Der Empfang ist symbolträchtig, aber gelingt den USA und China wirklich der große Durchbruch? Das Treffen von US-Präsident Donald Trump mit dem chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping am Donnerstag kann die Kurse bewegen, wenn …
Für die Märkte geht es vor allem um die Frage, ob der Streit um die Zölle, der nur vorläufig beigelegt wurde, in eine belastbare, verlässliche Vereinbarung gegossen werden kann. Denn am 10. November läuft ein wesentlicher Teil der im vergangenen Jahr vereinbarten Zoll- und Exportkontrollpause aus.
Viele Experten sehen das Treffen als „strategische Pattsituation“: „Xi braucht in Washington keinen Durchbruch. Er braucht mehr Zeit – und dasselbe gilt für Washington“, kommentierte das ZDF.
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1. Wird die Handelsruhe verlängert – und wie lange?
Die wichtigste Entscheidung im Zollstreit ist die Laufzeit. Washington hat die Aussetzung zusätzlicher Gegenzölle bis zum 10. November 2026 festgeschrieben, eine weitere Ausgestaltung der Vereinbarung steht nach Aussagen des Weißen Hauses „zur Disposition“.
Peking strebt eine möglichst lange Verlängerung an, um Ruhe zu haben. Trump dagegen wird sein Lieblings-Druckmittel ungern aus der Hand geben. Das spräche für eine eher kurze Verlängerung, aber die würde die Eskalation lediglich vertagen. Die Börse wünscht sich dagegen eine lange Laufzeit, idealerweise mit klaren Kontrollmechanismen. Das würde die Risikoprämie für exportabhängige Unternehmen, insbesondere in Deutschland, senken. Besonders zyklische Industrie-, Logistik- und Konsumtitel dürften darauf positiv reagieren.
2. Werden die Zölle gesenkt?
Laut US-Medienberichten bringt Trump einen Köder mit: Im Gespräch sind Zollentlastungen über rund 30 Milliarden Dollar auf nichtstrategische Waren auf jeder Seite. Laut Barron’s könnte der effektive US-Zollsatz auf die betroffenen chinesischen Waren von etwa 35 auf rund 20 Prozent sinken. Der Schritt würde die Margen von US-Einzelhändlern und importabhängigen Konsumgüterherstellern direkt entlasten.
Ob die Börse darauf allerdings sichtbar reagiert, wird davon abhängen, welche Produkte genau betroffen sind. Werden vor allem Konsumgüter erfasst, profitieren Händler in den USA und chinesische Produzenten. Zugleich könnten Anbieter aus Südostasien, der Türkei und Südamerika Marktanteile verlieren, wenn ihre bisherigen Wettbewerbsvorteile bei den US-Importen gegenüber China schrumpfen.
3. Liefert China wieder verlässlich Seltene Erden?
Seltene Erden sind einer der härtesten Streitpunkte zwischen den beiden Großmächten. Die USA brauchen sie für Elektroautos, Elektronik, Verteidigungssysteme und Komponenten der KI-Infrastruktur. China hatte als Antwort auf Trumps Zölle Exportbeschränkungen erlassen, diese dann aber teilweise wieder ausgesetzt. Dennoch bleiben Genehmigungen und Liefermengen für die Industrie in den westlichen Industriestaaten unberechenbar. CNBC zufolge sanken die chinesischen Ausfuhren von Seltene-Erden-Magneten in die USA im August auf 512 Tonnen, das waren 20 Prozent weniger als im Juli und 13 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Finden Trump und Xi für das Problem eine Lösung, würden Auto- und Rüstungsunternehmen sowie Hersteller von Elektronik profitieren – womöglich nicht nur in den USA. Bleibt die Unsicherheit bestehen, dürften Investitionen in alternative Lieferketten, Recycling und westliche Förderprojekte zunehmen – allerdings zu höheren Kosten.
4. Kauft China Sojabohnen, Flugzeuge und Energie?
Kaufzusagen sind etwas, was Donald Trump besonders gerne öffentlich ausschlachtet. Sie sind sichtbar und für die Börse vergleichsweise leicht zu messen. Im Raum stehen zusätzliche Käufe Chinas von US-Agrarprodukten, Energie und Boeing-Flugzeugen. CNBC berichtet, China habe fast die Hälfte einer jährlichen Zusage von 25 Millionen Tonnen Sojabohnen abgenommen. Zudem sei die Bestellung von 140 Boeing-Flugzeugen „auf einem guten Weg“, Trump würde lieber 200 präsentieren.
Entscheidend ist jedoch, ob es sich um verbindliche Bestellungen handelt oder um politische Absichtserklärungen. Gerade bei Boeing dürfte die Börse deshalb genau auf einzelne Airline-Aufträge sowie Triebwerks- und Ersatzteilzusagen achten, und nicht nur auf eine große Zahl im Abschlusskommuniqué.
5. Gibt es Bewegung bei den KI-Chips?
Die technologische Konkurrenz ist der strategische Kern des Konflikts. Auf der Agenda stehen Gespräche über KI-Sicherheit, Exportkontrollen für Computerchips und den Zugang zu kritischen Technologien.
Eine Vereinbarung über bessere Krisenkommunikation oder KI-Sicherheitsdialoge würde die Börse als positives Signal für Technologiewerte auffassen. Eine umfassende Lockerung der US-Chipbeschränkungen würde ein Kursfeuerwerk auslösen, ist aber politisch kaum zu erwarten.
6. Was passiert mit Taiwan?
Das vielleicht brisanteste Thema ist Taiwan: China lehnt neue US-Waffenlieferungen ab, Trump hat über ein geplantes Paket im Wert von rund 14 Milliarden Dollar bislang keine endgültige Entscheidung getroffen. Eine neue, schärfere Formulierung zur Taiwan-Frage könnte den gesamten Entspannungseffekt des Gipfels überlagern. Das chinesische Außenministerium bezeichnet Taiwan als „„das wichtigste Thema in den chinesisch-amerikanischen Beziehungen“.
Der China-Kenner Jörg Wuttke glaubt übrigens, dass Taiwan von seinem "Silicon Shield" geschützt wird. Was er damit meint, lesen Sie hier.
Fazit: Mehr Stabilität wäre bereits der Erfolg
Die Börse wartet nicht auf einen historischen Freundschaftsvertrag. Sie wartet auf sechs belastbare Signale: eine Verlängerung der Handelsruhe, konkrete Zollsenkungen, verlässliche Rohstofflieferungen, messbare Kaufzusagen und eine Begrenzung des Technologie- und Taiwan-Risikos. Schon ein kleiner Deal könnte die Märkte kurzfristig beruhigen. Und nicht auszudenken, was passiert, wenn sich Trump auch noch zu einer gemeinsamen Linie gegenüber dem Iran durchringen könnten. Aber auch das ist eher unwahrscheinlich.
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Häufige Fragen zum Thema
Wann und wo trifft Donald Trump Xi Jinping?
US-Präsident Donald Trump trifft Xi Jinping am Donnerstag deutscher Zeit im Weißen Haus in Washington. Der chinesische Staats- und Parteichef reist bereits am Mittwochabend an.
Warum ist das Gipfeltreffen so wichtig?
Trump und Xi müssen einige Probleme aus dem Weg räumen. Das vielleicht drängendste ist die Zollpause, die auf Seiten der USA am 11. November abläuft. Danach würden die USA China wieder mit prohibitiv hohen Strafzöllen belegen, und China diese mit Gegenzöllen beantworten - sofern keine geeiensame Lösung gefunden wird.
Was sind weitere wichtige Themen des Treffens?
China hat ein Interesse daran, dass die USA ihre Exportkontrollen für KI-Technologie weiter lockern. Außerdem geht es um den Krieg der USA mit dem Iran, in dem China eine Vermittlerrolle spielen könnte, und die Sicherheit von Taiwan.