Die Aktie eines Anbieters von KI-Rechenzentren in Europa springt heuet deutlich nach oben. Grudn ist offenbar eine deftige Preiserhöhung für KI-Rechenleistung – die der ganzen Branche auf die Sprünge hilft.

Die Aktie eines niederländischen Cloud- und KI-Rechenzentrumsanbieters legt am Donnerstag zeitweise mehr als neun Prozent zu. Auslöser sind Berichte, dass die Firma ihre Preise für On-Demand-GPU-Ressourcen ab dem 1. Oktober deutlich erhöhen wird – offenbar aufgrund der großen Nachfrage. Grundlage soll eine Kundenmitteilung sein, die das Unternehmen zunächst nicht bestätigte.

Deftige Preiserhöhung für KI-Nutzung

Die Rede ist von Nebius. Das Unternehmen mit Sitz in Amsterdam gehörte einst zur Yandex-Gruppe, löste sich aber nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs komplett von seinen Plattformgeschäften in Russland und firmiert seitdem unter neuem Namen. Nebius verfolgt seitdem einen aggressiven Ausbauplan, um KI-Rechenleistung für europäische Unternehmen anbieten zu können – unabhängig von und in Konkurrenz zu den bekannten US-amerikanischen Hyperscalern.

Offenbar ist der Bedarf so groß, dass Nebius nun mit einer satten Preiserhöhung aufwartet: Berichten zufolge soll der Tarif für die Nutzung einer H100-GPU, hergestellt von Nvidia, von 3,85 auf 4,50 US-Dollar je Nutzerstunde steigen – eine Preiserhöhung um rund 17 Prozent. Für Nutzer der schnelleren H200-GPUs steigt der Preis um 20 Prozent auf 5,40 US-Dollar. Die Blackwell-Generation B200 verteuert sich um knapp 19 Prozent und kostet künftig 8,50 US-Dollar. Und für die neuesten B300-GPUs, die Teil der Vera-Rubin-Architektur von Nvidia sind, steigt der Preis für die Nutzung pro Stunde um rund 21 Prozent auf 9,50 US-Dollar.

Auch die Nutzung der EPYC-Genoa-CPUs von AMD und des Genoa-Speichers wird teurer. Wie stark die Kundenrechnungen im Einzelnen steigen, hängt von der Konfiguration und der Nutzung ab.

Nebius (WKN: A1JGSL)

Nachfrage enorm

Die Preiserhöhungen wecken an der Börse die Erwartung, dass es Nebius nun doch schneller als bisher gedacht gelingen könnte, seine Investitionen zu refinanzieren. Bisher rechnen Analysten mit einem Break-even nicht vor 2028. Zudem hat sich das Unternehmen hoch verschuldet.

Doch das Geschäft kommt nun sichtbar ins Laufen. Im zweiten Quartal schnellte der Umsatz von Nebius, das an der US-Technologiebörse Nasdaq gelistet ist und deshalb in Dollar bilanziert, um 454 Prozent auf 582,3 Millionen US-Dollar nach oben. Der Umsatz der KI-Cloud-Sparte legte sogar um 514 Prozent zu. Das bereinigte EBITDA drehte in die Gewinnzone und erreichte 236,2 Millionen US-Dollar.

Für 2026 bestätigte Nebius seine Umsatzprognose von 3 bis 3,4 Milliarden US-Dollar. Im Juli sicherte sich das Unternehmen zudem eine neue Fremdfinanzierung über rund 775 Millionen US-Dollar.

Anleger wittern Margenhebel

Wenn Kunden die höheren Tarife akzeptieren, könnte nicht nur Nebius seine GPU-Infrastruktur schneller amortisieren. Auch die Aktien der Konkurrenten Iren und CoreWeave legten am Donnerstag vorbörslich zu.

Sie möchten lieber in die ganz großen KI-Gewinner investieren?

Mit dem „Künstliche Intelligenz-Index“ von BÖRSE ONLINE investieren Sie gleichzeitig in 17 führende Treiber des KI-Booms. 

Hier mehr erfahren.

Häufige Fragen zum Thema

Was macht Nebius?

Die Nebius Group baut und betreibt eine spezialisierte Cloud-Infrastruktur für die globale KI-Branche. Die Rechenzentren befinden sich in Europa, was vielen europäischen Kunden wegen Bedenken bezüglich der Datensicherheit von US-Servern entgegenkommt. Das Kerngeschäft besteht in der Vermietung von leistungsstarken Grafikprozessoren (GPUs). Mit ihnen betreibt Nebius große KI-Rechenzentren und stellt dort Rechenleistung für KI-Modelle bereit. Die GPUs stammen überwiegend von Nvidia, das sich auch an Nebius beteiligt hat.

Wer sind die Kunden von Nebius?

Das Unternehmen hat Dienstleistungsverträge in Milliardenhöhe mit Meta und Microsoft abgeschlossen, die bislang für einen großen Teil der Kursfantasie an der Börse standen. Seit Kurzem ist Nebius auch ein offizieller strategischer Partner von Palantir. Nvidia hat sich mit zwei Milliarden Dollar an dem Unternehmen beteiligt.

Was löst heute den Kursanstieg bei Nebius aus?

Nebius will laut Medienberichten die Preise für seine KI-Rechenkapazitäten bereits zum 1. Oktober 2026 um bis zu 21 Prozent anheben. Offenbar ist die Nachfrage so groß, dass Nebius glaubt, diese Preise durchsetzen zu können. Damit würde der Umsatz ab sofort deutlich schneller steigen als von Analysten bislang prognostiziert.


Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor und der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, sind unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nebius.

Hinweis auf Interessenkonflikte:
Der Preis der Finanzinstrumente wird von einem Index als Basiswert abgeleitet. Die Börsenmedien AG hat diesen Index entwickelt und hält die Rechte hieran. Mit dem Emittenten der dargestellten Wertpapiere hat die Börsenmedien AG eine Kooperationsvereinba-rung geschlossen, wonach sie dem Emittenten eine Lizenz zur Verwendung des Index erteilt. Die Börsenmedien AG erhält insoweit von dem Emittenten Vergütungen.