Ein bedeutender Teil des S&P 500 entfällt inzwischen auf KI-nahe Branchen. Welche Risiken Anleger dabei übersehen – und welcher ETF das Depot breiter aufstellt und sogar den S&P 500 schlägt.
„Nicht alle Eier in einen Korb legen!“ Für viele Anleger ist genau diese alte Börsenweisheit der Grund, warum sie in ETFs investieren. Doch im S&P 500 liegen mittlerweile viele dieser Eier im selben Korb – genauer gesagt im KI-Korb –, wie Marktanalyst Mike Zaccardi am Samstag auf X anhand von Daten von J.P. Morgan Asset Management zeigte.
Demnach machen „KI-bezogene“ Sektoren mittlerweile 50,8 Prozent der Marktkapitalisierung des amerikanischen Leitindex aus. Davon entfallen 17,2 Prozent auf Hyperscaler, 17,3 Prozent auf Halbleiter, 10,6 Prozent auf Hardware, 2,4 Prozent auf Energie sowie 9,3 Prozent auf Software.
Hinweis: Die Summe der einzelnen Gewichte ergibt mehr als 50,8 Prozent, weil einige Unternehmen mehreren Sektoren zugeordnet wurden.
Doch wie kritisch ist die Abhängigkeit vom KI-Sektor wirklich? Und wie sollten Anleger ihr Depot nun aufstellen?
Ist die Abhängigkeit wirklich so dramatisch?
Die 50,8 Prozent von J.P. Morgan beziehen sich auf „KI-bezogene“ Unternehmen. Dazu zählen jedoch auch Firmen, die zwar vom KI-Boom profitieren, daneben aber noch ein starkes Kerngeschäft besitzen. Beispiele dafür sind Energieaktien, aber auch einige Hyperscaler wie Amazon, Google, Microsoft und Meta. Auch Softwareaktien sind mitnichten vollständig von KI abhängig.
Ganz davon abgesehen haben die KI-bezogenen Unternehmen ihr hohes Gewicht im S&P 500 nicht in erster Linie wegen ausufernder Bewertungen erreicht, sondern aufgrund stark steigender Gewinne. BlackRock erwartet für den S&P-500-Technologiesektor 2026 beispielsweise ein Gewinnwachstum von rund 38 Prozent. Dieser Sektor soll damit für rund 63 Prozent des gesamten Gewinnwachstums im S&P 500 verantwortlich sein.
Aber egal, ob die tatsächliche KI-Abhängigkeit des S&P 500 nun einige Prozentpunkte höher oder niedriger liegt: Die damit verbundenen Risiken sollten Anleger auf dem Schirm haben und nicht einfach ignorieren. So könnte ein Crash bei KI-Aktien auch den gesamten S&P 500 mit nach unten ziehen. Nicht nur wegen der hohen Gewichtung, sondern auch, weil Korrekturen in diesem Bereich oftmals deutlich heftiger ausfallen als in konservativeren Sektoren. Genauso wenig sollten Anleger nun jedoch in Panik verfallen und ihr gesamtes Depot unüberlegt über den Haufen werfen.
Eine gute Faustregel lautet: Wenn Ihnen diese hohe KI-Abhängigkeit nachts den Schlaf raubt, sollten Sie vielleicht darüber nachdenken, einen Teil Ihres Depots in konservativere Bereiche umzuschichten.
Diese Alternativen gibt es zum S&P 500
Falls Sie an eine weiterhin gute Entwicklung des US-Aktienmarktes glauben, aber dennoch nicht zu abhängig vom KI-Boom sein wollen, könnte ein ETF auf den gleichgewichteten S&P 500 das Richtige für Sie sein. Im „normalen“ S&P 500 werden die Unternehmen nach Marktkapitalisierung gewichtet, weshalb die großen KI-Profiteure aufgrund ihrer starken Kursentwicklung mittlerweile ein enormes Gewicht besitzen. Im gleichgewichteten S&P 500 werden die Unternehmen dagegen grundsätzlich gleich gewichtet.
Zudem sind Dividenden-ETFs eine interessante Möglichkeit, sowohl die KI-Abhängigkeit zu reduzieren als auch regelmäßige Ausschüttungen zu erhalten. Im VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders UCITS ETF sind beispielsweise vor allem Aktien aus den Bereichen Finanzen, Energie, Gesundheitswesen und anderen eher konservativen Branchen enthalten. Der Performance hat das offenbar nicht geschadet: Auf Fünfjahressicht liegt der ETF rund 138 Prozent im Plus und damit sogar vor dem S&P 500.
Fazit
Auch wenn die hohe Gewichtung der KI-bezogenen Unternehmen im S&P 500 in erster Linie auf einer starken Gewinnentwicklung basiert, sollten Anleger trotzdem ein kritisches Auge darauf werfen. Für Anleger, die dieses Risiko etwas reduzieren wollen, könnte es sinnvoll sein, Teile des Portfolios in einen gleichgewichteten S&P 500 oder einen Dividenden-ETF umzuschichten.
Häufig gestellte Fragen:
Warum ist der S&P 500 so stark von KI abhängig?
Weil große Technologie- und Halbleiterkonzerne durch stark steigende Gewinne und Kurse inzwischen ein sehr hohes Gewicht im Index haben.
Wie können Anleger die KI-Abhängigkeit reduzieren?
Eine Möglichkeit sind gleichgewichtete S&P-500-ETFs, Dividenden-ETFs oder ETFs mit Fokus auf defensivere Branchen.
Müssen Anleger wegen der hohen KI-Gewichtung den S&P 500 meiden?
Nein. Die hohe Gewichtung ist auch Folge starken Gewinnwachstums. Wer das Klumpenrisiko reduzieren möchte, kann aber einen Teil des Depots breiter diversifizieren.