Er war Mitglied des sagenumwobenen „Superalignment“-Teams von OpenAI – bis er 2024 von dem KI-Pionier entlassen wurde. Seitdem investiert der erst 24-jährige Deutsche selbst in KI-Unternehmen – mit einem beeindruckenden Track-Record.
Wer den Lebenslauf von Leopold Aschenbrener liest, der glaubt gar nicht, dass der Mann erst 24 Jahre alt ist – oder 25, man weiß es nicht ganz genau: Er wuchs in Berlin auf, schloss aber schon mit 19 sein Studium an der Columbia University als Jahrgangsbester mit den Hauptfächern Wirtschaftswissenschaften und Mathematik-Statistik ab, weiß das Online-Lexikon Wikipedia. Danach forschte er für die „Global Priorities Initiative“, war Mitglied des Futures-Teams bei der mittlerweile insolventen Kryptobörse FTX und danach ab 2023 Mitglied des legendären „Superalignment“-Teams beim KI-Pionier OpenAI. Dessen Ziel war es, KI-Systeme intelligenter als Menschen zu machen, dennoch zu kontrollieren und so die KI-Sicherheit zu garantieren.
Bei OpenAI gab es im April 2023 einen Hackerangriff, den Aschenbrenner zum Anlass nahm, in einem Memo die Sicherheitsmechanismen von OpenAI als unzureichend zu kritisieren. Mit seinem Rauswurf 2024 soll das aber angeblich nichts zu tun gehabt haben. Gehen musste er offiziell wegen eines eher harmlosen Dokuments, das er ein paar Externen zum Review gegeben hatte.
Er schrieb ein Manifest der KI-Revolution
Ebenfalls im Jahr 2024 verfasste Aschenbrenner einen 165-seitigen Aufsatz mit dem Titel „Situational Awareness: The Decade Ahead“ („Situationsbewusstsein: Das kommende Jahrzehnt“). Er nennt darin vier Risiken für die Menschheit durch den Einsatz von KI-Technologien und warnt insbesondere davor, dass sich die Vereinigten Staaten gegen den Einsatz von KI-Technologien durch Länder wie Russland und China verteidigen und entsprechende KI-Investitionen in KI tätigen müssten. Aschenbrenner stellte außerdem die These auf, dass die Welt schon 2027 sich selbstverbessernde Systeme sehen könnten, die eine Vorstufe zur Superintelligenz darstellen könnten.
Der Aufsatz wurde laut Wikipedia zu einem der meistgelesenen Texte zum Thema KI.
Goldenes Händchen bei Micron – und Wetten gegen KI-Giganten
Aschenbrener wechselte jedoch das Metier – und wurde Investor. Für die von ihm mitgegründete Vermögensverwaltung „Situational Awareness LP“ mangt er einen Hedgefonds, dessen Volumen in nur eineinhalb Jahren von 255 Millionen auf 13,7 Milliarden Dollar anschwoll. Ein klares Zeichen, dass die Investoren in Aschenbrenners Fonds riesiges Potenzial sehen.
Zu den größten Aktien-Positionen im Portfolio gehörten laut dem jüngsten 13F-Filing Ende März 2026 Bloom Energy, Sandisk und der Speicherchip-Riese Micron, den Aschenbrenner erst im ersten Quartal 2026 hinzufügte – gerade rechtzeitig vor dem katapultartigen Kursanstieg.
Die vier im Wert absolut größten Positionen sind aber – neben einem ETF von van Eck – Put-Optionen auf Nvidia, Oracle, Broadcom und AMD. Auch bei TSMC und ASML setzte Aschenbrenner per Ende März auf fallende Kurse.
Jüngstes Investment löst Kurssprung aus
Für Aufsehen sorgte diese Woche sein jüngstes Investment: Der Situational Awareness Fund beteiligte kaufte 12,41 Millionen Aktien am europäischen KI-Rechenzentrums- und Cloud-Konzern Nebius. Das entspricht einem Anteil von 5,6 Prozent. Prompt schoss der Kurs von Nebius um neun Prozent nach oben.
Mitte März hatte sich bereits Nvidia mit zwei Milliarden Dollar an Nebius beteiligt. Seitdem hat sich der Aktienkurs der Firma mit Sitz in Amsterdam glatt verdoppelt.
Also nichts wie nachordern? Bei aller KI-Fantasie – Nebius schlägt derzeit mit ganz profanen Problemen wie einer ausreichenden Finanzierung herum: Um bereits abgeschlossene Verträge mit Meta und Microsoft erfüllen zu können, muss das Unternehmen massiv investieren – und sich dafür verschulden. Der Schuldenberg beträgt derzeit über 9,4 Milliarden US-Dollar bei einem Börsenwert von 46,35 Milliarden Euro. Die Abschreibungen von 212 Millionen US-Dollar machten im ersten Quartal mehr als die Hälfte des Quartalsumsatzes aus. Eine erhebliche Belastung.
Ob der Investor Aschenbrenner bei Nebius dennoch ein ähnlich optimales Timing bewiesen hat wie zuvor bei Micron, wird sich am 29. Juni zeigen: Dann will Nebius Zahlen für das zweite Quartal vorlegen.
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Häufige Fragen zum Thema
Wer ist Leopold Aschenbrenner?
Leopold Aschenbrenner ist ein deutscher Forscher und Investor im Bereich künstliche Intelligenz (KI). Er war Mitglied des „Superalignment“-Teams von OpenAI, bevor er im April 2024 entlassen wurde und hat einen populären Aufsatz mit dem Titel „Situational Awareness“ über die Entstehung künstlicher allgemeiner Intelligenz und damit verbundene Sicherheitsrisiken veröffentlicht.Mittlerweile ist Aschenbrenner, dessen Geburtsjahr mit 2001 oder 2002 angegeben wird, Chief Investment Officer (CIO) der von ihm mit gegründeten Situational Awareness LP.
Was macht Nebius?
Die Nebius Group mit Sitz in Amsterdam ist ein niederländisches Technologieunternehmen, das sich auf den Aufbau großflächiger Infrastruktur für künstliche Intelligenz (KI) spezialisiert hat. Nebius ging aus einer Abspaltung vom russischen Yandex-Konzern hervor und bietet primär Cloud-Dienste, Rechenzentrumsleistungen und Hochleistungs-Computing (HPC) an. ZU den Kunden gehören Microsoft und Meta.
Wer ist neben Leopold Aschenbrenner noch in Nebius investiert?
Nvidia beteiligte sich bereits 2025 erstmals an Nebius und stockte diese Beteiligung im März 2026 auf zwei Milliarden US-Dollar auf.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nebius.