Mit „GTA VI“ steht nach jahrelangen Verzögerungen der bislang größte Release der Branchengeschichte bevor. Die Hintergründe des Hypes und bei welchen Aktien sich der Einstieg lohnt.
Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 30. September in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 41/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.
Der erste Trailer zum anstehenden Release des Open-World-Spiels Grand Theft Auto VI, kurz GTA, zeigt eindrucksvoll, welche popkulturelle Strahlkraft die Videospiele-Reihe besitzt. Der in der Vorschau gespielte Song „Love Is A Long Road“ von Tom Petty verzeichnete innerhalb von einer Woche nach Release des 26-minütigen Clips ein Wachstum der Streaming-Zahlen von knapp 37.000 Prozent.
GTA als Rückenwind für die Take-Two-Aktie
Keine TV-Show und kein Film schafften es in jüngerer Zeit, zu so einem Phänomen zu werden. Der Trailer, der aktuell über 296 Millionen Aufrufe auf Youtube verzeichnet, ist der meist aufgerufene für ein Videospiel überhaupt. „GTA VI“ soll nach zwei Verschiebungen am 19. November für Playstation und Xbox erscheinen. Das erste für die Öffentlichkeit bestimmte Gameplay des sechsten Teils der GTA-Reihe zeigte der Publisher Take-Two, zu dem der für die GTA-Reihe verantwortliche Entwickler Rockstar Games gehört, nicht etwa auf der zeitgleich stattfindenden Gamescom, sondern exklusiv auf Netflix, bevor das Material später auch auf Youtube veröffentlicht wurde.
Einerseits dürfte das Take-Two zusätzliche Einnahmen beschert haben, andererseits ist es ein Beleg für den enormen Bekanntheitsgrad des Spiels. Es ist so bekannt, dass es gar nicht erst auf der größten Messe für Videospiele präsentiert werden muss. Der fünfte Teil von GTA kommt bislang auf über 230 Millionen verkaufte Exemplare. Die gesamte Reihe verkaufte sich bisher über 475 Millionen Mal und ist damit die erfolgreichste Videospiele-Reihe im Bereich Konsolen- und PC-Spiele.
Die beiden bisher veröffentlichten Trailer und das gezeigte Gameplay zeigen eine immersive, dynamische und große Open World. Das Setting — der fiktive Bundesstaat Leonida mit der an Miami angelehnten Stadt Vice City, Everglades-ähnlichen Gebieten und Inselarchipel — wirkt abwechslungsreich und bleibt dem Kern der GTA-Formel treu. Technisch und grafisch bewegt sich das Spiel auf sehr hohem Niveau. Bisherige Analysen heben hervor, dass GTA VI seine Spielwelt stärker auf das Verhalten des Spielers reagieren lässt. Die größere, dichter belebte Spielwelt soll so nicht bloß Kulisse sein, sondern Raum für spontane Situationen und unterschiedliche Herangehensweisen für Missionen bieten.
Ich kann sagen, dass die Anzahl der Vorbestellungen beispiellos und überwältigend ist.
Im Zentrum steht zudem die Beziehung zwischen den beiden Hauptcharakteren Jason und Lucia. Die beiden lassen sich offenbar sowohl gemeinsam als auch getrennt spielen. Seit dem 25. Juni kann das Open-World-Spiel vorbestellt werden. Eine genaue Anzahl der Preorders ist aktuell noch nicht bekannt, Take-Two-Chef Strauss Zelnick sprach jedoch davon, dass die Vorbestellungen außergewöhnlich hoch seien und dass es so etwas weder bei Take-Two noch in der gesamten Branche je gegeben habe.
Laut einer Analyse des Marktforschungsunternehmens Sensor Tower entfielen bislang 89 Prozent der erfassten Vorbestellungen auf die teurere Ultimate Edition, die neben dem Hauptspiel zusätzliche Fahrzeuge, Waffen, Kleidung, Geschäfte und Aktivitäten enthält. In Deutschland kostet die Standard Edition 79,99 Euro, die Ultimate Edition 99,99 Euro. Eine wichtige Rolle wird voraussichtlich wieder der Onlinemodus spielen, indem Spieler zusammen spielen können, wie auch schon bei GTA V Online. Der Onlinemodus für GTA VI ist bisher zwar offiziell nicht bestätigt, es ist aber stark davon auszugehen, dass er kommen wird, schließlich erzielte Take-Two zuletzt 84 Prozent seines Umsatzes mit wiederkehrenden Einnahmen aus laufender Nutzung, etwa für virtuelle Währung, Zusatzinhalte und In-Game-Käufe wie Waffen, Fahrzeuge, Kleidung und Immobilien, die sowohl Statussymbole innerhalb des Onlinemodus sind als auch teilweise reale Vorteile beim Spielen bringen. Denkbar ist auch, dass der neue GTA Onlinemodus separat als Free-to-Play erscheint, um so die Reichweite maximal zu vergrößern. Das könnte eine sinnvolle Strategie sein, was Spiele wie Fortnite oder Counter-Strike eindrucksvoll bewiesen haben.
Auch wenn GTA V mittlerweile über 13 Jahre alt ist, gehört es aktuell immer noch zu den kommerziell erfolgreichsten Spielen. Laut einer Auswertung des Marktforschungsunternehmens Newzoo war es im Zeitraum Januar bis Juni dieses Jahres das zweiterfolgreichste Konsolenspiel im Genre Adventure. Auf Platz 1 liegt auf Basis der Vorbestellungen bereits GTA VI. Analysten gehen aktuell von rund 40 Millionen verkauften Exemplaren im laufenden Geschäftsjahr aus, das bis März 2027 geht. Der operative Gewinn (Ebit), soll laut Konsens von 1,1 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2026 auf 1,75 Milliarden Dollar für 2027 und 2,46 Milliarden Dollar für 2028 steigen. Auch wenn GTA VI enorm wichtig für Take-Two ist, ist es bei Weitem nicht die einzige Videospiele-Reihe des Publishers.
Abseits von GTA VI verfügt der Konzern über etablierte Reihen wie Red Dead Redemption, BioShock, Mafia, Borderlands, NBA 2K, WWE 2K, Civilization sowie zwei neue Spiele, die sich derzeit in Entwicklung befinden: Judas soll ein storyorientierter Einzelspieler-Ego-Shooter werden, während Project Ethos als Third-Person-Action-Shooter angelegt ist; ein Veröffentlichungstermin ist noch nicht bekannt.
Neuer DLC für The Witcher 3
Auch beim polnischen Entwickler CD Projekt stehen wichtige Releases an. Der 2015 erschienene dritte Teil von „The Witcher“ bekommt überraschenderweise mit „Songs of the Past“ über elf Jahre nach dem Release eine Erweiterung (engl. Downloadable Content, DLC) spendiert, die kommendes Jahr erscheinen soll. Der vierte Teil der Witcher-Reihe soll 2028 veröffentlicht werden, ein konkretes Datum steht noch nicht fest. Mit dem für nächstes Jahr geplanten Release des DLCs sowie dem am 29. September anstehenden Release einer Remastered Version von The Witcher 3 soll die Aufmerksamkeit für das Franchise hochgehalten und zusätzlicher Umsatz erzielt werden.
Die Reihe ist das wichtigste Asset von CD Projekt. Insgesamt hat sie sich mehr als 90 Millionen Mal verkauft; allein The Witcher 3: Wild Hunt kommt auf über 65 Millionen Exemplare.
Cyberpunk 2077 hatte 2020 einen schwierigen Start, ist inzwischen aber ebenfalls zu einem Umsatzträger geworden: Bis zur ersten Jahreshälfte 2026 überschritten die Verkäufe 40 Millionen Exemplare. Die Erweiterung Phantom Liberty kam auf 15 Millionen Verkäufe. Neben The Witcher 4 arbeitet CD Projekt an Cyberpunk 2, das sich noch in der Vorproduktion befindet und keinen Veröffentlichungstermin hat. Zum 31. Juli 2026 arbeiteten 519 Entwickler an The Witcher 4 und 184 an Cyberpunk 2. Zudem baut das Unternehmen unter dem Projektnamen Hadar eine neue Marke; laut Management befindet sie sich noch in einer frühen Konzeptphase und soll ein Rollenspiel werden. Daneben hat CD Projekt zwei weitere neue Spiele, ein Remake des ersten Witcher-Teils sowie ein Multiplayer-Spiel im Witcher-Universum in der Entwicklungsphase. CD Projekt erzielte im ersten Halbjahr 2026 rund 100 Millionen Euro Umsatz, ein Plus von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Nettogewinn stieg um 37 Prozent auf etwa 57 Millionen Euro.
Unterschiedliche Erlösmodelle
Der Entwickler Remedy Entertainment hat mit dem Release von „Control Resonant“ einen wichtigen Meilenstein erreicht. Der Nachfolger von „Control“ erschien am 24. September. Das Action-Rollenspiel führt in eine surreale Version Manhattans, in der der Protagonist Dylan Faden gegen übernatürliche Kräfte kämpft.
Das Geschäftsmodell des finnischen Studios verbindet Auftragsentwicklung, Partnerschaften und eigene Veröffentlichungen. Bei Auftragsarbeiten wie dem Max Payne-Remake finanziert ein externes Unternehmen große Teile der Entwicklung; Remedy erhält dafür Zahlungen und später möglicherweise Lizenzgebühren. Beim Self-Publishing übernimmt Remedy mehr Verantwortung für Finanzierung und Vermarktung, kann dafür aber einen größeren Anteil der Verkaufserlöse behalten. Das Risiko ist höher, weil Entwicklung und Werbung bezahlt werden müssen, bevor sich der Erfolg an der Kasse zeigt. Control Resonant liegt zwischen diesen Modellen. Remedy veröffentlicht das Spiel selbst, während der Publisher Annapurna an Finanzierung und Produktion beteiligt ist. Laut Annahmen von Analysten werden die Einnahmen zunächst geteilt, bis das Produktionsbudget zurückverdient ist. Die genauen Vertragsbedingungen sind nicht öffentlich. Remedy entwickelt vor allem storybasierte Action- und Abenteuerspiele mit übernatürlichen Themen, etwa Control und Alan Wake.
Zur weiteren Pipeline gehören das von Take-Two beauftragte Max Payne-Remake und ein noch unangekündigtes Projekt. Analysten vermuten dahinter Alan Wake 3, Remedy hat dies jedoch bisher nicht offiziell bestätigt. Gute Verkaufszahlen von Control Resonant könnten die Finanzierung kommender Spiele erleichtern; ein schwacher Start würde Remedy belasten. Seit der Empfehlung in Ausgabe 14/2026 ist die Aktie des finnischen Entwicklers rund 64 Prozent gestiegen und hat ihr Kursziel erreicht. Angesichts des deutlichen Kursanstiegs halten wir eine Teilgewinnmitnahme für sinnvoll, sind jedoch grundsätzlich weiter optimistisch für steigende Kurse, wir passen Ziel- und Stoppkurs an.
Fazit
Take-Two bleibt der aussichtsreichste Wert unter den drei Videospiele-Entwicklern. GTA VI dürfte am 19. November nicht nur zu einem Umsatz- und Gewinnsprung führen, sondern über den Onlinemodus langfristig Einnahmen generieren. Der hohe Anteil der teureren Ultimate Edition an den Vorbestellungen unterstreicht die Zahlungsbereitschaft der Kunden. CD Projekt profitiert ebenfalls von seiner vollen Pipeline und starken Franchises. Remedy bleibt ein spekulativer Kauf.