US-Präsident Donald Trump droht dem Iran mit neuen, massiven Angriffen – und die Märkte reagieren mit heftigen Verlusten. Der Dow Jones schloss auf Tagestief, Chiptitel gerieten erneut unter Druck - und die Inflation übersteigt erstmals seit drei Jahren die Vier-Prozent-Marke.
Die US-Börsen haben am Mittwoch deutlich nachgegeben. Der Dow Jones Industrial Average verlor 953 Punkte oder 1,87 Prozent, der breite S&P 500 fiel um 1,6 Prozent, der technologielastige Nasdaq Composite um knapp zwei Prozent. Die Indizes rutschten in der Schlussstunde auf ihre Tagestiefs, nachdem Präsident Donald Trump ankündigte, den Iran „sehr hart" angreifen zu wollen. Per Kurznachricht schrieb er, der Iran habe „zu lange gebraucht, um einen Deal auszuhandeln, der großartig für sie gewesen wäre – jetzt müssen sie den Preis bezahlen."
Iran-Konflikt eskaliert wieder
Der unmittelbare Auslöser für den Kurssturz war eine neue Eskalationsstufe im Nahen Osten. US-Streitkräfte hatten am Dienstagabend Angriffe gegen den Iran geflogen – als Reaktion auf den Abschuss eines US-Kampfhubschraubers vom Typ Apache über der Straße von Hormus, dem für den globalen Öltransport entscheidenden Seeweg. Trump hatte den Iran zuvor persönlich für den Abschuss verantwortlich gemacht. Portfoliomanager Jed Ellerbroek von Argent Capital Management fasste das Dilemma im US-Börsendender CNBC so zusammen: „Die Iran-Kriegsgeschichte ist wirklich folgenreich. Entweder behalten die Investoren recht, dass es nichts zu befürchten gibt und Trump einen Deal schließt – oder die Ölpreise müssen erheblich weiter steigen." In diesem Investitionsumfeld, so Ellerbroek, sei es „unmöglich, sich wohl zu fühlen."
Ölpreis steigt, Chiptitel erneut unter Druck
Trumps Drohungen trieben den Rohölpreis umgehend nach oben. West Texas Intermediate, die US-amerikanische Referenzsorte, stieg um drei Prozent auf über 91 US-Dollar je Barrel. Die Straße von Hormus, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Öltransports fließt, bleibt nach wie vor ein zentraler Unsicherheitsfaktor. Bleibt sie geschlossen oder wird die Passage durch den Konflikt weiter gestört, dürfte der Ölpreis laut Marktbeobachtern noch deutlich weiter steigen – mit direkten Folgen für die globale Inflation.
Besonders ausgeprägt waren die Verluste einmal mehr bei Halbleiteraktien. Micron Technology, Advanced Micro Devices und Broadcom gaben am Mittwoch nach und verzeichneten damit den vierten Verlusttag innerhalb von fünf Handelstagen. Der iShares Semiconductor ETF, der einen breiten Korb von Chiptiteln abbildet, verlor drei Prozent. Bereits am Ende der Vorwoche hatte der Halbleitersektor einen Einbruch von zehn Prozent verzeichnet. Trotz der jüngsten Verluste liegt der ETF in diesem Jahr noch immer um mehr als 80 Prozent im Plus. Ein Teil des Abgabedrucks wird auf den bevorstehenden SpaceX-Börsengang am Freitag zurückgeführt: Einige Marktteilnehmer vermuten, dass insbesondere Privatanleger Gewinne bei Chiptiteln realisieren, um Kapital für den größten Börsengang der Geschichte freizumachen.
Inflationsrate steigt über vier Prozent
Einen kleinen Lichtblick lieferten die Inflationsdaten für den Monat Mai. Die Kernrate des Verbraucherpreisindex – ohne Energie und Lebensmittel – stieg im Monatsvergleich um 0,2 Prozent und fiel damit leicht besser aus als die erwarteten 0,3 Prozent. Im Jahresvergleich lag die Kernrate bei 2,9 Prozent, in Linie mit den Prognosen. Allerdings stieg die Gesamtinflationsrate inklusive aller Preise damit erstmals seit drei Jahren auf über vier Prozent. Das ist ein Niveau, das die Handlungsfähigkeit der US-Notenbank Federal Reserve weiter einschränkt und die urspünglichen Hoffnungen auf Zinssenkungen unter dem neuen Notenbankchef Kevin Warsh in weite Ferne rücken lässt.