Für deutsche Anleger bleibt die Lage an den US-Börsen ein wichtiger Gradmesser. Dort gibt es aber ein Warnsignal: Ein historischer Bewertungsindikator hat inzwischen fast ein Niveau erreicht, das es in 155 Jahren Marktgeschichte so noch nie gegeben hat.

Die Wall Street hat in den vergangenen 17 Jahren vor allem eine Richtung verfolgt: nach oben. Abgesehen vom Corona-Crash 2020 und dem Bärenmarkt 2022 trieben Bullenmärkte die großen Indizes immer wieder auf neue Rekorde.

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Das gab es noch nie: Shiller-KGV auf Rekordkurs

Ein wichtiger Treiber des Erfolgs war neben der Euphorie rund um künstliche Intelligenz auch der Rekord bei Aktienrückkäufen der S&P-500-Unternehmen im Jahr 2025. Allerdings könnte dieser Trend nun gefährdet sein: Der US-Aktienmarkt steht kurz davor, bei der Bewertung etwas zu erreichen, das in 155 Jahren historischer Daten noch nie zu beobachten war.

Maßstab dafür ist das Shiller-KGV des S&P 500, auch zyklisch bereinigtes KGV oder CAPE-Ratio (Cyclically Adjusted Price-to-Earnings Ratio) genannt. Anders als das klassische Kurs-Gewinn-Verhältnis basiert es auf dem inflationsbereinigten Gewinn je Aktie der vergangenen zehn Jahre. Damit ist es besser geeignet, um einen Langzeitvergleich zu ziehen. Historisch lag der Durchschnitt seit 1871 bei etwa 17,4. Anfang Juni erreichte das CAPE-Ratio jedoch 42,84. Damit ist es auf dem besten Weg, das Rekordhoch von 44,19 zu erreichen, das während der Dotcom-Blase Anfang der 2000er-Jahre erreicht wurde.

Obwohl es kein direkter Crash-Indikator ist, sollten Anleger die Historie im Blick behalten. Immer wenn das Shiller-KGV über 30 stieg, folgten in der Vergangenheit deutliche Kursrückgänge. Das war unter anderem vor der Großen Depression, dem Platzen der Dotcom-Blase, dem Corona-Crash und dem Bärenmarkt 2022 der Fall.

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Trotzdem ist die Botschaft nicht nur negativ. Marktkorrekturen sind normal, auch wenn sie unangenehm sind. Für langfristig orientierte Anleger können Rücksetzer sogar gute Einstiegschancen darstellen. In einem Post auf X vom 30. Mai zeigen Daten der Bespoke Investment Group zudem, dass Bullenmärkte an der Wall Street im Schnitt deutlich länger anhalten als Bärenmärkte. Der durchschnittliche Bärenmarkt des S&P 500 endete nach 286 Kalendertagen, ein typischer Bullenmarkt hielt 1.023 Kalendertage.

Wer langfristig investiert, sollte hohe Bewertungen ernst nehmen, aber nicht in Panik verfallen. Das Signal spricht eher für Vorsicht als für Aktionismus. Kurzfristige Rückschläge sind bei solchen Bewertungen möglich, langfristig bleibt ein breit gestreutes Aktienengagement aber historisch der vernünftigere Ansatz. Entscheidend ist, dass das Depot diversifiziert ist. Wer etwa nur auf Tech-Werte setzt, könnte auch als langfristiger Anleger unter Rücksetzern oder einem Bärenmarkt leiden.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist das Shiller-KGV?

Das Shiller-KGV ist ein Bewertungsmaßstab für den Aktienmarkt. Es setzt den Kurs des S&P 500 ins Verhältnis zum durchschnittlichen inflationsbereinigten Gewinn je Aktie der vergangenen zehn Jahre.

Warum gilt das aktuelle Bewertungsniveau als auffällig?

Weil das CAPE-Ratio Anfang Juni auf 42,84 gestiegen ist und sich damit dem historischen Höchststand von 44,19 aus dem Jahr 1999 näherte.

Bedeutet ein hohes Shiller-KGV automatisch fallende Kurse?

Nein. Es zeigt aber, dass der Markt historisch teuer ist und Rückschläge wahrscheinlicher werden.