Spitzenbanker im Visier der deutschen Justiz
· Börse Online Redaktion
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DEUTSCHE BANK
Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen, der als Präsident auch dem Bundesverband deutscher Banken (BdB) vorsitzt, ist gleich in zweierlei Hinsicht ins Visier der Justiz geraten: In Frankfurt ermittelt die Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit dem Betrug mit CO2-Verschmutzungsrechten gegen den Spitzenmanager wegen schwerer Steuerhinterziehung. Und in München stehen Fitschen und frühere Spitzenmanager der Deutschen Bank unter Anklage, weil sie im Schadenersatzverfahren um die Pleite der Kirch -Mediengruppe versucht haben sollen, das Gericht zu täuschen. Hier wird eine Entscheidung, ob es zu einem Prozess kommt, im nächsten Jahr erwartet.
BAYERNLB
Im Zusammenhang mit dem Kauf der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria verurteilt das Landgericht München den früheren Chef der Landesbank, Werner Schmidt, zu einer Bewährungsstrafe. Schmidt hatte gestanden, den mittlerweile gestorbenen Kärntner Regierungschef Jörg Haider mit Sponsoringgeldern für einen Fußballclub bestochen zu haben. Damit habe er Haider für den Verkauf der Landesanteile an der Hypo gewonnen, stellte das Gericht fest. Keine Belege sah die Strafkammer dagegen für den Vorwurf, Schmidt und weitere ehemalige BayernLB-Vorstände hätten die Hypo überteuert gekauft und damit Geld veruntreut. Die Ex-Vorstände sehen sich noch in einem Zivilprozess mit Schadenersatzforderungen der BayernLB konfrontiert.
HYPO REAL ESTATE
Die vom Staat gerettete Hypo Real Estate (HRE) und ihr ehemaliger Chef Georg Funke sehen sich in München vor Gericht milliardenschweren Schadenersatzforderungen früherer Aktionäre ausgesetzt, die sich von der Bank in der Finanzkrise getäuscht fühlen. Außerdem hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Funke und sieben weitere Ex-Vorstände erhoben, weil sie Anleger hinters Licht geführt haben sollen. Über eine Zulassung der Anklage hat das Landgericht München noch nicht entschieden. In Deutschland war die Immobilienbank der prominenteste Fall der internationalen Finanzkrise.
LBBW
Der Strafprozess gegen den ehemaligen Vorstand der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) wegen angeblicher Bilanzfälschung wurde gegen eine Geldauflage eingestellt. Auf der Anklagebank saßen Ex-LBBW-Chef Siegfried Jaschinski und acht andere Angeklagte. Die Staatsanwaltschaft hatte ihnen vorgeworfen, die prekäre Lage der größten deutschen Landesbank vor ihrer Beinahe-Pleite 2009 verschleiert zu haben. Zwei Gutachter entkräfteten die Vorwürfe vor Gericht jedoch weitgehend.
IKB
Der Ex-Chef der mit zehn Milliarden Euro Staatshilfe geretteten Mittelstandsbank IKB, Stefan Ortseifen, wurde 2010 zu einer Bewährungsstrafe wegen Marktmanipulation verurteilt.
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