Der Software-, Datenbank- und KI-Konzern Oracle legte am Mittwochabend nach US-Börsenschluss Zahlen vor – und die Anleger hatten Mühe, diese zu entschlüsseln. Was Oracle meldete – und welche Signalwirkung davon für den KI-Sektor ausgeht.
Die Stimmung bei KI-Aktien hat sich in den vergangenen Tagen merklich eingetrübt – und die Zahlen, die Oracle am Mittwochabend vorlegte, machen es nicht. Nachdem vor einer Woche bereits der Ausblick des Chipherstellers Broadcom enttäuschte und einen Ausverkauf bei Halbleitern und anderen KI-Titeln auslöste, konnte auch der letzte Hyperscaler, dessen Zahlen noch ausstanden, nicht überzeugen – und das, obwohl Oracle bei Umsatz, Cloud-Infrastruktur-Umsatz und beim bereinigten Gewinn je Aktie über den Erwartungen lag.
Die Investoren hatten sich bereits auf durchwachsene Zahlen vorbereitet: Schon im normalen Handel hatte die Oracle-Aktie am Mittwoch 2,2 Prozent verloren; nach Börsenschluss ging es dann noch einmal um rund sieben Prozent nach unten (Stand 23:06 Uhr).
Diese Zahlen hat Oracle gemeldet
Umsatz: Analysten hatten für das vierte Geschäftsquartal einen Gesamtumsatz von 19,1 Milliarden US-Dollar erwartet, was einem Plus von 20 Prozent entsprochen hätte. Oracle meldete 19,2 Milliarden und lag damit knapp über den Erwartungen
Gewinn je Aktie: Der bereinigte Gewinn je Aktie sollte laut den Konsensschätzungen 1,97 US-Dollar betragen; es wurden – bereinigt – nur 2,11 Dollar. Die Zahl nach den US-GAAP-Bilanzregeln erreichte jedoch nur 1,45 Dollar, eine ungewöhnlich hohe Diskrepanz.
Cloud-Infrastrukturumsatz: Hier wurde ein Wachstum um rund 92 Prozent auf 5,72 Milliarden US-Dollar erwartet. Oracle schaffte 5,8 Milliarden, ein Plus von 93 Prozent und lag damit über den Erwartungen.
Auch der Ausblick fiel besser aus als von den Experten geschätzt:
Oracle will im ersten Quartal seines neuen Geschäftsjahres 2026/2027 den Gesamtumsatz um 27 bis 29 Prozent steigern und den Cloud-Umsatz um 57 bis 63 Prozent (bei konstanten Wechselkursen). Erwartet worden war nur ein Cloud-Wachstum von 57,9 Prozent.
Der Gewinn soll laut Oracle um 16 bis 19 Prozent zulegen, was auf einen Gewinn je Aktie von 1,72 bis 1,76 Dollar hinausläuft. Der Konsens lag nur bei 1,69 Dollar
Das kritisieren die Investoren
Doch Oracle konnte den Investoren am Mittwoch offenbar einfach nicht recht machen: Die Aktie fiel nachbörslich um rund sieben Prozent auf 186,80 Dollar (Stand 23:06 Uhr). Ein Kritikpunkt der Investoren sind die nach wie vor extrem hohen Schulden und Leasingverbindlichkeiten. Da hilft es auch nichts, das Oracle fleißig neue Kundenaufträge einsammelt: Die „verbleibenden Leistungsverpflichtungen“ (Remaining Performance Obligations, RPO), also absehbare Erlöse aus bereits unterschriebenen Aboverträgen für KI-Anwendungen und Software beliefen sich zum Quartalsende auf 638 Milliarden US-Dollar. Das entsprach einem Anstieg von 363 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, also fast einer Verfünffachung. In Zahlen sind das 85 Milliarden US-Dollar mehr als Ende des dritten Quartals.
„Der größte Teil des RPO-Anstiegs entfiel auf groß angelegte KI-Verträge, bei denen der Kunde Oracle den Kauf der GPUs im Voraus bezahlte oder die GPUs selbst kaufte und an Oracle lieferte. Der Anteil der im Voraus bezahlten und vom Kunden gelieferten Hardware an unseren großen KI-Verträgen beläuft sich nun auf insgesamt 75 Milliarden US-Dollar. Dies reduziert den Kapitalbedarf, den Oracle für den Ausbau unserer KI-Rechenzentren aufbringen muss, erheblich“, schrieb das Unternehmen in seiner Zusammenfassung zu den Ergebnissen.
Die Meinung der Analysten
Am Optionsmarkt waren im Vorfeld heftige Schwankungen eingepreist worden. Möglich erschien demnach eine Kursbewegung von bis zu zwölf Prozent am Tag nach den Zahlen – sowohl nach oben als auch nach unten. So schlimm wird es wohl nicht am Donnerstag. Aber eine Enttäuschung bleibt.
Dennoch empfahlen am Mittwoch (vor den Zahlen) weiterhin 42 von 51 Analysten den Kauf der Oracle-Aktie, ihr durchschnittliches Kursziel liegt bei 254,51 US-Dollar, fast ein Viertel über dem Kurs vom Mittwochabend.
Entscheidend wird nun sein, ob Oracle die gebuchten Aufträge tatsächlich in entsprechenden Umsatz umwandeln kann.
Häufige Fragen zum Thema
Welche KI-Strategie verfolgt Oracle?
Oracles KI-Strategie basiert auf der vollständigen Integration von Künstlicher Intelligenz in den gesamten eigenen Technologie-Stack. Dabei will das Unternehmen seine führende Rolle bei Unternehemnssoftware (ERP) nutzen, um vor allem Geschäftskunden für seine KI-Anwednungen zu gewinnen. Das geschäftsmodell reicht von Infrastruktur über die Datenbanken bis hin zu den Unternehmensanwendungen.
Wer ist Larry Ellison?
Larry Ellison ist ein US-amerikanischer Unternehmer, Software-Milliardär und Mitbegründer des IT-Konzerns Oracle. Der mittlerweile schon 81-Jährige Tech-Pionier zählt zu den reichsten Menschen der Welt. Sein Vermögen wird auf über 200 Milliarden US-Dollar geschätzt. Kurzzeitig war er sogar schon einmal der reichste Mensch der Welt. Ellison gründete 1977 zusammen mit zwei Partnern die Oracle Corporation und war bis 2014 fast 40 Jahre lang deren CEO. Aktuell ist er Chief Technology Officer (CTO), Vorsitzender des Verwaltungsrats (Executive Chairman) und immer noch der größte Einzelaktionär von Oracle.
Was ist das Stargate-Projekt?
Die US-Regierung unter Donald Trump will mit einem milliardenschwere Infrastruktur-Initiative unter dem Namen "Stargate" die USA als führenden Standort für Anwendungen rund um die Künstliche Intelligenz (KI) etablieren. Dazu soll ein gigantischen Netzwerk von Rechenzentren und Rechenleistung aufgebaut werden. Zu den Hauptakteuren und Geldgebern von Stargate gehören Technologiekonzerne wie OpenAI, Oracle, SoftBank, Nvidia, Microsoft und der Staatsfonds von Abu Dhabi (MGX). Über einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren sind Investitionen von bis zu 500 Milliarden US-Dollar geplant.