Der geplante Börsengang von Shein zeigt, wie stark die einstige Begeisterung für den Fast-Fashion-Discounter zusammengeschmolzen ist. Das Unternehmen peilt nur noch einen Bruchteil seiner früher kolportierten Mega-Bewertung an.

Shein will bei seinem Börsengang rund 1,5 Milliarden Euro einsammeln. Dafür sollen knapp 280 Millionen Aktien zu 47,60 bis 49,50 Hongkong-Dollar je Stück angeboten werden. Der endgültige Preis soll am 31. August feststehen, der Börsengang ist laut Mitteilung für den 1. September geplant.

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Weit weg von der alten Bewertung

Besonders aufschlussreich ist die Zielbewertung: Shein könnte nach eigenen Angaben auf eine Marktkapitalisierung von 210,2 Milliarden Hongkong-Dollar kommen, umgerechnet etwa 22,9 Milliarden Euro. Das klingt nach viel – es ist aber ist im Vergleich zur ursprünglich geplanten Größenordnung ein Absturz.

Noch im Jahr 2022 lag die Bewertung in privaten Finanzierungsrunden Berichten zufolge bei fast 100 Milliarden US-Dollar. Doch seitdem ist die Fantasie um den Konzern abgekühlt.

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Geschäft unter Druck

Shein ist zwar ein Schwergewicht im internationalen Onlinehandel. Das Unternehmen zählt nach eigenen Angaben 273 Millionen aktive Kunden in rund 160 Ländern. Doch das Geschäftsmodell steht unter wachsendem Druck.

Neue Zollregeln in den USA und Europa erschweren Shein mit neuen Zöllen, Kontrollen und verschärften Wettbewerbsregeln den Versand dorthin. Hinzu kommt die Kritik an der Produktqualität. Das macht die Verwundbarkeit des Modells sichtbar, das darauf basiert, Billigwaren aus Fernost zu europäischen und amerikanischen Kunden zu transportieren.

Verluste und Investitionsbedarf

Auch finanziell gibt es für Anleger wenig Anlass zur Euphorie. Ende Juli hatte Shein in einem ersten Börsenprospekt einen Verlust von 99 Millionen US-Dollar für das erste Quartal dieses Jahres veröffentlicht. Das Unternehmen will mit dem frischen Geld aus dem IPO unter anderem seine technologische Infrastruktur ausbauen und mehr in globale Vermarktung investieren.

Genau darin liegt der Knackpunkt: Shein drängt nicht als triumphaler Wachstums-Champion an die Börse, sondern der Konzern muss trotz Reichweite und Markenbekanntheit ständig viel Geld in Online- und Social-Media-Marketing investieren. Für Anleger ist das kein Zeichen von Stärke.

Fazit: Finger weg

Die Zahlen zum Börsengang von Shein zeigen damit auch, wie hart der Markt mittlerweile mit einstigen Hype-Geschichten ins Gericht geht.

Reichweite allein reicht auch bei E-Commerce-Modellen nicht mehr, wenn Regulierung, Margendruck und Investitionsbedarf steigen. Zeichnen oder gar kaufen muss man Shein zum IPO vor diesem Hintergrund nicht.