die Verbraucherpreise spürbar ansteigen.

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BASF wegen Niedrigwasser unter Druck – aber nicht unvorbereitet

Das Niedrigwasser ist vor allem für den deutschen Chemie-Gigant BASF ein Problem. Knapp 40 Prozent der Güter am Stammwerk Ludwigshafen werden per Schiff über den Rhein transportiert – die reibungslose Abwicklung von Einkauf und Vertrieb über den Fluss ist für den Konzern von zentraler Bedeutung. 

Doch BASF hat aus den Erfahrungen des Niedrigwassers von 2018 – das damals zu einer Ergebnisbelastung im dreistelligen Millionenbereich geführt hatte – Konsequenzen gezogen. Heute setzt BASF verstärkt auf speziell konstruierte Niedrigwasserschiffe, darunter das Transportschiff „Stolt", das vor drei Jahren vorgestellt wurde und mit besonders geringem Tiefgang zwischen den ARA-Häfen (Antwerpen, Rotterdam, Amsterdam) und Ludwigshafen pendelt. Das Unternehmen versicherte vor ein paar Tagen noch: „Die Versorgung der Produktion mit Rohstoffen und Belieferung unserer Kunden ist gesichert."

Weiterführende Links

Niedrigwasser: BASF mit Forderung an die Politik

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen setzt BASF auch auf politische Unterstützung. Konkret fordert der Konzern eine beschleunigte Umsetzung bereits geplanter Infrastrukturprojekte: „Wir sehen vor allem im Bereich der ‚Abladeoptimierung Mittelrhein' dringenden Umsetzungsbedarf." BASF ist zudem einer der Unterzeichner des Aktionsplans „Niedrigwasser Rhein", der die Befahrbarkeit des Flusses auch in Trockenperioden langfristig sicherstellen soll.

Politisch reagiert die Bundesregierung bisher mit einer Sondersitzung: Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hat für Donnerstag eine „Fachkonferenz" in Bonn einberufen. Wer genau daran teilnehmen wird, stand zum Zeitpunkt der Ankündigung noch nicht fest – die Einladungsliste befand sich laut Ministerium noch in der Erstellung.

BASF (WKN: BASF11)

So geht es der BASF-Aktie

An der Börse zeigte sich derweil ein gemischtes Bild. Die BASF-Aktie legte nach der Veröffentlichung detaillierter Quartalszahlen Ende Juli um 3,9 Prozent zu – seitdem geht es aufwärts. Der Konzern kündigte zugleich ein neues Aktienrückkaufprogramm an. 

Die US-Bank JPMorgan behielt trotzdem ihre Einstufung „Underweight" bei: Angesichts wachsender chinesischer Exportüberschüsse in der Chemiebranche – teils auf Rekordniveau – sieht JPMorgan-Analyst Chetan Udeshi für BASF spürbaren Wettbewerbsdruck und die Gefahr, dass kurzfristige Preiserholungen die mittelfristigen Gegenwinds nur verdeckten. Momentan notiert das Papier bei gut 51 Euro (Stand: 04. August, 13:30 Uhr) und liegt sowohl über der 50- als auch der 200-Tages-Linie.

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Enthält Material von dpa-AFX

Häufige Fragen

Warum ist das Niedrigwasser am Rhein so gefährlich für die deutsche Wirtschaft? 

Der Rhein ist eine der wichtigsten Wasserstraßen Europas und ein zentrales Rückgrat der deutschen Industrieversorgung. Sinken die Pegelstände, können Binnenschiffe nur noch einen Bruchteil ihrer üblichen Ladung transportieren. Das zwingt Betriebe – vor allem in der Chemie-, Stahl- und Mineralölbranche – dazu, ihre Produktion zu drosseln. Das IW warnt, dass dies die deutsche Wirtschaftsleistung um bis zu 0,4 Prozentpunkte senken könnte.

Wie ist BASF auf das Niedrigwasser vorbereitet? 

Nach den schmerzhaften Erfahrungen aus dem Jahr 2018 hat BASF gezielt in Niedrigwasserschiffe investiert wie das Spezialschiff „Stolt" mit besonders geringem Tiefgang. Zudem erhöht der Konzern im Bedarfsfall die Anzahl der eingesetzten Schiffe. BASF betont, dass trotz der schwierigen Lage die Versorgung der Produktion und die Belieferung der Kunden aktuell gesichert sei.

Was fordert BASF von der Politik? 

BASF drängt auf eine schnellere Umsetzung der sogenannten „Abladeoptimierung Mittelrhein" – ein Infrastrukturprojekt, das die Fahrrinne des Rheins vertiefen und verbreitern soll, damit Schiffe auch bei niedrigen Pegelständen mehr Ladung transportieren können. Als Mitunterzeichner des Aktionsplans „Niedrigwasser Rhein" engagiert sich der Konzern zudem für langfristige Lösungen zur Sicherung der Rheinschifffahrt.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: BASF.

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