Das laufende Geschäftsjahr dürfte für den Verpackungsspezialisten eines des Übergangs sei. Aus Anlegersicht ergibt sich aber bereits jetzt eine interessante Einstiegsgelegenheit.
Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 12. Mai in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 21/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.
Die Perspektive sieht wieder besser aus“, sagt Christian Mias, seit dem 1. Mai neuer Vorstandsvorsitzender von Schott Pharma. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur bestätigte der 51-Jährige die mittelfristigen Wachstumsziele. Für 2027 bis 2029 rechnet das Unternehmen mit sechs bis acht Prozent organischem Umsatzwachstum, die Ebitda-Marge soll in Richtung 30 Prozent steigen. Mias setzt auf Innovation und Kosteneffizienz und betont, dass das margenstarke Premiumportfolio selbst gegenüber US-Zöllen resilient sei, da der Zollanteil bei High-Value-Solutions nicht das entscheidende Kaufkriterium sei.
Solche Töne tun der Aktie gut, denn hinter den Mainzern liegt ein schwieriges Jahr. Vom 52-Wochen-Hoch bei rund 30 Euro hat der Kurs rund die Hälfte an Wert verloren. Die jüngste Erholung ist dabei schon berücksichtigt. Ein Hauptbelastungsfaktor der letzten Monate war der Ausblick des Managements für das Geschäftsjahr 2026 im Dezember, der deutlich hinter den Markterwartungen zurückblieb. Nur zwei bis fünf Prozent prognostiziertes Wachstum statt der erhofften acht Prozent verschreckte die Anleger. Hinzu kamen die Nachfrageschwäche eines Großkunden bei Glasspritzen, der Rückgang im Polymerspritzensegment nach dem Abebben der mRNA-Impfkampagnen sowie Unsicherheit durch die veränderte US-Gesundheitspolitik. Die Deutsche Bank stufte Schott Pharma in der Folge von „Buy“ auf „Hold“ ab.
Übergang als Chance
Doch auf dem aktuellen Niveau ist die Aktie wieder einen Blick wert, denn der Konzern operiert in einem Oligopol mit nur zwei vergleichbaren Wettbewerbern: Gerresheimer und Stevanato. Regulatorische Hürden, lange Zulassungszyklen und die tiefe Verankerung in den Produktionsprozessen der Kunden würden bei diesen zu deutlichen Wechselkosten führen. Der Anteil der margenstarken High-Value-Solutions am Umsatz ist zuletzt auf 57 Prozent gestiegen, mittelfristig sollen es über 60 Prozent werden. Die strukturellen Treiber wie eine alternde Bevölkerung, GLP-1-Therapien, Selbstinjektionstrend sowie eine Pipeline von rund 6.600 injizierbaren Medikamenten sind intakt.
Das erste Quartal des Geschäftsjahres bestätigte dies. Der Umsatz stieg währungsbereinigt um 4,8 Prozent auf 240 Millionen Euro, das Ebitda legte um elf Prozent auf 65 Millionen Euro zu. Besonders das Segment Drug Containment Solutions wuchs mit 9,4 Prozent dynamisch, getrieben durch sterile Karpulen und Spezialfläschchen. Am 13. Mai legt der SDAX-Konzern die Halbjahreszahlen vor (nach Redaktionsschluss). Der Bloomberg-Konsens erwartet für das zweite Quartal 246,5 Millionen Euro Umsatz und damit ein Rückgang gegenüber 252 Millionen im Vorjahr. Beim Ergebnis je Aktie rechnet der Markt mit 0,21 Euro nach 0,26 Euro. Besser als erwartete Zahlen sollten ein Katalysator werden.
Fazit
Schott Pharma vereint eine starke Marktstellung, ein zukunftsträchtiges Portfolio und intakte Megatrends. Nach der berechtigten Enttäuschung der letzten Monate ist viel im Kurs eingepreist. Überzeugende Ergebnisse sollten daher ausreichen, um die Aktie wieder jenseits der 18-Euro-Marke zu tragen.