Der „Big Short“-Investor Michael Burry hat die Unterlagen zum geplanten Börsengang von Anthropic auseinandergenommen. Er warnt vor negativen Folgen für die gesamte KI-Branche.

Star-Investor Michael Burry, der mit seiner Wette gegen den US-Immobilienmarkt vor der Finanzkrise bekannt wurde, hat die Börsenunterlagen (S-1) des KI-Unternehmens Anthropic gelesen. Der Claude-Entwickler hat diese am Montag bei der Aufsicht eingereicht und will wohl noch dieses Jahr an die Börse. Doch Burry warnt: Die Unterlagen zeigten, dass die Branche „katastrophal verwundbar“ sei, schrieb er in einem aktuellen Substack-Beitrag.

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537 Milliarden Dollar für Rechenleistung

Vor allem stört sich Burry an den Verpflichtungen des KI-Konzerns. Anthropic hat Verträge über den Einkauf von Rechenkapazität im Umfang von rund 537 Milliarden Dollar geschlossen, unter anderem bei Amazon, Alphabet und Microsoft. Hinzu kommen vorläufige Vereinbarungen im Wert von weiteren Hunderten Milliarden Dollar, etwa mit SpaceXAI. Burry kommt auf eine Gesamtsumme, die etwa das Zwölffache des laufenden Jahresumsatzes ausmacht. Laut seiner Rechnung liegt dieser bei rund 65 Milliarden Dollar.

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Anthropic: Wachstum bricht ein, Kosten steigen

Auch die Entwicklung von Umsatz und Kosten stellt Burry in Frage. Laut seiner Auswertung verlangsamte sich das Umsatzwachstum von 144 Prozent auf 46 Prozent im Quartalsvergleich. Gleichzeitig stiegen die Rechenkosten um rund 78 Prozent. Burry weist allerdings darauf hin, dass die Daten im S-1 überwiegend bis zum 30. Juni reichen und die Entwicklung im Entwicklerökosystem seither nicht vollständig abbilden. Seine Gesamteinschätzung ändere das nicht.

Zudem verweist Burry auf einen Rückgang des sogenannten „Tokenmaxxing“, also der gezielten Maximierung des KI-Verbrauchs, der zuletzt wegen der Kosten an Beliebtheit verloren habe. Seiner Ansicht nach fehlt dieser Aspekt im Prospekt. 

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Tokens werden zur Massenware

Ein weiterer Warnpunkt betrifft den Wettbewerb. Ein Abonnent schrieb in Burrys Chat, dass Big-Tech-Konzerne von Anthropics Modellen auf eigene umsteigen und Tokens rasch zur Massenware werden. Burry antwortete: „Ja, das höre ich auch.“ Effizientere Modelle könnten zudem den Bedarf an Rechenleistung dämpfen und die Preise unter Druck setzen.

KI-Boom: Burry kritisiert zirkuläre Geschäfte

Sein nächster Kritikpunkt sind die verflochtenen Finanzierungsstrukturen der KI-Branche und ihrer Teilnehmer. Amazon und Alphabet sind gleichzeitig Investoren, Rechenkapazitätslieferanten und Vertriebspartner von Anthropic. Microsoft ist ein weiterer zentraler Infrastrukturpartner. Die Vereinbarungen bezeichnete Burry als „dreist“.

Diese Verflechtung wirke in Boomphasen zwar wie ein Sicherheitsnetz, so Burry. Aber „bei der geringsten Wachstumsverlangsamung oder einem Marktrückgang“ mache es die Unternehmen „katastrophal verwundbar“.

Mehr als ein Anthropic-Problem

Burry geht es nicht nur um Anthropic als Börsenkandidaten. Er kritisiert eine Branche, die massiv auf Kredit investiert. Chips und Rechenzentren würden zu einem großen Teil mit Schulden finanziert, was sie anfällig für steigende Zinsen mache. Seit dem Herbst hat er seinen Zeitplan für einen KI-Abschwung nach eigenen Angaben vorgezogen und reine Leerverkaufspositionen durch Put-Optionen ersetzt.

Auf X schrieb Burry, der Wert von Anthropic könnte 78 profitable S&P-500-Unternehmen kaufen, darunter Domino's, Clorox und lululemon. In einem früheren Post meinte er zudem: „Für das Wohl der Menschheit sollten die Märkte kräftig einbrechen und die Börsengänge von OpenAI und Anthropic verhindern.“

Was die Kritik von Burry bedeutet

Seine Einschätzung ist aber nicht unumstritten. Burry ist ein antizyklischer Investor und hat schon häufiger vor einer Korrektur gewarnt. Eine Auswertung der Handelsplattform Trading Alpha kommt zu dem Ergebnis, dass nur drei von zwölf bärischen Einschätzungen Burrys seit 2009 mit tatsächlichen Kursrückgängen zusammenfielen. Die Methodik ist nicht öffentlich dokumentiert. Eine Auswertung von 13F-Daten sieht Burrys Put-Positionen der letzten zwei Jahre dagegen überwiegend richtig.

Immerhin bündelt Burry in seinem Beitrag Risiken der KI-Branche, die Anleger seit Monaten diskutieren: hohe Investitionen auf Pump, verflochtene Großkundenbeziehungen und Zweifel an der Monetarisierung. Der Anthropic-Börsengang könnte nun durchaus die nächste Prüfung der KI-Branche werden.

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Häufige Fragen

Wer ist Michael Burry? 

Michael Burry ist ein US-Investor, der mit seiner Wette gegen den US-Immobilienmarkt vor der Finanzkrise berühmt wurde. Die Geschichte erzählen das Buch und der Film „The Big Short“. Nach dem Ende seines Hedgefonds schreibt er seit dem vergangenen Winter auf Substack über seine persönlichen Investments. Ein wiederkehrendes Thema ist seine Skepsis gegenüber dem KI-Boom.

Was ist ein S-1 und warum ist es wichtig? 

Das S-1 ist der Registrierungsantrag, mit dem ein Unternehmen bei der US-Börsenaufsicht SEC einen Börsengang vorbereitet. Es enthält Finanzdaten, Geschäftsrisiken und wichtige Verträge. Anleger können so Angaben wie Umsätze, Verpflichtungen und Verflechtungen prüfen, bevor sie kaufen.

Wann soll Anthropic an die Börse gehen? 

Laut Berichten ist der Börsengang noch für 2026 geplant. Reuters zufolge dürfte er nach den US-Zwischenwahlen im November stattfinden. Ein fester Termin ist bisher nicht bestätigt, und die Zahl der angebotenen Aktien steht noch nicht fest.

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