Die Aktie von Siemens Energy steht an einem heiklen Punkt: Der Kurs rutschte unter eine wichtige Chartmarke, obwohl es operativ weiter gut aussieht. Für Anleger stellt sich jetzt die Frage, ob das nur ein Ausrutscher ist – oder der Beginn einer tieferen Korrektur.

Bei Siemens Energy kippt das charttechnische Bild: Die Aktie ist zur Wochenmitte unter die 100-Tage-Linie gefallen – und solche Chartsignale sorgen bei einem bereits recht heiß gelaufenen Titel schnell für Nervosität bei den Anlegern. Zumal auch automatische Handelssysteme darauf reagieren könnten. Das würde den Kurs, der zuletzt bereits deutlich verloren hatte, weiter unter Druck setzen.

Siemens Energy (WKN: ENER6Y)

Die 100-Tage-Linie fällt

Am Dienstag kreuzte der Kurs von Siemens Energy die 100-Tage-Linie nach unten. Der Kurs rutschte auf 154,96 Euro und fiel bis Mittwochmittag weiter auf 153,90 Euro. Damit liegt er nun klar unter der 100-Tage-Marke. Zwar befindet sich die Aktie weiter in einem langfristigen Aufwärtstrend und notiert auch über der 200-Tage-Linie, doch der Bruch der 100-Tage-Linie ist ein klassisches Schwächesignal.

Der obige Chart zeigt die 100-Tage-Linie (blau) und die 200-Tage-Linie (grün).

Starke Zahlen, schwacher Kurs

Die Kursschwäche passt allerdings überhaupt nicht zum operativen Bild. Noch Anfang August hatte Siemens Energy starke Quartalszahlen gemeldet. Das dritte Geschäftsquartal schloss mit einem Rekordauftragseingang von 17,9 Milliarden Euro, der Umsatz stieg auf 11,4 Milliarden Euro und sogar die angeschlagene Windkraftsparte Siemens Gamesa schrieb erstmals seit Jahren wieder positive Zahlen.

Trotzdem verliert die Aktie schon seit Mai stetig an Boden. Am Dienstag waren es gleich 4,8 Prozent. Die Diskrepanz zwischen Rekordzahlen und Kursrutsch zeigt, dass der Markt derzeit nicht mehr blind auf die Story setzt.

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Rebranding zur falschen Zeit?

Ein zusätzlicher belastender Faktor ist das geplante Rebranding zu "Omterra", das Siemens Energy für seine Windkraftsparte Siemens Gamesa vorbereitet. Der Konzern will damit jährliche Lizenzgebühren für die Nutzung des Namens „Siemens“ einsparen, doch die Investoren zweifeln am Sinn der Maßnahme.

Dass der Konzern versucht, sich abseits von Siemens eine neue Identität aufzubauen, kann strategisch sinnvoll sein. Andererseits ist der Name Siemens bei manchen Kunden auch ein Zugpferd und bürgt für Qualität. Zudem bindet ein Rebranding auch Ressourcen und erhöht die Komplexität. Und das in einer Phase, in der die Aktie ohnehin anfällig erscheint.

Was Anleger jetzt beachten müssen

Operativ läuft Siemens Energy stark, charttechnisch aber wird es langsam eng. Solche Konstellationen sind gefährlich, weil gute Nachrichten dann nicht mehr automatisch für steigende Kurse sorgen.

Wenn die Aktie die 100-Tage-Linie nicht rasch zurückerobert, bleibt das Vertrauen angekratzt. Zumal jetzt auch die 200-Tage-Linie gefährlich nahe rückt, die knapp unter 150 Euro verläuft. Diese Marke sollte Siemens Energy keinesfalls reißen, sonst droht wirklich ein Abverkauf.

Für Anleger ist also Vorsicht angesagt. Neueinsteiger warten besser an der Seitenlinie.

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Häufige Fragen zum Thema

Was macht SIemens Energy?

Siemens Energy ist ein weltweit führender Energietechnikkonzern, der die gesamte Energiewertschöpfungskette abdeckt: von der Stromerzeugung (konventionell und erneuerbar) bis zur Übertragung und Speicherung. Das Unternehmen baut Gasturbinen, Windkraftanlagen, Transformatoren und bietet Lösungen für Wasserstoff sowie Netztechnik an, um n ach eigeen Angaben die Dekarbonisierung der Industrie zu unterstützen.


Was verbindet Siemens Energy mit dem Siemens-Konzern?

Die Siemens AG hat ihre Kraftwerkstechnik im Jahr 2020 unter dem Namen Siemens Energy abgespalten. Die Aktien werden seit September 2020 an der Börse gehandelt. Im April 2026 hielt Siemens noch 5,44 Prozent der Anteile. Für die Nutzung des Namen "Siemens" zahlt Siemens Energy immer noch Lizenzgebühren.


Wann endet das Geschäftsjahr bei Siemens Energy?

Das Geschäftsjahr aller Siemens-Gesellschaften weicht vom Kalenderjahr ab und endet jeweils am 30. September. Das ist auch bei früheren Töchtern der Siemens AG wie Infineon, Siemens Energy oder Siemens Healthineers so.