GTA VI bestimmt den Kurs des Spieleentwicklers. Stand heute ist: Das Spiel kommt im November. Anleger sind noch zurückhaltend. Mit dem Discounter und dem Discount-Call reicht auch ein kleiner Kursanstieg für zweistellige Gewinne.
Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 27. Mai in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 23/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.
Bescheidenheit zählt nicht zu den Charaktereigenschaften von Take-Two-Chef Strauss Zelnick. „Wenn es einen großen Erfolg auf dem Markt gibt —Sie wissen, was das bewirkt: Es belebt die Verbraucher im Unterhaltungsmarkt, und sie konsumieren mehr“, sagte Zelnick während der jüngsten Telefonkonferenz des Unternehmens zu den Ergebnissen des abgelaufenen Quartals. „Wenn wir das Glück haben, ein solches Jahr zu erleben, wie wir es erwarten, wird das der gesamten Branche zugutekommen.“ Er erwartet, dass Take Two diesen Impuls in diesem Jahr setzen kann. Seit Jahren warten die Gamer auf den Nachfolger von Grand Theft Auto V (2013). Am 19. November und damit pünktlich zum Weihnachtsgeschäft soll GTA VI schließlich starten.
Nach eigenen Angaben wurde GTA V knapp 230 Millionen Mal verkauft. Damit zählt das Action Adventure Game rund um das kriminelle Duo Lucia Caminos und Jason Duval zu den meistverkauften Videospielen der Welt. Analysten von DFC Intelligence und Berichte der „Financial Times“ prognostizieren, dass das Spiel bereits vor dem eigentlichen Launch-Tag allein durch Vorbestellungen die Eine-Milliarde-Dollar-Marke durchbrechen wird. Zum Vergleich: Der Vorgänger GTA V brauchte damals drei Tage für die Umsatzmilliarde.
Bei der Vorlage der Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2025/26 zeigte sich der Spieleentwickler bei den Prognosen für das laufende Geschäftsjahr 2026/27 noch zurückhaltend. Demnach wird ein Rekordumsatz von acht bis 8,2 Milliarden US-Dollar und damit ein Sprung von rund 20 Prozent erwartet. Laut CFO Lainie Goldstein wird die GTA-Reihe allein rund 36 Prozent dieser gesamten Bucheinnahmen ausmachen.
Es geht auch ohne GTA VI
Erwartungen der Wall-Street-Analysten liegen rund eine Milliarde US-Dollar über der Konzernprognose. Das jüngste Zahlenwerk zeigte, dass trotz Verschiebung von GTA VI ein Umsatzplus gelang. Neben GTA zählt das Western-Game Red Dead Redemption zu den stärksten Titeln, die unter dem Label Rockstar Games erscheinen. Die neueste digitale Version dieses Spiels kam Anfang Dezember auf den Markt. Die physische Stand-alone-Version für die Playstation ist in Europa seit Mai auf dem Markt. Beim zweiten Take-Two-Label, 2K, wurden das jährlich erscheinende NBA-Spiel sowie die Spiele Borderlands und Mafia erneut millionenfach verkauft. Die Social-Gaming- und Mobil-Tochter Zynga verbuchte im zurückliegenden Geschäftsjahr in über 175 Ländern über zehn Milliarden Downloads. Die Buchungen erreichten den höchsten Stand seit der Übernahme.
Größter Wachstumstreiber bei Take Two ist jedoch nicht der Spieleverkauf, sondern das sogenannten„Recurrent Consumer Spending“. Es steuerte zuletzt 78 Prozent zu den Gesamterlösen bei und macht bereits 65 Prozent des für das laufende Geschäftsjahr erwarteten Erlöses aus. Dieser Bereich umfasst unter anderem Abonnements, In-Gaming-Verkäufe, beispielsweise für Zusatzleben oder Beschleunigungen, sowie virtuelle Währungen.
Für das laufende Geschäftsjahr sind neben GTA VI und NBA unter anderem neue Versionen von PGA Tour und WWE geplant, die sich zuletzt ebenfalls millionenfach verkauften. Das angepeilte Umsatzplus von 20 Prozent dürfte somit deutlich übersprungen werden, wenn GTA VI im November auf den Markt kommt.
Derweil investiert der Spieleentwickler Milliarden in die Entwicklung neuer Spiele. Judas und Project Ethos zählen zu den größten Hoffnungsträgern, die mittelfristig hohe Erlöse einspielen könnten. Ihr Marktstart könnte im Geschäftsjahr 2028 oder 2029 erfolgen. In der Vergangenheit setzte der Konzern immer wieder auf Zukäufe. Im Rahmen des Analysten-Calls zu den Geschäftszahlen nannte Zelnick Zukäufe als eine mögliche Option bei einem erfolgreichen Marktstart von GTA VI. Im Blickpunkt dürften Entwicklerstudios mit aussichtsreichen Spielen sein. Möglicherweise haben die neuen Eigentümer von Electronic Arts Interesse, Spiele(-Pakete) abzugeben, um die Milliardenübernahme zu finanzieren. Nach Angaben von Bloomberg ist ein Großteil der Analysten mittelfristig zuversichtlich für die Aktie gestimmt. Der Zielkurs liegt im Schnitt bei 280 US-Dollar.
Abschlag sorgt für Hebeleffekt
Alternativ zum Direkteinstieg bieten sich für risikoscheue und risikofreudige Anleger interessante Derivate an. Das Discount-Zertifikat ist mit einem Cap bei 245 US-Dollar und einer Laufzeit bis Mitte Dezember dieses Jahres ausgestattet. Bei diesem Wertpapier können Anleger bei einer Aufwärtsbewegung der Aktie nur bis 245 US-Dollar partizipieren. Im Gegenzug erhalten Anleger das Discount-Zertifikat mit einem Abschlag von 10,5 Prozent zum aktuellen Aktienkurs. Steigt die Aktie bis zum Laufzeitende um knapp acht Prozent auf 245 US-Dollar, erhalten Anleger dieses Cap-Level umgerechnet in Euro ausbezahlt. Bei einem Wechselkurs von 1,16 US-Dollar sind das 211,21 Euro und damit eine Renditechance von 20,3 Prozent.
Der Discount-Call-Optionsschein notiert ebenfalls mit einem Abschlag. In diesem Fall gegenüber einem klassischen Optionsschein. Das Papier ist mit einem Basispreis bei 230 US-Dollar und einem Cap bei 255 US-Dollar ausgestattet. Der Basispreis liegt leicht oberhalb des aktuellen Aktienkurses von 227 US-Dollar und damit aus dem Geld. Solange die Aktie die 200-Tage-Linie verteidigt, besteht die Chance auf einen Rebound zum Maihoch von 246 US-Dollar und im weiteren Verlauf in Richtung des Jahreshochs von 260 US-Dollar. Es reicht somit ein vermeintlich kleiner Kursanstieg von 12,3 Prozent auf 255 US-Dollar bis Mitte September, um mit dem Discount-Call-Optionsschein eine Rendite von 139,5 Prozent zu erzielen. Allerdings ist der Spread bei diesen Scheinen recht hoch. Es empfiehlt sich ein enges Kauflimit zu setzen.
Fazit
Am 19. November soll GTA VI kommen. Einige Anleger zweifeln. Beim Discounter und dem Discount-Call reicht ein Kursanstieg um bis zu 12,3 Prozent, um hohe Gewinne einzuspielen.