Der Yen fällt auf den niedrigsten Stand seit 40 Jahren – diese Dynamik birgt für die globalen Finanzmärkte ein unkalkulierbares Risiko.
Der japanische Yen ist diese Woche gegenüber dem US-Dollar auf den niedrigsten Stand seit 1986 gefallen – und damit auf ein 40-Jahres-Tief. Hauptursache ist die anhaltend hohe Zinsdifferenz zwischen Japan und den USA.
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Yen auf 40-Jahres-Tief: Zinsdifferenz zu USA wird zum Problem
Die Bank of Japan hatte ihren Leitzins zwar am 16. Juni auf ein Prozent angehoben – den höchsten Stand seit 1995 –, doch die Wirkung verpuffte. Händler gehen davon aus, dass die US-Notenbank Federal Reserve ihren restriktiven Kurs beibehält, womit der Zinsvorteil des Dollars strukturell erhalten bleibt.
Devisenhändler Andrew Hazlett von Monex warnte, eine direkte Marktintervention rücke näher, sollte sich der Kurs nicht rasch stabilisieren. Stützungsmaßnahmen der japanischen Regierung haben den Kursverfall bislang jedoch nur vorübergehend gebremst. Finanzministerin Satsuki Katayama betonte, die Behörden seien jederzeit bereit, angemessen zu handeln. Doch eine solche Intervention würde das Grundproblem allenfalls überdecken: Solange die Zinsdifferenz zu den USA fortbesteht, bleibt der Abwertungsdruck ungebrochen.
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Für Japan selbst ist die Lage bereits spürbar: Ein schwacher Yen verteuert Rohstoffimporte erheblich – und trifft damit Verbraucher wie Unternehmen gleichermaßen.
Schwacher Yen: Droht ein Carry-Trade-Crash?
Doch der schwache Yen könnte auch weit über Japan hinaus Folgen haben. Denn ein niedriger Yen macht sogenannte Carry-Trades attraktiver: Investoren leihen sich dabei zu günstigen japanischen Konditionen Kapital und investieren es, beispielsweise in den USA, in höher verzinste Vermögenswerte – etwa Aktien, Anleihen oder Kryptowährungen. So lassen sich relativ einfach gute Renditen erzielen.
Carry-Trades haben sich über die Jahre zu einer mächtigen Säule der globalen Finanzwelt entwickelt. Je nach Schätzung beläuft sich das aktive Volumen auf bis zu 800 Milliarden US-Dollar.
Zum Problem werden Carry-Trades, wenn sich die Richtung plötzlich umkehrt. Käme es etwa zu deutlicheren Zinserhöhungen der Bank of Japan als erwartet, könnten zahlreiche Carry-Trade-Positionen gleichzeitig aufgelöst werden – mit einer globalen Kettenreaktion an den Finanzmärkten.
Weltweit hohe Kursverluste: Erinnerungen an den schwarzen Montag am 5. August 2024
Das zeigte sich schon einmal am 5. August 2024. An diesem Tag stürzten weltweit führende Indizes um zweistellige Prozentwerte ab. Denn nachdem die Bank of Japan die Märkte mit einer Leitzinserhöhung um 25 Basispunkte überraschte, wurden massenhaft Carry-Trades aufgelöst.
Die darauffolgende Deleveraging-Welle ließ den Nikkei um rund zwölf Prozent abstürzen – und riss die Märkte in Europa und Amerika mit nach unten. Der Dow Jones Industrial Average, der S&P 500 und der Nasdaq Composite erlitten allesamt erhebliche Verluste.
Ein ähnlicher Absturz scheint derzeit nicht unmittelbar bevorzustehen – doch die Spannung ist spürbar: Experten warnen, dass der Yen dabei ist, in einen kritischen Bereich zu rutschen.
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Was macht die Bank of Japan angesichts des schwachen Yens?
Die Bank of Japan hatte Mitte Juni ihren Leitzins auf den höchsten Stand seit 1995 angehoben (1 Prozent) und weitere Erhöhungen in Aussicht gestellt.
Was sind Carry Trades und warum sind sie gerade riskant?
Bei einem Carry Trade leihen sich Investoren Kapital in einer Niedrigzinswährung – wie dem japanischen Yen – und investieren es in höher verzinste Anlagen wie Aktien, Anleihen oder Kryptowährungen. Das ist solange profitabel, wie der Wechselkurs stabil bleibt. Steigt der Yen plötzlich oder hebt die Bank of Japan die Zinsen unerwartet an, müssen Positionen schnell aufgelöst werden – was Kettenreaktionen an den globalen Märkten auslösen kann.
Könnten sich Verluste wie am 5. August 2024 wiederholen?
Damals löste eine überraschende Zinserhöhung der Bank of Japan eine massive Auflösung von Carry Trades aus, der Nikkei stürzte um zwölf Prozent ab, auch Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq erlitten erhebliche Verluste. Experten schließen eine Wiederholung nicht aus – zumal der Yen erneut in einen kritischen Kursbereich zu rutschen droht.
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