Die Nvidia-Aktie legte zuletzt deutlich zu, in der Jahresperformance hinkt das Papier aber anderen Mag-7-Werten noch hinterher. Womöglich bietet das Anlegern eine interessante Kaufchance.
Nvidia ist der unangefochtene Platzhirsch im KI-Boom. Ohne die Chips und GPUs des Chipriesen geht in den KI-Rechenzentren fast nichts. Aber ist das nicht längst alles eingepreist? Ist das auch der Grund, warum sich die Aktie im Jahr 2026 zeitweise kaum von der Stelle bewegte?
Alles falsch, sagt jetzt die Bank of America. Sie kommt in einer aktuellen Basis einer Sum-of-Parts-Analyse zu dem Schluss, dass Nvidia trotz aller Risiken rund um den KI-Hype mit einem Abschlag von 34 bis 50 Prozent zum Markt notiert.
Das klingt zunächst paradox. Schließlich ist Nvidia mit einem Börsenwert von 5,26 Billionen Dollar aktuell schon wieder der wertvollste Konzern der Welt und beileibe kein Schnäppchen. Zudem hat der Chipriese angefangen, das KI-Ökosystem um ihn herum mit immer neuen Beteiligungen und Finanzspritzen selbst zu füttern, was bei Kritikern Fragen um die Nachhaltigkeit und Finanzierbarkeit der KI-Ausbaupläne aufwirft.
Sind Nvidias Finanz-Beteiligungen Chance oder Risiko?
BofA-Analyst Vivek Arya räumt ein, dass Nvidia inzwischen rund 300 Milliarden US-Dollar an Kapital für Partner zugesagt habe. Davon entfallen laut Bank etwa 70 Milliarden US-Dollar auf Beteiligungen und 230 Milliarden US-Dollar auf Restwertgarantien oder sogenannte Backstops, das sind quasi Garantien für im Bau befindliche Rechenzentren.
Nvidia will damit nach eigenen Angaben die Versorgung mit Chips, Strom, Flächen und Infrastruktur absichern. Gleichzeitig macht sich der Konzern so unabhängiger von den großen Hyperscalern, die zunehmend eigene Chips entwickeln. Aus Sicht von Nvidia ist das klug. Manche Anleger fragen sich aber, wie lange die KI-Nachfrage noch hoch und die Auslastung knapp bleibt.
Bewertungsabschlag erreicht bis zu 50 Prozent
Die BofA glaubt, dass der Markt die eingegangenen Verpflichtungen zu stark einpreist und dabei den strategischen Wert der Ökosystembindung übersieht. Analyst Arya hält die Story dagegen für überzeugend. Deshalb ermittelt er für die Aktie einen Bewertungsabschlag von 34 bis 50 Prozent. Für Anleger sei das eine „verlockende Gelegenheit“.
Doch auch Arya sichert sein Votum mit einer Einschränkung ab: Sollte die Nachfrage nach KI-Leistung abkühlen, könnten sowohl das Wachstum als auch die Bilanz unter Druck geraten. Das sollte Anleger aufhorchen lassen. Denn je mehr Nvidia zum Finanzierer seiner eigenen Expansion wird, desto stärker verschwimmt die Grenze zwischen operativem Geschäft und finanziellem Risiko.
Tipp: Einen Überblick über die vier spannendsten Nvidia-Investments, die auch für Anleger einen Blick wert sind, gibt unser Aktienreport "Nvidias geheime Aktien-Wetten". Der Report erschien schon Anfang Juli, die darin enthaltenen Aktien bieten aber immer noch interssante Kurschancen.
Hier gleich den Aktienreport lesen
Beteiligungen an SpaceX und Intel
Denn Nvidia bewegt sich mit seinen Partnerschaften mittlerweile weit über das klassische Chipgeschäft hinaus. Der Konzern ist Beteiligungen an SpaceX und Intel eingegangen und investiert selbst in ein Rechenzentrum in Ohio, das später an OpenAI vermietet werden soll. Nvidia baut also nicht mehr nur die Werkzeuge für den KI-Boom – sondern den Maschinenraum gleich mit.
Wenn die KI-Fantasie aber irgendwann an Tempo verliert, sind auch die ganzen Backstops und Garantien keine Gratiszugabe mehr. Dann würden sie Nvidia echtes Geld kosten.
Das atemberaubende Kursziel der BofA
Die Sum-of-the-Parts-Analyse der Bank of America zeigt, dass Nvidia noch lange nicht am Ende seines Wachstums angelangt sein könnte. Die zentrale Frage ist, ob die gewaltigen finanziellen Zusagen auch einen dauerhaft hohen Cashflow für Nvidia selbst auslösen können. Die BofA glaubt daran und setzt ein Kursziel von 350 US-Dollar, es liegt damit 60 Prozent über dem Schlusskurs vom Mittwoch. Die 218 US-Dollar, zu denen Nvidia derzeit notiert, wären demnach nur ein Zwischenschritt.
Häufige Fragen zum Thema
Warum reagieren Anleger nach Nvidias Zahlen inzwischen oft zurückhaltend?
Weil die Erwartungen an die Zahlen in der Regel bereits sehr hoch sind. Selbst starke Quartalszahlen reichen oft nicht mehr aus, um den Kurs deutlich zu beflügeln.
Was macht Nvidia im KI-Boom so wichtig?
Nvidia dominiert den GPU-Markt, und genau diese Chips sind zentral für das Training von KI-Modellen. Das verschafft dem Unternehmen eine Schlüsselrolle in der KI-Infrastruktur.
Wie hoch sind die Risiken bei einer Investition in die Nvidia-Aktie?
Nvidia ist trotz der starken Marktstellung nicht risikofrei. Die Aktie ist hoch bewertet, sodass schon kleine Enttäuschungen bei Umsatz, Gewinn oder Ausblick zu deutlichen Kursverlusten führen können. Dazu kommen Risiken durch Wettbewerb, Exportbeschränkungen, Abhängigkeit von Großkunden und mögliche Verzögerungen beim Ausbau der KI-Infrastruktur
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia.