SpaceX geht an die Börse. Da der Ausgabepreis von Elon Musk fix gesetzt wurde, geht es am Tag vor der Erstnotiz am Freitag nur noch darum, wer Aktien bekommt – und wer nicht. Das Irre dabei: Außerbörslich wird auf einer Plattform in Deutschland schon gehandelt. 

SpaceX unterscheidet sich in fast jeder Kategorie von einem normalen Börsengang: Nie war die Gesamtbewertung höher: 1,77 Billionen Dollar. Nie wurde so viel Geld bei einer Neuemission eingesammelt: mindestens 75 Milliarden Dollar. Und nie hat es ein Börsenneuling gewagt, statt einer Preispanne einfach einen fixen Preis zu nennen; nach dem Motto „friss oder lass es“.

Normalerweise wird der Ausgabepreis auf Basis der Nachfrage während des Bookbuildings erst am Vorabend der Erstnotiz von den Konsortialbanken festgelegt. Nicht so bei SpaceX: CEO und Großaktionär Elon Musk hat den Preis schlicht vorgegeben: 135 US-Dollar je Aktie. Wer investieren will, nimmt diesen Preis – oder lässt es sein. „Elon hat den Preis diktiert, und wenn die Anleger mitspielen, kann man diesen Punkt abhaken", sagte Lise Buyer, Gründerin der Börsengangberatung Class V Group, dem US-Börsensender CNBC. „Aber irgendjemand muss trotzdem noch bestimmen, an wen die Aktien gehen." Allein darum wird es am Donnerstag noch gehen. Denn SpaceX hat am Mittwochabend die Bücher zum Zeichnen von Aktien (Bookbuilding) geschlossen.

Historische Bewertung abseits jeder schlüssigen Mathematik

Das überrascht etwas, denn die institutionellen Investoren zeigten sich nicht gerade euphorisch über die hohe Bewertung: Zum fast 100-fachen Umsatz ging zuvor noch nie ein Unternehmen an die Börse. SpaceX erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 18,7 Milliarden US-Dollar, bei einem operativen Verlust von 4,2 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Unter den neun derzeit börsennotierten Billionen-Dollar-Unternehmen ist Micron mit einem Jahresumsatz von 58 Milliarden US-Dollar das umsatzschwächste – und damit immer noch mehr als dreimal so umsatzstark wie SpaceX. „Die Anleger sitzen nicht zu Hause und rechnen", sagte Buyer. „Es gibt schlicht keine Mathematik, die irgendeinen Sinn ergibt."

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Zeitplan wird vorgezogen

Weil der Preis bereits feststeht, kann SpaceX den Prozess der Aktienzuteilung deutlich früher beginnen als bei herkömmlichen Börsengängen. Entsprechend plante das Unternehmen, die Orderbücher bereits am Mittwoch zu schließen – einen Tag früher als üblich. Der gesamte Donnerstag soll dann ausschließlich für die Zuteilung der Aktien genutzt werden, bevor der Handel am Freitag beginnt. Der Umfang der Aufgabe ist enorm: Rund 75 Milliarden US-Dollar an Aktien müssen auf Emissionsbanken, Vermögensverwalter und deren Kunden verteilt werden.

Dreißig Prozent für Privatanleger geplant

Eine der auffälligsten Besonderheiten des SpaceX-Börsengangs ist die geplante Beteiligung von Privatanlegern. Laut Prospekt sollen rund 30 Prozent der angebotenen Aktien an Privatanleger vergeben werden. Das entspräche einem Volumen von rund 22,5 Milliarden US-Dollar. Auch in Deutschland konnten sich Anleger bei zahlreichen Brokern und Direktbanken zur Zeichnung anmelden. Allerdings galt für sie eine sehr breite Spanne von 135 bis 162 US-Dollar, was Sorgen aufwarf, europäische Anleger könnten zu hohe Preise bezahlen und übervorteilt werden.

Bei einem typischen Börsengang erhalten Privatanleger laut Fidelity lediglich fünf bis zehn Prozent der angebotenen Aktien. Die tatsächliche Privatanleger-Quote steht jedoch erst fest, wenn das Orderbuch geschlossen ist.

Außerbörslicher Handel schlägt Kapriolen

Welche Blüten der Hype um SpaceX unter Privatanlegern treibt, zeigt ein Blick auf den außerbörslichen Handel: Auf der Blockchain-Plattform Hyperliquid können seit Tagen Anwartschaften auf SpaceX-Aktien gehandelt werden. Dort stellten sich zuletzt Kurse von 158 Dollar ein, was auf einen Zeichnungsgewinn von 17 Prozent für Anleger der ersten Stunde hindeuten würde, die die Aktie zu 135 Dollar zugeteilt bekommen.

In Deutschland startete der Broker Lang & Schwarz am Mittwochnachmittag überraschend ebenfalls einen außerbörslichen Handel. So einen „Handel per Erscheinen“ hatte es schon vor mehr als 25 Jahren bei Emissionen am Neuen Markt gegeben. Damals dienten die Kurse dort oft als gute Indikation auf die mögliche Erstnotiz, bei SpaceX scheint der Mechanismus jedoch nicht zu wirken.

Kurz nach 17 Uhr deutscher Zeit zeigte das Tableau bei Lang & Schwarz einen Kurs von 181 Euro. Das wären 208,80 US-Dollar, fast 55 Prozent über dem geplanten Ausgabepreis in den USA und immer noch 29 Prozent über dem oberen Ende der in Deutschland angegebenen Spanne (162 Dollar). Binnen einer Stunde fiel der Kurs jedoch auf 155 Euro ab, zum Handelsende um 23 Uhr stand er dann bei 164,75 Euro. Das war immer noch viel zu hoch, denn Hyperliquid kam zum selben Zeitpunkt auf 163,93 – allerdings Dollar. Das entspricht nur 142,10 Euro.

Einordnung für Anleger

Die Beispiele zeigen: Es wird womöglich Zeichnungsgewinne geben. Aber wer auf eine Verdopplung des SpaceX-Kurses am ersten Handelstag hofft, dürfte enttäuscht werden.

SpaceX betritt mit seinem IPO Neuland; sowohl was die Größe des Börsengangs betrifft als auch seine Mechanik. Der feste Ausgabepreis schafft Klarheit, bedeutet aber auch ein Risiko: Wer Aktien zeichnet, akzeptiert eine Bewertung, die auf Zukunftshoffnungen basiert, nicht auf heutigen Erträgen. Für Kunden von deutschen Brokern besteht zudem weiterhin die Gefahr, dass Aktien am oberen Ende der Spanne bei 162 Dollar zugeteilt werden und damit sehr viel teurer als in den USA. Ob die geplante Privatanlegerbeteiligung von 30 Prozent die Aktie stabilisiert oder vielmehr zu stärkeren Schwankungen führt, wird sich zeigen. Angeblich war SpaceX schon am Dienstagabend vierfach überzeichnet. Ob dahinter wirklich institutionelle Investoren oder eher Privatanleger stehen, ist bisher unklar. 

Erst am Freitag wird sich zeigen, wie breit das Interesse der Profis an SpaceX wirklich ist. Und deutsche Anleger müssen hoffen, dass ihnen die Aktie rechtzeitig zum Börsenstart zugeteilt werden.

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Häufige Fragen zum Thema

Was macht SpaceX?

SpaceX (Space Exploration Technologies Corporation) ist ein von Milliardär Elon Musk gegründetes US-amerikanisches Raumfahrt-, Telekommunikations- und KI-Unternehmen. SpaceX ist vor allem für die US-Raumfahrt wichtig und führt Aufträge für die NASA durch. Der größte Teil des Konzernumsatzes entfällt allerdings auf die Satellitentochter Starlink. Außerdem gehört xAI, ein großer Anbieter von KI-Modellen, zu SpaceX


Mit welchen Zahlen rechnet SpaceX bei seinem IPO?

Laut Börsenprospekt wird ein Ausgabepreis von 135 Dollar je Aktie angepeilt. Durch den Verkauf von rund 555,6 Millionen Aktien soll ein Erlös von etwa 75 Milliarden US-Dollar erzielt werden. Das Unternehmen würde damit mit einer Gesamt-Bewertung von rund 1,75 Billionen US-Dollar an die Börse gehen.


Wie viel Umsatz macht SpaceX?

Space X verzeichnete im vergangenen Jahr einen operativen Verlust von 4,94 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 18,67 Milliarden Dollar.