Die Kursrally beim Biotech-Pionier Moderna stellt diese Woche an der Börse alles in den Schatten. Plötzlich waren KI-Aktien weniger gefragt – und da gibt es einen ungewöhnlichen Zusammenhang.

Die Aktie von Moderna lieferte am Mittwoch mindestens die Börsenstory der Woche, vielleicht sogar des Jahres: Um 177 Prozent schoss die Aktie des Biotech-Unternehmens am Mittwoch in die Höhe, nachdem Moderna den erfolgreichen Abschluss einer Phase-3-Studie für seinen personalisierten Impfstoff gegen eine aggressive Form von schwarzem Hautkrebs gemeldet hatte. Auch die Aktie des Pharma-Partners Merck & Co. sprang an.

Moderna Inc (WKN: A2N9D9)

Hohe Leerverkaufsquote

Doch der eigentliche Paukenschlag war an der Börse nicht der Forschungserfolg selbst. Dass die Moderna-Aktie so steil in die Höhe schoss, lag auch daran, dass die Meldung reihenweise Shortseller in Bedrängnis brachte. Vor der Meldung waren rund 14 Prozent der Moderna-Aktien leerverkauft.

So zwang der Kursanstieg Hedgefonds zum schnellen Eindecken mit Moderna-Aktien, um ihre Risikopositionen zu decken. Das US-Finanzmagazin „Barron's“ fand noch einen anderen Zusammenhang, der bislang übersehen wurde: Der Moderna-Schock traf im Hedgefonds-Lager zudem auf die heiß gelaufenen KI- und Chip-Wetten an der Börse. So wurde das Biotech-Ereignis plötzlich zum Belastungstest für das gesamte Momentum-Lager.

Wenn Shorts brennen, fällt anderswo das Licht aus

Die Nachricht über die positiven Daten von Intismeran Autogene, einem personalisierten Krebsimpfstoff, der sich womöglich auch auf andere Tumorarten zuschneiden lässt, war der Auslöser. Aber eigentlich hatte der Markt diese Fantasie längst eingepreist. Der Moderna-Kurs hatte sich 2026 bereits verdoppelt, weil Investoren auf einen Durchbruch im Onkologiegeschäft setzten. Die jüngsten Daten wirkten dann wie der lang erwartete Beweis, der die Moderna-Anleger von jeglichen Zweifeln befreite.

Die eigentliche Dynamik sei aber erst danach entstanden, schreibt "Barron's". Demnach saßen Shortseller plötzlich auf Buchverlusten von rund 5,5 Milliarden US-Dollar. Bei einer Short-Interest-Rate von 13,7 Prozent des Streubesitzes war Moderna ohnehin ein extrem enger Wert. Als die Aktie davonlief, mussten viele Positionen hektisch zurückgekauft werden.

Und genau das hatte Folgen über die Biotech-Ecke hinaus. Wenn Shortseller unter Druck geraten, müssen sie Kapital freimachen. Dann müssen oft ausgerechnet die besten und populärsten Long-Positionen verkauft werden – also die Titel, die in den Portfolios am stärksten gelaufen sind.

Dieses Mal traf es vor allem AI-, Infrastruktur- und Momentum-Aktien.

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KI-Aktien im Abwärtsog

Was bisher als sichere Gewinnerstory galt, wurde zur schnellen Finanzierungsquelle zur Deckung der Verluste und Margin Calls auf der Short-Seite. Das erklärt, warum am Mittwoch plötzlich auch Chip- und KI-Aktien ins Wanken gerieten.

Zusätzlich bewegte am selben Tag eine große Nachricht den Halbleitersektor: Marvell Technology meldete eine erweiterte Partnerschaft mit Google bei Tensor-Chips und sprang daraufhin nach oben, während der bisher einzige Google-Partner Broadcom unter Druck geriet. Weil Broadcom ein Schwergewicht im PHLX Semiconductor Index ist, zog es damit den gesamten Sektor mit nach unten. Für die Momentum-Anleger war das Gift.

So löste eine Kursrally im Biotech-Sektor eine Schock im Chipmarkt aus und danach eine Kettenreaktion quer durch den Markt – darauf muss man erst einmal kommen.

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Warnsignal für die Börse

Das zeigt einmal mehr, wie anfällig ein Markt wird, wenn zu viele beliebte Trades gleichzeitig auf derselben Seite stehen; und das auch noch gehebelt. Dann reicht ein einzelner Ausreißer, um ein ganzes Geflecht von Positionen durcheinanderzuwirbeln.

Die Folge war am Donnerstag sichtbar: Nach der Euphorie kam es zu Gewinnmitnahmen, Moderna gab einen Teil seiner spektakulären Gewinne wieder ab. Das ist normal, ändert aber nichts an den überzeugenden Ergebnissen der Studie.

Die Marktrotation, die die Moderna-Rally auslöste, ist womöglich noch nicht zu Ende. Einige Momentum-Lieblinge erholten sich auch am Donnerstag noch nicht. Denn ihre Investoren haben bei der Kettenreaktion vermutlich Geld verloren, das sie nun nicht sofort wieder einsetzen können.

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Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Moderna Inc.

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