Oracle kämpft mit steigenden Kreditrisiken - und der Aktienkurs sinkt. Grund sind die wachsenden Schulden für KI-Investitionen. Und mit diesem Problem ist Oracle nicht allein.

Ein Credit Default Swap (CDS) ist im Kern eine Ausfallversicherung auf Schulden. Steigt der Spread, wird der Schutz teurer; der Markt preist also ein höheres Kreditrisiko ein. Bei Oracle ist der Fünfjahres-Spread jüngst auf rund 200 Basispunkte geklettert (siehe Aufmacher-Grafik). Das ist ein Rekordniveau und überschreitet sogar den Höchststand während der Finanzkrise 2008. 

Das bedeutet: Anleger verlangen inzwischen einen deutlich höheren Risikoaufschlag im Zins, wenn sie Oracle-Kredite oder -Anleihen halten. Denn während der Konzern seine KI-Investitionen immer weiter hochfährt, schaut der Markt verstärkt auf Schulden, Cashflow und die Refinanzierung.

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Der Markt achtet mehr auf die KI-Kosten

Der Grund für die Nervosität liegt in Oracles aggressiven Ausbauplänen für KI-Infrastruktur. Hunderte Milliarden fließen in Cloud-Kapazitäten und Rechenzentren, um die rasant steigende Nachfrage nach Rechenleistung zu bedienen. Anders als Microsoft oder Alphabet finanzierte Oracle diese Expansion von Anfang an vor allem über Fremdkapital. Und das verunsichert den Markt zunehmend: Je höher die Investitionen steigen, desto stärker rückt die Bilanz in den Fokus.

Das hat nicht nur Folgen für die Oracle-Aktionäre. Die Aktie hat seit Jahresbeginn rund 27 Prozent verloren und auf Zwölfmonatssicht fast 44 Prozent eingebüßt. Der Markt bewertet damit längst nicht mehr die Wachstumsstory, sondern auch die Frage, ob der KI-Ausbau am Ende ausreichend Cashflow abwirft, um die Schulden zu tilgen.

Wenn der Zinsaufschlag steigt, sinkt der Kurs, wie sich an dieser Oracle-Anleihe, die erst im Oktober 2025 mit einer 40-jährigen Laufzeit bis ins Jahr 2065 begeben wurde, eindruckvoll studieren lässt.

Oracle Corp. 6.1% 25/65 (WKN: A4EHZB)

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Nicht nur Oracle steht unter Druck

Auch bei anderen Hyperscalern hat sich die Stimmung eingetrübt. Alphabet wies im 2. Quartal 2026 erstmals seit Bestehen einen negativen Free Cashflow aus. Auch der Google-Mutterkonzern hat mittlerweile Anleihen begeben, für die zuletzt ein CDS-Spread von 67 Basispunkten taxiert wurde. Auch bei Amazon, Meta und sogar bei Microsoft sind die Kreditspreads gestiegen, was ihre Anleihenkurse drückt. Nach Schätzungen der befragten Analysten bei FactSet werden die fünf genannten Hyperscaler zusammen im Jahr 2026 keinen freien Cashflow mehr ausweisen können, 2027 wird ihr aggregierter Cashflow sogar deutlich negativ sein (s. Grafik).

Das zeigt: Oracle ist nur die Spitze des Eisbergs. Der KI-Ausbau wird immer teurer, die Fremdfinanzierung nimmt zu und der Markt schaut selbst bei den großen Plattformen inzwischen viel genauer auf die Refinanzierungskosten. Was an der Börse bislang noch als Wachstumsfantasie verkauft wird, sieht der Kreditmarkt eher als Belastungsprobe.

Der aggregierte Free Cashflow von Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft und Oracle wird im Jahr 2027 negativ sein, schätzen Analysten.
Foto: Quelle: FactSet
Der aggregierte Free Cashflow von Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft und Oracle wird im Jahr 2027 negativ sein, schätzen Analysten.

Auch Aktien-Anleger sollten jetzt verstärkt auf den Anleihenmarkt achten

Für Anleger ist das ein wichtiger Stimmungsumschwung. Im Aktienmarkt dominiert weiter die Hoffnung auf den nächsten KI-Schub. Im Kreditmarkt steigt dagegen die Skepsis, ob diese Investitionen rechtzeitig in freien Cashflow umschlagen – oder die Hyperscaler eines Tages erdrücken. Denn ein Unternehmen kann operativ wachsen und trotzdem finanziell unter Druck geraten, wenn die Expansion zu teuer wird.

Oracle bleibt dabei ein zentraler Gradmesser für den gesamten KI-Markt. Sollte der Konzern die Finanzierung nachhaltig stemmen können, weil die Cloud-Erträge rechtzeitig sichtbar steigen, würde sich die aktuelle Nervosität als Übertreibung erweisen. Bleibt der Cashflow jedoch weiterhin hinter den Erwartungen zurück, dürfte der Kreditmarkt bald die nächste Korrektur vorwegnehmen – noch bevor es die Aktie tut.

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Häufige Fragen zum Thema

Warum investieren Alphabet, Microsoft, Amazon, Meta und Oracle so massiv in KI-Infrastruktur? 

Der Wettbewerb um KI-Vorherrschaft hat unter den großen Technologiekonzernen eine regelrechte Investitionsspirale ausgelöst. Wer in der KI-Entwicklung – insbesondere bei großen Sprachmodellen und Cloud-KI-Diensten – nicht mithalten kann, riskiert, langfristig Marktanteile zu verlieren. Deshalb verpflichten sich die Unternehmen zu milliardenschweren Leasingverträgen für Rechenkapazitäten, oft noch bevor die entsprechenden Rechenzentren überhaupt fertiggestellt sind. Das treibt die Off-Balance-Sheet-Verbindlichkeiten in die Höhe.

Warum gilt ausgerechnet der etablierte Software- und Datenbankanbieter Oracle am Kreditmarkt als riskant?

Oracle hatte, anders als etwa Alphabet oder Microsoft, von Anfang an nicht genügend Cashflow, um die KI-Investitionen aus dem laufenden Geschäft zu stemmen, und musst deshalb Kredite aufnehmen. Das ist per se nicht ungewöhnlich, doch Oracle hat die Investitionssummen immer weiter erhöht, was Kreditgeber zunehmend an der Schuldentragfähigkeit zweifeln lässt.

Was ist das Stargate-Projekt?

Die US-Regierung unter Donald Trump will mit einem milliardenschwere Infrastruktur-Initiative unter dem Namen "Stargate" die USA als führenden Standort für Anwendungen rund um die Künstliche Intelligenz (KI) etablieren. Dazu soll ein gigantischen Netzwerk von Rechenzentren und Rechenleistung aufgebaut werden. Zu den Hauptakteuren und Geldgebern von Stargate gehören Technologiekonzerne wie OpenAI, Oracle, SoftBank, Nvidia, Microsoft und der Staatsfonds von Abu Dhabi (MGX). Über einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren sind Investitionen von bis zu 500 Milliarden US-Dollar geplant.

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