Exklusive Mode läuft bei zahlungskräftigen Kunden derzeit schwächer als Schmuck. Davon profitiert vor allem der Schweizer Luxuskonzern Richemont mit seinen starken Marken Cartier und Van Cleef & Arpels. Die Aktie könnte der größte Gewinner einer Erholung der Luxusbranche werden.
Nach einer mehrjährigen Schwächephase zeichnen sich im Luxussektor erste Erholungsanzeichen ab. Die Aktien der großen Luxusmarken wie LVMH und Hermès haben in den letzten Wochen wieder etwas angezogen – konnten ihren langjährigen Abwärtstrend bislang jedoch nicht brechen. Anders sieht es für Richemont aus. Die Papiere des Schweizer Luxuskonzerns, bekannt vor allem für Marken wie Cartier, Van Cleef & Arpels und IWC Schaffhausen, befinden sich bereits seit März im Rally-Modus. In den vergangenen drei Monaten legten sie um 42 Prozent zu.
Der Grund für die unterschiedliche Kursentwicklung: Nicht alle Bereiche im Luxussegment entwickeln sich gleich. Während klassische Luxusmode weiterhin unter einer schwächeren Nachfrage leidet, zeigen sich vor allem das Schmuckgeschäft und einige Uhrenmarken robust. Damit ziehen insbesondere jene Bereiche an, in denen Richemont besonders stark ist.
Umsatztreiber Schmuck
Die stabile Nachfrage nach exklusivem Schmuck zeigt sich auch in den jüngsten Geschäftszahlen des Luxuskonzerns aus dem Kanton Genf wieder. Getragen wird das Geschäft derzeit vor allem von der Schmuckdivision. Im Geschäftsjahr 2025/26 steigerte Richemont den Umsatz insgesamt um elf Prozent auf 22,42 Milliarden Euro. Die Jewellery Maisons, zu denen unter anderem Cartier, Van Cleef & Arpels und Buccellati gehören, trugen mit einem Zuwachs von 14 Prozent überdurchschnittlich zum Wachstum bei. Mit einem Umsatz von 16,54 Milliarden Euro steht Schmuck für fast drei Viertel des Geschäfts von Richemont. Verantwortlich dafür ist vor allem die Stärke der Marke Cartier, die es Richemont in jüngster Zeit ermöglichte, mehrfach die Preise anzuheben ohne die Nachfrage auszubremsen.
Die Uhrensparte Specialist Watchmakers mit Marken wie IWC Schaffhausen und Jaeger-LeCoultre stagnierte dagegen bei einem Umsatz von 3,15 Milliarden weitgehend. Das Schmuckgeschäft ist zudem deutlich profitabler. Mit Schmuck erzielte Richemont eine operative Marge von 30,5 Prozent, mit Uhren von nur 3,4 Prozent.
Analysten erhöhen Gewinnerwartungen
Von Analystenseite wird die Aktie von Richemont überwiegend positiv eingeschätzt. Bank of America etwa erhöhte nach Bekanntgabe der neuesten Zahlen das Kursziel von 175 auf 185 Franken. Grund für die positive Einschätzung: Die Bank geht davon aus, dass das Gewinnwachstum im laufenden Geschäftsjahr an Dynamik gewinnen wird.
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Häufig gestellte Fragen
Warum entwickelten sich die Aktien von Luxusmarken in den letzten Jahren so schwach?
Die Branche litt unter einer schwachen Nachfrage, vor allem im ehemals starken Geschäft in China. Hinzu kamen Preiserhöhungen, Währungseffekte und die Sorge, dass der Boom nach der Pandemie überzogen war.
Wieso ist die Aktie von Richemont stärker gestiegen als die Aktien anderer Luxushersteller?
Richemont profitiert besonders stark vom Schmuckgeschäft, das derzeit robuster läuft als klassische Luxusmode. Mit Marken wie Cartier und Van Cleef & Arpels ist der Konzern in jenen Segmenten stark, die aktuell am besten funktionieren.
Zahlt Richemont Dividende?
Ja, Richemont schüttet regelmäßig Dividenden aus. Die Dividendenrendite liegt derzeit bei 2,4 Prozent.