Die Märkte stehen unter Spannung wie selten. An Nvidia hängt der KI-Boom, die US-Regierung hat in den Anleihemarkt eingegriffen, der Dollar taumelt. Ausgerechnet jetzt naht die erste Rede des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh. Er kann so viel falsch machen.

Die Lage an Wall Street ist so aufgeheizt, wie es selbst Veteranen der Börse selten gesehen haben. Die Bank of America nennt das anstehende Notenbanker-Treffen Jackson Hole am Wochenende deshalb ein „key risk event“ für die Finanzmärkte. Das klingt noch härter als nur „Stresstest“. Denn es geht nicht nur um ein Wochenende mit vielen schlauen Reden. Es geht um die Frage, ob der Hausherr, der neue Fed-Chef Kevin Warsh, in der Lage sein wird, die Märkte zu beruhigen. Oder ob er das Gegenteil bewirkt.

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Vergangene Woche hat das US-Finanzministerium mit einer Ausweitung seiner Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen tief in die Befugnisse der Fed eingegriffen, die eigentlich für solche Instrumente zuständig ist. Finanzminister Scott Bessent will das Rückkaufprogramm ab dem 9. September auf mindestens vier Milliarden US-Dollar pro Auktion verdoppeln. Die Reaktion der Märkte war eindeutig: Die Renditen fielen zwar zunächst, stiegen dann aber wieder. „Wir wissen jetzt, wo die Schmerzgrenze liegt“, sagte John Briggs, Zinsstratege bei Natixis. Soll heißen: wie nervös das Weiße Haus selbst auf den langen Zins schaut.

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Bessent nimmt der Fed die Entscheidung ab

Die Rendite der 30-jährigen US-Anleihe war zuvor auf ein 19-Jahres-Hoch gestiegen, während die Inflation mit 3,7 Prozent im Juli weiter über Ziel liegt. Das ist eine Mischung, die jede Notenbank unter Druck setzt: zu hohe Langfristrenditen, zu wenig Zinsspielraum und ein Markt, der an jeder Formulierung des Fed-Chefs herumdeutet.

CNBC zitiert die Bank of America mit der Einschätzung, der Dollar sei „on edge“ vor Jackson Hole. Dass nun auch noch der Dollar fällt, verschärft das Problem: Wenn der Finanzminister versucht, die langen Zinsen zu drücken, aber die Fed nicht klar nachzieht, wird die Währung angreifbar. Anleger spüren das darin, dass sich die Unsicherheit gleichzeitig in die Bewertung von Bonds, Devisen und Aktien einschleicht.

Der Markt will ein Signal

Besonders gespannt wird deshalb auf Warshs Rede am Freitag geblickt. Marktteilnehmer erwarteten, dass seine Aussagen die Erwartungen des Marktes an die Fed-Politik klären. Je nachdem, was Warsh sagt, könnte das starke Umschichtungen auslösen. Deshalb ist Jackson Hole in diesem Jahr mehr als ein akademisches Symposium.

Wie ratlos die Börsianer sind, zeigt die Tatsache, dass auch die Erwartungen der Investmentbanken sehr uneinheitlich ausfallen: Manche Häuser rechnen mit einer eher hawkischen Botschaft, die auf Zinserhöhungen hinweist und dadurch die langen Renditen stabilisieren könnte. Denn die spiegeln die langfristigen Inflationserwartungen wider und würden dann sinken. 

Andere erwarten ein taubenhaftes Signal, ganz im Sinne von Donald Trump, mit dem Warsh weitere Senkungen an der kurzen Seite der Zinskurve ankündigen würde. Das aber würde den Dollar weiter schwächen und die Renditekurve steiler machen. 

Selbst Stillhalten wäre schon eine Botschaft.

5 Prozent sind die rote Linie

Der Ton von Warsh könne bestimmen, wie nah die zehnjährige US-Rendite der kritischen 5-Prozent-Marke komme, kommentierte die Investmentgesellschaft Invesco. Das sei keine kosmetische Schwelle, sondern eine Marke mit Signalwirkung für Aktien, Kreditmärkte und die gesamte Risikobereitschaft im Markt.

Und so schauen jetzt alle auf Jackson Hole. Wenn Warsh den Markt mit klareren Hinweisen beruhigt, könnte das die Anleihen etwas stabilisieren. Wenn er ausweicht oder zu allgemein bleibt, wird der Markt die Lücke selbst füllen – eher nicht mit Optimismus. Für Dollar, Bonds und die Aktienmärkte wird Jackson Hole damit zu einem echten Stimmungstest.

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Häufige Fragen zum Thema

Was passiert in Jackson Hole?

Das Jackson Hole Economic Symposium  ist eine dreitägige Konferenz, die jedes Jahr von der Federal Reserve Bank of Kansas City in Jackson Hole, Wyoming in den Vereinigten Staaten veranstaltet wird. An ihr nehmen führende Vertreter von Zentralbanken aus der ganzen Welt teil. Die Zentralbanker erörtern hier Weltereignisse sowie Finanz- und Wirtschaftstrends. Die Diskussionen in Jackson Hole werden in der Finanzpresse insbesondere aufgrund ihres Einflusses auf die Entwicklung der weltweiten Zinssätze genau beobachtet udn kommentiert.

Warum steigen die Renditen gerade jetzt so stark? 

Der Anleihenmarkt preist nicht nur eine höhere Inflation, sondern auch die schwache US-Fiskallage und geopolitische Risiken ein. Dazu kommt, dass die wachsende Staatsverschuldung, vor allem der USA, das Vertrauen in langlaufende US-Anleihen belastet. Das treibt die Renditen zusätzlich nach oben.

Wer ist Kevin Warsh?

Kevin Warsh wurde im Mai zum neuen Präsidenten der US-Notenbank Federal Reserve (kurz: "Fed") berufen. Trump hatte seinen Vorgänger Jerome Powell regelmäßig öffentlich dafür kritisiert und beschimpft, dass dieser die Zinsen nicht wie von Trump gewünscht senkte. Beobachter gehen deshlab davon aus, dass Warsh eine lockerere Zinspolitk im Sinne Trumps verfolgen will. Im aktuellen ökonomischen Umfeld kann er das aber eigentlich nicht tun. Zudem entscheidet Warsh nicht alleine über den Leitzins, sondern als Mitglied eines siebenköpfigen Board of Directors.