Die jüngsten Eckdaten bringen Schwung in die Aktie, die seit Jahresbeginn deutlich zurückgekommen war. Mit einem Discount Call sind knapp 67 Prozent Gewinn möglich, wenn die Aktie auf dem aktuellen Niveau bleibt
Die finalen Geschäftszahlen von Rheinmetall kommen erst in der zweiten Wochenhälfte und damit nach Redaktionsschluss. Große Überraschungen dürften sie aber nicht bringen, denn vorläufige Eckdaten wurden bereits Ende Juli veröffentlicht. Demnach stieg der Umsatz um 69 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis hat sich auf 562 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt und übertraf ebenfalls die Erwartungen der Analysten. Die Auftragsbücher sind derweil mit über 80 Milliarden Euro gut gefüllt. Die Marktteilnehmer reagierten positiv auf die Meldung. Die Aktie schob sich inzwischen über den Kreuzwiderstand bei 1.140 Euro. Zur Wochenmitte deutete sich der Ausbruch über die 50-%-Retracement-Marke von 1.200 Euro an. Damit eröffnet sich weiteres Aufwärtspotenzial bis 1.370 Euro und im weiteren Verlauf bis 1.935 Euro. Diese Zielkurse erscheinen für Analysten wie Michael Raab von Kepler Cheuvreux mittelfristig durchaus erreichbar.
Alle Sparten legen zu
Der Rüstungskonzern ist in fünf Segmenten engagiert. Vehicle Systems mit Rad- und Kettenfahrzeugen, Weapon and Ammunition mit Groß- und Mittelkaliberwaffen, Electronic Solutions mit Sensorik und Flugabwehr, Power Systems mit zivilen Antrieben und Großmotoren sowie Materials and Trade mit Gussbauteilen. Nach eigenen Angaben steuerten alle fünf Segmente im abgelaufenen Quartal zur Umsatz- und Ergebnisverbesserung bei.
Der dicke Auftragsbestand, der steigende Umsatz und die Ausweitung der Gewinnmarge haben das Potenzial, das Vertrauen der Anleger in die Aktie wieder zurückzugewinnen. Zu den wenigen Wermutstropfen im Zahlenwerk dürfte der schwache freie Cashflow zählen. Konzernangaben zufolge haben sich einige Anzahlungen in das dritte Quartal verschoben. Zudem investiert der Rüstungskonzern derzeit stark in den Ausbau der Produktionskapazitäten, um die Liefervereinbarungen einhalten zu können. Auf Jahressicht rechnet das Unternehmen daher weiterhin mit einem freien Cashflow von rund 2,1 Milliarden Euro. „Wir verzeichnen den massiven Anstieg der operativen Marge im Jahresvergleich (ein Plus von 360 Basispunkten), was uns zu der Annahme veranlasst, dass Waffen und Munition der wesentliche Treiber des Umsatzwachstums gewesen sein könnten“, schrieb Raab in seiner jüngsten Studie. „Als wichtiger Lieferant der Bundeswehr und anderer EU-Staaten ist das Unternehmen bestens positioniert, um von den Plänen zur Erhöhung der Verteidigungsausgaben zu profitieren“, so Raab weiter. Neben Milliardenaufträgen aus den Niederlanden und Rumänien und Kooperationen, beispielsweise mit der italienischen Leonardo, fertigt Rheinmetall unter anderem Rumpfteile für den F-35A-Tarnkappenbomber der USA.
Mit dem Kauf der Naval Vessels Lürssen im März dieses Jahres stieg der Konzern zudem in den Marineschiffbau mit Fregatten, Korvetten sowie Patrouillenbooten ein und startete im April die Serienproduktion unbemannter Drohnenboote. Rheinmetall ging bei den maritimen Milliardenaufträgen aus Deutschland und Kanada zwar zuletzt leer aus, gleichwohl bewerben sich die Düsseldorfer aktuell um Großaufträge der US Navy. Angesichts des für dieses Jahr erwarteten kräftigen Gewinnanstiegs und eines sich abzeichnenden Wachstums in den kommenden Jahren ist die Aktie mit einem KGV für 2027 von 23,2 moderat bewertet.
Mit Puffer oder Hebel
Derivate bieten Anlegern je nach Risikoneigung interessante Alternativen zum Direkteinstieg in die Aktie. Weniger risikofreudige Investoren greifen zum Bonus-Cap-Zertifikat auf die Aktie. Das Wertpapier ist mit einer Barriere bei 900 Euro und einem Bonuslevel bei 1.700 Euro ausgestattet. Das Bonuslevel ist gleichzeitig die Cap-Marke. Notiert die Aktie von Rheinmetall bis zum finalen Beobachtungstag, den 19. März 2027, stets oberhalb der Barriere, erhalten Inhaber des Papiers umgerechnet 1.700 Euro. Wird die kritische Marke allerdings berührt oder unterschritten, erlischt die Chance auf die Bonuszahlung. In diesem Fall wandelt sich das Papier in eine Aktie ohne Dividendenanspruch um. Gleichwohl bleibt der maximale Auszahlungsbetrag auf 1.700 Euro beschränkt.
Die Barriere von 900 Euro wurde bei der jüngsten Konsolidierung im Juni kurzzeitig unterschritten. Nach dem jüngsten Anstieg ist der Puffer bis zur kritischen Marke auf rund 26 Prozent angewachsen. Aus fundamentaler, aber auch aus charttechnischer Sicht ist die Barriere aktuell nicht in Gefahr. Um potenzielle Verluste zu begrenzen, sollte allerdings ein Stoppkurs gesetzt werden. Legt das Wertpapier zu, sollte diese Marke stetig nachgezogen werden, um das Verlustrisiko zu reduzieren und aufgelaufene Gewinne abzusichern.
Dies gilt erst recht für den Discount-Call-Optionsschein. Das Hebelpapier reagiert deutlich kräftiger auf Kursbewegungen der Aktie nach oben oder unten. Das ausgewählte Wertpapier hat einen Basispreis bei 1.100 Euro und ein Cap-Level bei 1.200 Euro. Beide Marken liegen somit unterhalb des aktuellen Aktienkurses. Notiert der DAX-Wert am Laufzeitende bei 1.200 Euro oder darüber, erhalten Inhaber des Discount Call den maximalen Rückzahlungsbetrag von einem Euro. Daraus ergibt sich somit eine erzielbare Rendite von 66,7 Prozent bis Jahresende. Sinkt die Aktie unter das Cap-Level fällt die Rückzahlung entsprechend geringer aus. Notiert Rheinmetall gar bei 1.100 Euro oder darunter, verfällt das Hebelpapier wertlos. Anleger sollten somit Stoppkurse setzen, um mögliche Verluste zu beschränken.
Fazit
Die Stimmung der Anleger bezüglich Rheinmetall hat gedreht. Unterstützung kam von zuletzt überraschend starken vorläufigen Eckdaten zum abgelaufenen Quartal und dem hohen Auftragsbestand. Charttechnisch sind bei 1.140 und 1.200 Euro wichtige Widerstandsmarken überwunden worden. Das Bonus-Cap-Zertifikat und der Discount Call bieten Anlegern interessante Alternativen zum Direkteinstieg in die Aktie.