Star-Investor Ray Dalio sieht wachsenden Druck auf die Aktienmärkte. Er warnt, dass steigende Anleiherenditen und sinkende freie Cashflows den bisherigen Puffer bald aufzehren könnten.

Ray Dalio ist für seine wiederholten Warnungen vor Rezessionen, Schulden- und Finanzkrisen bekannt. Seine jüngste Einschätzung liefert Anlegern dennoch wichtige Hinweise auf mögliche Börsenrisiken. Dalio warnt, dass die Aktienmärkte zunehmend an Unterstützung verlieren könnten, wenn die Renditen von Staatsanleihen weiter steigen.

In einem Gespräch mit dem US-Sender CNBC erklärte der Gründer des Hedgefonds Bridgewater Associates, Aktien hätten die höheren Zinsen bislang vergleichsweise gut verkraftet. Der Grund: Das Gewinnwachstum der Unternehmen habe weiterhin für attraktive erwartete Renditen gesorgt. Dadurch seien Aktien trotz steigender Anleiherenditen für viele Investoren interessant geblieben

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Dalio warnt: Gewinnwachstum reicht möglicherweise nicht mehr aus

Nach Einschätzung Dalios verändert sich dieses Kräfteverhältnis jedoch. Steigende Aktienkurse und höhere Anleiherenditen hätten den relativen Renditevorteil von Aktien verringert. Damit werde der Spielraum kleiner, in dem die Börsen steigende Finanzierungskosten verkraften können.

„Wenn dieser Puffer kleiner wird, kommt man in eine spätere Phase des Zyklus“, sagte Dalio laut CNBC. Erste Anzeichen dafür seien bereits an den Kreditmärkten zu erkennen: Die Spreads begännen sich auszuweiten.

Für die Aktienmärkte ist das deshalb relevant, weil Anleihen bei steigenden Renditen zunehmend attraktiv werden. Investoren erhalten dann höhere laufende Erträge, ohne das volle Risiko von Aktien eingehen zu müssen. Gleichzeitig verteuern höhere Zinsen die Finanzierung für Unternehmen und können die Bewertungen an der Börse unter Druck setzen.

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Dalio nimmt den freien Cashflow ins Visier

Besonders kritisch beurteilt der Investor die Entwicklung der freien Cashflows. Anleger sollten sich nicht allein auf die ausgewiesenen Gewinne konzentrieren, sondern darauf achten, wie viel Liquidität Unternehmen tatsächlich erwirtschaften.

Unternehmen könnten zwar steigende Gewinne melden, gleichzeitig aber hohe Beträge investieren, ohne kurzfristig entsprechende Mittelzuflüsse zu erzielen. Dadurch könne sich die Liquiditätssituation verschlechtern. Dalios Erwartung: Während die Gewinne weiter zulegen könnten, dürften die freien Cashflows zurückgehen.

Das wäre ein Warnsignal für die Börse. Denn sinkende freie Cashflows schränken unter anderem die Möglichkeiten für Aktienrückkäufe, Dividenden und Schuldentilgung ein. Zudem können sie darauf hindeuten, dass ein Teil des Gewinnwachstums mit hohen Investitionsausgaben erkauft wird.

Infront S&P 500 (WKN: A0AET0)

„Bärenmarkt bei Anleihen“ noch nicht beendet

Auch für den Anleihemarkt sieht Dalio keine schnelle Entspannung: Staaten müssten wegen hoher Haushaltsdefizite umfangreich neue Schulden aufnehmen. Gleichzeitig benötigten Unternehmen Kapital, unter anderem für Investitionen in künstliche Intelligenz und andere Zukunftstechnologien.

Damit konkurrierten Staaten und Unternehmen um die verfügbaren Mittel. Diese Entwicklung könne den Druck auf die Anleiherenditen weiter erhöhen. „Wir befinden uns in einem Bärenmarkt für Anleihen – das ist ziemlich klar, und ich denke, da kommt noch mehr”, sagte er CNBC.

Steigende Renditen könnten schließlich die Kreditvergabe und den Konsum bremsen. Bis dieser Effekt die Konjunktur und die Unternehmensgewinne deutlich belastet, sei es nach Dalios Einschätzung allerdings noch nicht zwingend so weit. Die Finanzierungsbedingungen seien bislang nicht restriktiv genug, um Kreditaufnahme und Ausgaben spürbar abzuwürgen.

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Keine Crash-Prognose - Was Anleger wissen müssen

Trotz seiner Warnungen sagte Dalio laut CNBC keinen unmittelbar bevorstehenden Einbruch der Aktienmärkte voraus. Auch einen kurzfristigen Rückgang der Unternehmensgewinne stellte er nicht in Aussicht.

Seine Botschaft an Anleger ist eher, vorsichtig zu sein. Das Gewinnwachstum könne die Aktienkurse derzeit noch stützen. Doch wenn die Renditen weiter steigen und gleichzeitig die freien Cashflows zurückgehen, verliere dieser Schutz an Wirkung.

Bleibt das Gewinnwachstum dagegen robust und stabilisieren sich die Anleiherenditen, könnte der Aktienmarkt den Gegenwind weiterhin verkraften. Verschärfen sich aber wiederum die Finanzierungsbedingungen, dürften hoch bewertete und stark fremdfinanzierte Unternehmen besonders anfällig sein.

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Häufige Fragen

Wer ist Ray Dalio?

Ray Dalio ist ein US-amerikanischer Investor und Gründer des Hedgefonds Bridgewater Associates. Er gilt als Experte für globale Wirtschafts- und Schuldenzyklen und ist Autor des Bestsellers „Principles“. Bekannt ist Dalio außerdem für seine Analysen zu Zinsen, Inflation, Staatsverschuldung und Finanzkrisen.

Vor was warnt Ray Dalio aktuell?

Ray Dalio warnt, dass Aktien an Unterstützung verlieren könnten, wenn die Renditen von Anleihen weiter steigen. Das bisherige Gewinnwachstum der Unternehmen reiche möglicherweise nicht mehr aus, um höhere Finanzierungskosten dauerhaft auszugleichen.

Warum sind die freien Cashflows für Anleger wichtig?

Der freie Cashflow zeigt, wie viel Liquidität einem Unternehmen nach seinen Investitionen tatsächlich zur Verfügung steht. Nach Einschätzung Dalios könnten die Gewinne weiter steigen, während die freien Cashflows zurückgehen. Das würde den finanziellen Spielraum für Investitionen, Dividenden, Aktienrückkäufe und Schuldentilgung einschränken.

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